Schuhmarkt

Messe der Gegensätze

Die Verantwortlichen der französischen Midec versuchen seit einem Jahr, der Veranstaltung einen neuen, internationalen Anstrich zu geben. Das könnte gelingen, denn die geballte Power dreier Messen, zieht das Publikum an. 04/07 Stephan Kühmayer

Die Verantwortlichen der französischen Midec versuchen seit einem Jahr, der Veranstaltung einen neuen, internationalen Anstrich zu geben. Das könnte gelingen, denn die geballte Power dreier Messen, zieht das Publikum an.

Die Midec (Mode international de la chaussure) in Paris soll internationaler werden. Dies wünschen sich zumindest die Verantwortlichen der Veranstaltung. Neue Positionierung, neues Image und neue Segmentierung lauten die propagierten Erfolgsrezepte. Für die meisten der Aussteller stand hingegen das alltägliche, sehr auf den französischen Markt fokussierte Ordergeschehen im Vordergrund. François Browne de Kilmain, seit zwei Jahren Generaldirektor der Midec, fühlt sich sichtlich wohl auf dem internationalen Parkett.

Ein Champagner mit den Honoratioren der französischen Schuhindustrie hier, ein Cocktail mit den italienischen Kollegen von Anci dort - der Franzose mit irischen Wurzeln gibt sich alle Mühe, den Pariser Schuhmodesalon zu höheren Weihen zu führen. Die ersten diesbezüglichen Maßnahmen – mehr konzeptioneller als denn geselliger Art – haben bereits gegriffen. Ein moderneres Ambiente sowie vor allem mehr ausländische Aussteller und Besucher kennzeichnen spätestens seit der letzten Veranstaltung im September 2006 das neue Erscheinungsbild.

Jetzt, vom 2. bis 4. Februar, fand dies seine Fortsetzung. Es ging noch multinationaler als in früheren Zeiten zu. Eine Ursache hierfür dürfte sicherlich auch im Termin gelegen haben. Die Veranstalter profitierten von der geballten Power mehrerer Modemessen am selben Termin und Ort. Die Who’s next und die Première Classe seien in diesem Zusammenhang nur exemplarisch genannt. Außerdem waren nicht nur die bereits erwähnten Vertreter der italienischen Schuhproduzentenvereinigung ANCI erstmals auf der Midec offiziell vertreten, andere Länder entsandten ebenfalls Abordnungen, so etwa das brasilianische Pendant Abicalçados. Zudem wurden mehrere internationale Messen wie die GDS oder die spanische Modacalzado beworben.

Die guten Kontakte de Kilmains als Präsident der letzten August in Las Vegas gegründeten WSFO (World Shoe Fair Organizer) taten ein Übriges. Der globale Horizont war für die meisten der Aussteller an diesem schönen Pariser Februarwochenende allerdings zu weit weg. Vielmehr stand das Alltagsgeschäft für die frankophonen Märkte im Blickpunkt. 700 in- und ausländische Markenvertreter zumeist namhafter Labels präsentierten den schätzungsweise 12 000 Besuchern ihre Kollektionen für die kommende Herbst-/Winter-Saison.

Besonders rege Nachfrage seitens des Fachhandels fand dabei die Stiefelmode. „Unsere Langschäfter, die sich mehr über markante Applikationen und über interessante Materialvielfalt als denn über Farbe definieren, kamen sehr gut an“, wusste Export Sales Manager Stefan Viehrig am Stand von Tamaris/Wortmann zu berichten. Stiefeletten würden aber als modische Ergänzungen geordert, hieß es weiter.

Die vorgestellten Damenschuh-Kollektionen auf der Midec zeigten ein sehr breites modisches Spektrum. Es reichte von romantischer Schlichtheit bis hin zu barocker Opulenz. Insgesamt schien das Spiel mit Materialien von ganz besonderer Dominanz zu sein. Rustikale Stiefel stellten ihre momentan wichtige Bedeutung unter Beweis. Dabei wurden gern Themen aus der Fauna, etwa Pelz und Fell, aufgegriffen. Reiter- und Jagdlook blieben bedeutungsvolle Leitgedanken. Auffällige Stulpen, Schnallen oder Schnürungen kennzeichneten diesen Trend.

Aber auch volkstümliche Modelle mit Strick und Stickereien fanden Beachtung. Bemerkenswerte Gegensätze gab es gleichfalls bei femininen Modelltypen. Flache Ballerinas, neuerdings gern in Metallictönen, und extrovertierte Pumps mit High Heels für die „Femme fatale“, nicht selten in Lackoptik, kämpften um die Gunst der Facheinkäufer. Auch glitzernder Schmuckbesatz war beliebt. Bei den Herren fiel das Angebotsspektrum deutlich geringer aus. Allerdings erlangten auch hier die Materialbilder, egal ob beim funktionalen Sportschuh oder beim eleganteren Derby, zunehmend Einfluss. Vintage bewies einmal mehr die aktuelle Vormachtstellung. 04/07 Stephan Kühmayer

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