Schuhmarkt

Querdenker gefragt

Modische Ansprüche der gehobenen Art bediente die achte Auflage der Premium vom 14. bis 16. Juli in Berlin.Trotz Dominanz textiler Bekleidung war der Schuhsektor mit rund 100 Kollektionen für Frühjahr/Sommer gut vertreten. 16/06 Stephan Kühmayer

Die Modemesse Premium, nunmehr in ihrem vierten Jahr, hat sich weiter etabliert. Sie darf inzwischen als fester Bestandteil des europäischen Messekalenders gelten. Die Veranstaltung, die sich an den anspruchsvollen Modefachhandel richtet, ist dabei noch strukturierter und laut eigenem Bekunden auch internationaler geworden.

Zwei Neuerungen gab es diesmal. Erstmals präsentierte sich die Orderplattform an nur einem Standort. Dabei handelte es sich um einen alten Postgüterbahnhof im Stadtbezirk Kreuzberg, der mittlerweile zu einer adäquaten Schaustelle ausgebaut wurde. Der einstmals genutzte U-Bahntunnel unter dem Potsdamer Platz, welcher der Premium früher den Hauch des Außergewöhnlichen verlieh, stand nicht mehr zur Verfügung.

Der zweite neue Aspekt betraf die vollständige Terminüberschneidung mit der Bread & Butter Berlin. Inzwischen scheinen die Veranstalter beider Messen gemerkt zu haben, dass es sich besser leben lässt, wenn man an einem Strang zieht. Man fand diesmal nur lobende Worte füreinander. Dies war nicht immer so. Die Ausstellungsfläche in den alten, ehrwürdigen Hallen, übrigens mit viel natürlichem Licht durchflutet, betrug insgesamt 30 000 Quadratmeter.

Die Offerten der Anbieter bestanden aus trendiger Damenoberbekleidung (39 %), Menswear (20 %), Accessoires (26 %) und last, but not least aus Schuhen (15 %). Dieser Mix machte durchaus Sinn. Etliche der Aussteller aus dem Bereich Schuhmode berichteten übereinstimmend, dass immer mehr Boutiquenbesitzer nach passenden Schuhen für ihre Auslagen suchen. „Querdenken“ sei inzwischen eine wichtige Prämisse in der for tschrittlichen Modewelt. Die klassischen Kategorisierungen nach Oberbekleidung, Schuhen oder Accessoires verlieren, so hieß es, mehr und mehr an Bedeutung. Das Zauberwort des „Concept Stores“ machte die Runde.

Positives Fazit trotz Besucherrückgang

Die Veranstalter, allen voran die beiden Geschäftsführer der Premium Exhibitions GmbH, Anita Bachelin und Norbert Tillman, zogen ein positives Resümee des Modeevents. Man hätte, so war in der abschließenden Presseerklärung zu lesen, ein positives Feedback seitens der Aussteller bekommen. Das Orderverhalten sei rege gewesen. Die gesunkene Besucherzahl wurde dagegen in der Verlautbarung nur beiläufig erwähnt. Immerhin verzeichneten die Verantwortlichen mit 15 000 registrierten Facheinkäufern ein Minus von 3000 gegenüber der letzten Veranstaltung. Auch einige Aussteller bemängelten die zu geringe Besucherfrequenz.

Trotzdem zeigten sich die meisten Markenvertreter mit dem Verlauf zufrieden. „Die wichtigen Kunden waren hier“, so der Kommentar eines von SchuhMarkt befragten Repräsentanten. Die Professionalität der Messeorganisation fand ebenfalls lobende Erwähnung. Auf die Konkurrenzsituation mit Düsseldorf angesprochen, erklärte Anita Bachelin selbstbewusst: „Das ist kein Thema für uns, wir spielen in einer anderen Liga.“ In Anbetracht der Internationalität müsse Berlin mit Modemetropolen wie Paris, London oder Mailand in einem Atemzug genannt werden. Düsseldorf sei mehr national ausgerichtet.

In punkto Modetrends war es noch nicht die Zeit für verlässliche Prognosen, zumal an diesem frühen Termin noch nicht alle Kollektionen zur Verfügung standen. Immerhin, einige Fingerzeige gab es doch. Entsprechend dem bisher sehr warmen Sommer ließ sich die sehr leichte Schuhmode gut verkaufen. Sandaletten und Pantoletten, edel verarbeitet und mit viel glitzernden Ethno-Applikationen ausgestattet, erfreuten sich großer Nachfrage.

Ganz im Gegensatz dazu blieb aber das Thema Stiefelmode aktuell. Folkloristisch angehauchte Langschäfter könnten im nächsten Frühjahr, glaubt man den Protagonisten, eine interessante Rolle spielen. Egal, ob orientalisch oder afrikanisch angehaucht, ob südländisch oder eher nordisch inspiriert – die Schuhmode stand in einer bemerkenswerten Korrespondenz zum übrigen Bekleidungssektor.

Mit Pailletten veredelte Jeans oder auffällig gestaltete Gürtel stellten ihre Harmoniefähigkeit mit der Fußbekleidung unter Beweis. Bei den femininen Linien fanden weiterhin Keile, zumeist ummantelt, Beachtung. Rot und Weiß, entweder in Uni oder im Mix, sowie Maisgelb galten dabei als Insidertipps. Noch schwerer hatten es Trendscouts bei den Herrenschuhen. Die Angebote auf der Premium waren hier doch sehr unterschiedlich, lassen aber gerade deswegen hoffen. Individualistisches Modebewusstsein hält zunehmend Einzug beim starken Geschlecht.

Premium – kurz und knapp

- Veranstalter: Premium Exhibitions GmbH, Berlin

- Termin: 14. – 16. Juli 2006

- Ort: Berlin, Postgüterbahnhof Gleisdreieck

- Kollektionen: 600

- Angebot: hochwertige Damen- und Herrenmode, Jeanswear, Accessoires, Schuhe

- Besucher: 15 000

Die Premium bietet ihrem Klientel erstmals zusätzliche Ordermöglichkeiten zeitgleich zur CPD und zur Munich Fashion Fair an.Termine und Örtlichkeiten sind wie folgt: Düsseldorf, 21. bis 26. 07. 2006, Colorium Haus, Speditionsstr. 9, 40221 Düsseldorf (Hafen) München, 11. bis 15. 08. 2006, Carrea Haus, Wilhelm-Wagenfeld-Str. 20, 80807 München

16/06 Stephan Kühmayer

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