Schuhmarkt

Good Lack

Glanz hat Magie und Lackleder ist geeignet, Träume wahr werden zu lassen. Die neuen Kollektionen sind voll der Lackschuhe und Lackaccessoires. Damit lässt sich prächtig glänzen. 05/07 Maria Schneidewind

Glanz hat Magie, zieht uns an, weckt Freude und macht schön. Glänzendes Haar, glanzvolle Karrieren, glänzende Partien. Das Ballkleid ist aus glänzender Seide, schwarz glänzen die Frackrevers, vom Schmuck der Damen ganz zu schweigen. Lauter positive Assoziationen.

Es fängt schon bei den Kleinsten an. „Mädchen wollen Lackschuh“, heißt es im Kinderlied. Auch Petruschka will sie haben: in Rosa, zum fünften Geburtstag. Als die heiß Ersehnten schließlich vor ihr stehen, sind sie schwarz, nicht rosa – aber was macht das schon? Hauptsache, sie funkeln, dass man sich darin spiegeln kann. „Petruschkas Lackschuhe“ heißt das Kinderbuch von Vita Andersen, das derzeit für vermehrtes Sehnen nach den schimmernden Tretern sorgt. Am liebsten mit Schleifchen und im Ballerinastil.

Aber Lack für Mädchen und Lack für Frauen – das sind naturgemäß zwei ganz und gar unterschiedliche Paar Schuhe. Im Wortsinn. Denn wo Lackleder am kindlichen Fuß nichts als ein bisschen Glanz in aller Unschuld darstellt, ist das Gespann Lack und Frau nicht selten ein Synonym für Erotik. Das gilt auch da, wo Lack sich auf Textilien darstellt. Unvergessen Catherine Deneuve in dem Filmklassiker „Belle de Jour“, wie sie im eng geschnürten schwarzen Lackmantel durch die Pariser Gassen eilt, auf dem Weg zu ihrer heimlichen Arbeitsstelle: dem Bordell. Das war in den Siebzigern, und Heerscharen von Mädchen hatten damals besorgte Eltern, wenn sie in einem solchen Mantel nach Hause kamen.

Und nun sind Lackschuhe und Lacktaschen angesagt: Für Ballerinas, für sexy High Heels, für Zehenschuhe, für Sneaker und für Reiterstiefel. Natürlich auch für Shopper, Beutel und kleine Pochettes. Doch die flimmernde Erotik, die „supersoften Bettstiefeln aus schwarzem Lackleder, knie- bis oberschenkellang“, anhaftet, ist hier trendigen Looks gewichen. Und von „Lackleder von Kopf bis Fuß“ rät die Modeberaterin, im Gegensatz zu den Beratern im horizontalen Gewerbe, daher total ab.

Wiederum ein ganz anderes Thema ist Lackleder für den Herrn. Ihm ist einzig der Lackschuh erlaubt, als Ergänzung zu Frack und Smoking. Wer also ein Paar Lackschuhe besitzt, hat auch Smoking oder „Pinguin“ im Kleiderschrank und somit Gelegenheit, dieselben auszuführen. Ergo ist er ein Mann von Welt. Da wusste man schon, was gemeint war, als einst Harald Juhnke selig sich und sein Publikum mit dem Lied beglückte: „Barfuß oder Lackschuh, alles oder nichts? Leg ich mir ’nen Frack zu, oder komm ich vor Gericht?“ Der Lackschuh: ein Statussymbol.

Im Kölner Karneval heißt es heute noch: „Hier redde die Redner platt, de Lackschuh lasse mer daheim“. Das ist eine Anspielung auf die Jecken der höheren Gehaltsklassen, die im Smoking zur Fremdensitzung gehen. Wer in Köln feingemacht in die Bütt steigt, ist ein „Lackaffe“ und wird nicht mehr eingeladen. Soviel zur Symbolik von Lack für den Herrn. Lackschuhe aus der Sicht des Kindes, am weiblichen und am männlichen Fuß: Drei Paar Schuhe, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Eins jedoch haben sie gemeinsam: Sie lassen keinen unberührt – nicht den Träger, und erst recht nicht den Betrachter. 05/07 Maria Schneidewind

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