Schuhmarkt

Sommerloch in Linz

Die Schuh Austria Linz steht als erste größere Schuhmesse sehr früh in der Saison – möglicherweise zu früh. Jedenfalls berichteten zahlreiche Aussteller über eine rückläufige Besucherfrequenz der Kommunikationsplattform. 18/06 Karin Grabner

Die Messe Schuh Austria fand vom 6. bis 7.August im Design Center Linz statt. Die Schuhindustrie bot dem österreichischen Schuhfachhandel einen „Modischen Event“, in dem die neuesten Kollektionen für die Saison Frühjahr/Sommer 2007 der rund 80 Aussteller aus dem Inund Ausland im Mittelpunkt standen.

Aus diesem Marken-Mix konnte der Schuhfachhandel erste Impulse für seine Einkaufsplanung gewinnen. Viele Aussteller beurteilten die Besucherfrequenz auf der Schuh Austria jedoch als rückläufig. Als Grund dafür wurde einerseits die stetig sinkende Zahl österreichischer Fachhändler, andererseits der relativ frühe Termin der Schuh Austria mitten in der Urlaubszeit – verglichen mit anderen Ordermessen – genannt.

Die Messe als Kommunikationsplattform wurde von diversen Ausstellern positiv, aber dennoch schwächer als die Jahre zuvor beurteilt. Für Herbst- /Winter-Nachorder sei der Zeitpunkt vielfach zu früh, da es noch keinerlei Verkaufserfahrung der bevorstehenden Saison gäbe. Vororder für Frühjahr/Sommer 07 wurde in erster Linie für Basisware und Kinderschuhen getätigt. Die meisten Fachhändler tasteten sich nur zaghaft an modische Neuigkeiten im Schuhbereich heran. Vielfach werde das gesucht, was sich die vergangene Saison gut verkauft habe, beklagten einige Aussteller. So bliebe das Neue nicht selten auf der Strecke.

Für Robert Steinmacher, den österreichischen Repräsentanten der Firma Think, ist die Schuh Austria trotz frühem Zeitpunkt und weniger Besuchern ein guter Ausgangspunkt für die erste Kontaktaufnahme zu seinen Kunden. Think kommuniziere dem Handel auf der Schuh Austria neue Trends. Think Kunden kämen hierher, um die neuen Kollektionen anzusehen, zu begreifen, zu bewundern und mitunter auch kritisch zu beurteilen. Geordert werde zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht. Steinmacher sieht die Problematik der Schuh Austria, die sich immer mehr zur Regionalmesse entwickle, auch im frühen Termin und der konformen Aufmachung der Stände. Individuelle Messestände wären von der Messeorganisation leider nicht erwünscht. So wird die Messe optisch immer mehr zu einem Orderschauplatz, an dem aber so gut wie nicht geordert würde.

Eine kritische Meinung vertritt auch Robert Stöckl von Lacoste Deutschland. Er sagt, das erste und gleichzeitig letzte Mal bei der Schuh Austria ausgestellt zu haben. Die Messe hätte durch die Abwesenheit der Händler geglänzt, so Stöckl enttäuscht. Für ein Produkt wie Lacoste wäre der Termin der Schuh Austria schon richtig. Die Resonanz auf Lacoste sei jedoch überaus positiv bei einer kleinen Selektion von österreichischen Händlern, die gut informiert seien und auch andere Messen im In- und Ausland besuchten, so Stöckl. Diese seien offener und mutiger als der konventionelle Fachhandel, der leider oft verhaftet im Alten ist. Dies sei eine Tendenz, die gleichermaßen für Österreich und Deutschland gelte, sagt Stöckl.

Eckhart Latzer, der die Fabrikate Fretz Men, K+S, Primigi und Softclox vertritt, ist der Meinung, dass der Zeitpunkt der Schuh Austria für den österreichischen Händler als Saisonstart optimal sei. Dies verlange von den Herstellern, die Kollektionen weitgehend fertig zu haben. Doch gerade der zeitige Termin der Schuh Austria gibt vielen Vertretern Anlass, ihre Reisen zu ihren Kunden nochmals vorzuziehen, um so früh wie möglich ihre Kollektionen präsentieren zu können und die Händler zu frühen Kaufentscheidungen zu führen. Latzers Kunden waren auf der Schuh Austria auf der Suche nach Neuem, wenn auch immer mit der Hauptausrichtung, jene Segmente zu suchen, die vergangene Verkaufssaison zu wenig im Geschäft vertreten waren. Standardware ist, so betont Latzer, insbesondere bei Herrenschuhen neben den Neuerungen nach wie vor wichtig.

So wurde bei Fretz Men vermehrt zu eleganten Herrenschuhen und sommerlich offenen Sandalen und Pantoletten gegriffen. Raffiniert verarbeitete Zehenfangpantoffeln sind auch beim Mann für nächste Saison im Vormarsch. Primigi, der hochwertige Kinderschuhanbieter, den Latzer die zweite Saison für Österreich vertritt, etabliert sich durch alle Produktsegmente und spricht ebenso anspruchsvolle Händler für die Grundausstattung des Sortiments an wie Händler, die einige Modelle als Highlights in ihrem Kinderschuhangebot führen möchten. So sind bei Primigi die sportiven Allwetterschuhe mit Goretex für Jungen sowie lässige Ballerinen und freche Klettmodelle in bedruckten Ledern die Basis der Kollektion. Gut angenommen wurden vom Handel auch die extravaganten Sandalen mit lieblichen Blütenapplikationen, Zehenfänger mit maritimen Ideen und sommerliche farbige Modelle im Converse-Stil.

Der Trend zu Natur, aber auch maritime Einflüsse waren in den meisten Kollektionen auf der Schuh Austria sowohl bei sportiven als auch bei eleganten Modellen zu entdecken. Ein neuer Purismus war ebenso unverkennbar präsent. Die Tendenz zu leichten und gleichzeitig femininen Schuhen war nicht zu übersehen. Bequemlichkeit war eine Selbstverständlichkeit. So präsentierte der österreichische Hersteller Legero eine superleichte Sneakerlinie mit Gore-tex XCR Membran in dezenten Farbabstufungen von hell bis dunkel für Damen und Herren. Die neue entwickelte Produktlinie ist überaus funktionell und extrem atmungsaktiv. Der optimale Schuh für Reisende und jene Menschen, die viel auf den Füßen sind und hohe Ansprüche bei allen erdenklichen Wetterbedingungen haben.

Superfit zeigte eine breit gefächerte Kinderschuhkollektion, die sich auf viele sportliche Elemente verlagerte. Schwerpunkt sind liebliche Mädchenhalbschuhe, sportive Allroundsandalen und lässige Bubenschuhe. Bei Högl zieht sich der Einfluss von Naturledern in satten Brauntönen von Peep Toes, Slings, Pantoletten, Pumps bis hin zu Mokassins. Moderne Lasercuttechnologie für Blumenelemente verwendete Softclox auf seinen patentierten flexiblen Holzsohlen. Scholl nietete Naturleder in raffinierten Schnittvarianten auf seine Holzböden, die für die nächste Saison höhere Absätze zeigten.

Bei Clarks vereinten sich gekonnt Naturthemen mit perfekter technischer Umsetzung sowohl in der Basis- als auch in der modischen Originals-Kollektion für Damen und Herren. Die Schnitte waren simpel, die Details raffiniert. Vital, der Spezialist für Pantoffeln mit Fußreflexzonenmassage, entwickelte einen durchbrochenen Keil, der optische und fühlbare Leichtigkeit verspricht. Richter, die österreichische Kinderschuhfirma, will die Füße der Jüngsten nächste Saison ganz besonders verwöhnen. Die Kollektion bestach unter anderem durch eine neuartige, supersofte Lauflerngruppe mit herausnehmbarer Einlegesohle. Für Mädchen kamen ornamentreiche Sandalen im Naturlook, mit und auch ohne Plateau, bei den Händlern ebenso gut an wie lässige Bubensandalen im „used look“.

Die Schuh Austria fand ihren Ausklang am Sonntagabend mit einer Live-Modenschau, die Konrad Weißler vom DSI präsentierte. Im Vorfeld ging Joseph Lorenz auf die unterschiedlichen Betrachtungsmöglichkeiten des Begriffes „Konzentration“ ein, dessen Bedeutung in den letzten Jahren stark hervorgehoben wurde. Besonders wichtig erschien ihm dabei die Konzentration auf die eigenen Stärken und Anstrengungen, diese in den Vordergrund zu stellen. 18/06 Karin Grabner

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