Schuhmarkt

MICAM – Das Termindrama

Der frühe Termin der Mailänder Schuhmesse Micam und die Verlegung auf drei Werktage hat sich für die Beteiligten nicht zum Besten entwickelt. Viele nationale und internationale Einkäufer blieben weg, obwohl die meisten Kollektionen fertig waren. 06/08 Karin Grabner

Der frühe Termin der Mailänder Schuhmesse Micam und die Verlegung auf drei Werktage hat sich für die Beteiligten nicht zum Besten entwickelt. Viele nationale und internationale Einkäufer blieben weg, obwohl die meisten Kollektionen fertig waren.

Die Erwartungen der Messeorganisation Anci an den frühen Zeitpunkt der Micam waren hoch gesteckt. Hatte die Messe in den letzten Jahren der GDS weitgehend den Rang abgelaufen, so hat sich das Bild bei der aktuellen Veranstaltung deutlich gedreht: Die Besucherzahlen waren rückläufig. Viele nationale und internationale Einkäufer blieben aus. Offizielle Besucherzahlen werden von der Anci mit 38 773 angegeben. Hinzu kam, dass nicht nur italienische Schuhhändler gerne den Sonntag nutzten, um die Messe zu besuchen.

Da die Micam diesmal unter der Woche veranstaltet wurde, fehlten somit viele „Hausgäste“ und kleinere ausländische Händler, denen, mit Anfahrtstagen, eine ganze Woche Abwesenheit vom Geschäft zu lang war. Der Grund für den frühen Micam-Zeitpunkt zwei Wochen vor der GDS war nicht ausschließlich Ostern, sondern die alle vier Jahre stattfindende Baumesse in Mailand. Die Micam, statistisch viel kleiner als die Baumesse, musste terminlich weichen. Rund 1665 Aussteller präsentierten ihre neuen Herbstkollektionen.

Fast unendlich die Anzahl und Länge der Messegänge in den acht Messehallen. Die Befürchtung einiger Händler im Vorfeld, dass viele Kollektionen zum frühen Zeitpunkt noch nicht fertig sein würden, hat sich nicht bestätigt. Alle namhaften Hersteller boten fertige Kollektionen an. Zu wichtig ist der italienischen Schuhindustrie die Micam.

Zwiespältig war schlussendlich die Meinung über den wirtschaftlichen Erfolg der Aussteller. Generell ist zu sagen, dass der Trend zu Qualität und guter Verarbeitung unaufhaltsam weitergeht. Die einen zeigten sich trotz schwacher Frequenz mit den Orders zufrieden, andere hoffen auf bessere Zeiten: Großartige Steigerungszahlen wurden in Italien nicht erreicht. Italien spricht anhaltend von wirtschaftlich schwierigen Zeiten in der Schuhproduktion. Die Exporte stagnieren Jahr für Jahr. Für die Amerikaner ist der Euro fast unerschwinglich geworden – und wer keine Megabrands in seinem Angebot hat, findet seine Schuhe auch außerhalb Europas zu kleinen Preisen. Für Einkäufer der großen Luxus-Kaufhäuser, gleich ob aus Amerika, Asien oder Europa, spielten die Preise eine untergeordnete Rolle. Die Qualität „Made in Italy“ hat einfach ihren Preis.

Die ersten beiden Micam-Messetage waren frequenz- und ordermäßig gut. Ab Donnerstag brach es gänzlich ein. Es wurde vermutet, dass Einkäufer aus Asien und Amerika von Mailand direkt nach Paris auf die Première Classe weiterflogen. In Paris sind aber auch nur wenige Micambesucher angekommen. Die Messe war genauso flau. Zu viele gleichartige Messen mit immer wiederkehrenden Ausstellern kämpfen derzeit um die gleichen Besucher. Es stellt sich die Frage, ob Megamessen mit verbarrikadierten und geschlossenen Ständen überhaupt noch im Trend der Zeit liegen.

Immer wieder sind es die professionell arbeitenden und serviceorientierten Firmen, die internationale Erfolge verzeichnen. So waren beispielsweise bei Pura Lopez, Rossimoda, Vic Matié, Janet & Janet oder Manas die Stände immer gut frequentiert. Konzeptionelle Kollektionen, die eine Produktvielfalt in den jeweiligen Linien von Ballerinas, Pumps, Mokassins über Stiefelette bis hin zum Stiefel anbieten, erleichtern den Einkäufern die Auswahl. Oft ist es eine Frage des Markenauftritts, weniger der Preise.

Herbst/Winter 08/09: Trotteurboots und Farmerstiefel

Waren vergangenen Herbst Ankleboots die Newcomer der Saison, propagieren die Stylisten nun Trotteurboots. Auch Farmerstiefel zum Reinschlüpfen in kompakten Naturledern sind die absoluten Highlights. Overknees auf flachen Absätzen in weichen Handschuhledern sind ebenfalls neu und wurden gut aufgenommen. Als wären Stiefel nie zuvor dagewesen, ist die Begeisterung über diese groß. Mokassinmodelle auf mittleren und hohen Absätzen, maskulin wirkende Dandyschnürschuhe sowie schlichte Pumps mit innen liegenden Plateaus kommen in sportlichen Bürstledern und Krokoprägungen. Stiefeletten mit weiteren Schäften zeigen sich simpel oder in gerafften, bzw. gecrashten Ledern.

Natur wird luxuriöser. Voluminös verrundet sind viele der Formen, kompakt die Absätze. Die Ansprüche der Einkäufer an die Kollektionen sind unterschiedlicher denn je. Suchen die Amerikaner Modelle in lässigen, teils gefinishten Veloursledern, sind die Mitteleuropäer Fans von Glatt- und Bürstledern und die Osteuropäer Anhänger von Kroko, Python, Lack. Neu sind bei den Damen sportive Modelle auf dicken, plateauartigen PU-Sohlen mit klassischen Mokassin- und Pumpsoberteilen aus weichen Ledern sowie Stiefeletten und Stiefelmodelle mit glänzenden, wattierten Nylonschäften, die an Moonboots erinnern. Farbe zeigt sich in vielen jungen Kollektionen.

Zu den Favoriten gehören Honiggelb, Viola, Dunkelgrün, Kobaltblau, Knallrot, Weinrot sowie Pink, die meist mit einer der Basisfarben Schwarz oder Weiß kombiniert werden. Superfeine und elegante Schuhe mit Bling-Bling sind fast ausschließlich für Osteuropa gedacht. Russen und Polen bevölkern geradezu die Stände. Gekauft wird laut, chaotisch und meist in großen Gruppen zu fünft oder sechst. Selbst Einkäufer aus Afrika waren zu Besuch auf der Micam. Selektiv und nur das Beste vom Besten wählend, werden die großen Marken hier eingekauft.

Die Trends in Kürze

• Trotteurboots

• Derbe Farmerstiefel

• Butterweiche Overknees

• Hohe Mokassin- Typen

• Weite Schlupf-Stiefeletten

• Kompakte Absätze

• Dicke PU-Sohlen

• Bürstleder und Kroko-Look

06/08 Karin Grabner

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