Schuhmarkt

Hochkonjunktur am Rhein

Die CPD hat die Erwartungen übertroffen. Besucherrekord, mehr Internationalität und positive Konjunkturaussichten. Die Modebranche ist beflügelt. Düsseldorf ist ihr Messeplatz. 05/07 Lisa Dartmann

Ein Hoch über Düsseldorf – und das bei bedecktem Himmel. Voll besetzte Straßenbahnen, ein Taxi ist kaum zu kriegen, und ohne Reservierung gibt es in den schicken Restaurants und Bars keinen Platz. Wie in den guten alten Zeiten, schwärmen alt eingesessene Rheinländer.

Die ganze Stadt hatte sich während der Modemesse in einen Catwalk verwandelt. Abends bei den zahlreichen Events großer Starauftritt aus Funk und Fernsehen, überall nur Models und top gestylte People.Aber auch bei der „Arbeit“ in den Hallen glänzte die Branche. Gut gelaunte Aussteller, fröhliche Messebesucher, positive Stimmung, es herrschte ein Optimismus wie schon lange nicht mehr.

Die Zahlen sprechen für sich. Mit einem Besucherrekord von fünf Prozent und zufriedenen Gesichtern bei Ausstellern und Besuchern endeten die Messen CPD, HMD (Herrenmode), Body Look und Global Fashion. Insgesamt kamen 45 000 internationale Besucher. 1825 Aussteller aus 52 Nationen präsentierten ihre Angebote. Besonders auffallend war die Vielzahl der Besucher aus den osteuropäischen Ländern, deren Anteil sich nahezu verdoppelt hat. Vor allem Russen zieht es in die Rheinmetropole. Verstärkter Besuch kam auch aus Kanada, Benelux und Skandinavien, denn der Export ist nach wie vor der Wachstumsmotor für die Branche.

Fazit von Igedo-Geschäftsführer Frank Hartmann am Schluss der Veranstaltung: „Die vergangenen drei Tage waren für uns ein wichtiges Signal. Die anspringende Konjunktur tut der Modebranche gut.“ Generell war die Stimmung an den Ständen sehr positiv und zuversichtlich. Der Einzelhandel zeigte sich sehr offen für neue Kollektionen, denn die neuen Silhouetten müssen verstanden sein. Da war auch der Schuhfachhandel gefordert, denn die neuen, schmalen Hosen erfordern ein Umdenken. Für die meisten Schuhaussteller war Düsseldorf ein Probelaufen, sozusagen ein Abtasten von Trends, Farben und Stil. Genereller Tenor der Schuhbranche: „Der Auftakt ist gelungen, die Kollektionen wurden gesichtet und erste Kontakte geknüpft.“

Allzu viele Kollektionen gab es in Düsseldorf nicht zu sehen. Modisch hat der Winter in den meisten Schuh-Kollektionen noch nicht Einzug gehalten, da viele Anbieter die Highlights erst auf der GDS präsentieren. Unterschwellig haben einige auch noch Angst vor Kopisten. Generell gab es positive Resonanz auf neue Modethemen, vor allem Stiefeletten wurden gut beurteilt. Viel Betrieb an den innovativen Ständen von Audley, Unisa, Airstep und Paul & Joe. Ein Anziehungspunkt war vor allem die Halle 14 Style & Signatures mit ihrem gelungenen Mix aus Fashion und Schuhen. Michael Gerlach, Geschäftsführer Brandmasters (Airstep): „Wir hatten Kunden aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden, Belgien und sogar Besucher aus den USA.“

Für Ralf Butz, Geschäftsführer Agents of shoes & accessories, ist Düsseldorf der Modestandort Nummer Eins in Deutschland: „Das Niveau der Aussteller ist gut, hier sind die richtigen Kunden unterwegs.“ Ein erfolgreicher Auftritt gelang der jungen Designerin Lise Lindvig aus Kopenhagen, die mit einer sehr stilsicheren und gelungenen Kollektion aufwartete. Generell aber wollten sich die Einzelhändler erst einmal einen Überblick verschaffen, bevor im März dann endgültig der Orderblock gezückt wird. Man sah viel Sommer, aber auch schon sehr schöne Winterthemen. Stiefel rücken modisch etwas in den Hintergrund, dafür sind Stiefeletten auf dem Vormarsch. Ausgefallene Formen, vielfach in Lack mit Schnallen-Abschluss, Schnürungen, Knopfverschlüssen oder Materialmix mit Fell und Metall, Keil-, Blick- und Pfennigabsätzen. Stiefel mit sportlichen Sohlen, Stulpenstiefel, Fellverbrämungen, Lack mit Rautenstepp, Antikleder, Prägedrucke und sehr viel Materialmix. Ferner viele runde Kappen, flache Ballerinas mit Glitzer und Metalliceffekten.

Den größten Anteil hat in Düsseldorf traditionell die Damenmode mit 1120 Ausstellern. Auf besondere Aufmerksamkeit stieß die Rückkehr zahlreicher Hersteller wie etwa Goldix, Lebek und Eugen Klein aus ihren Showrooms auf das Messegelände. Durch ihre Präsenz in den Bereichen „The Room“ und „Concept 11“ nutzten die Showroombetreiber während der Messetage den exklusiven Zugang zu den internationalen Einkäufern auf dem Messegelände. Volumen und neue Weiten Während der HMD – Herrenmode Düsseldorf präsentierten 100 Aussteller ihre Kollektionen mit Hosen, Strick und Accessoires. Das Angebot wurde sehr gut angenommen, vor allem die hochwertige Galeria Uomo stieß auf große Resonanz. Die Männermodebranche ist froh, endlich wieder einen Messeplatz gefunden haben. Aussage vieler Einkäufer und Aussteller: „Wir sind die Reiserei leid.“

Modisch zeigte sich Düsseldorf in völlig neuer Silhouette. In der Damenmode dominieren reduzierte und klare Styles. Alles dreht sich um Volumen und neue Weiten – schmale Röhrenjeans zu XXL-Oberteilen. Gegensätze sind und bleiben das Faszinierende in der Mode. Heute eine Jackie O. und morgen Paris Hilton, Grunge-Girl oder Guerilla-Göre. Alles ist erlaubt. Mit Reminiszenzen an die Haute Couture der 1960er kommt die A-Linie zurück. Die 1980er bescheren der Mode die O-Linie mit Ei- und Kugelformen. Einfache Schnitte und zurückhaltende Farben bringen Beruhigung. Die Rebellenlooks aus der Rocker- und Punkerszene liefern Ideen, um Klassik und Sportswear surreal aufzumischen.

Vier Themen hat die CPD zur neuen Saison formuliert: Clean Shape: Klassische Styles, Skulpturen ähnlich, schlicht im Jil- Sander-Stil, aber auch mit Couture-Anklängen. Legendary: Imperiale und aristokratische Ästhetik für Uniformen und Country-Styles, Casual vom Feinsten.Metropolitan Styles: Eine lässige Freestyle-Mode, inspiriert von androgynen Mods-Teilen, einer urbanen Guerilla-Kluft und Neo-Grunge. Mit den gestylten Frauen können sich die Männer durchaus messen. Die Männermode ist klar im Look und wertig in der Aussage, die Zeiten eigenwilliger Stilkapriolen sind vorbei. Einfachheit und Ruhe bestimmen die Stylingregeln. 05/07 Lisa Dartmann

Verwandte Themen
Benci Brothers Flagshipstore Zürich
Benci Brothers eröffnet Flagshipstore in Zürich weiter
Junge Unternehmer der ANWR vor der Amsterdamer Solebox dem Kultobjekt Sneaker auf der Spur.
Junge ANWR-Unternehmer in Amsterdam weiter
vl.: HDE-Geschäftsführer Stefan Genth, Tagesschausprecherin Judith Rakers, das Gesicht des Handels Marcus Werner und HDE-Präsident Josef Sanktjohanser.
Das Gesicht des Handels 2017 kommt aus Cottbus weiter
Handelskongress bestärkt die digitale Welt weiter
Sabu Laufgut Lerch Zusa
Erstes Laufgut-Geschäft in der Schweiz kommt weiter
CCC Schuhmode Österreich Eröffnung
CCC Schuhmode eröffnet dritte Kärnten-Filiale weiter