Schuhmarkt

Stille Messe

Spanische Schuhmarken werden in deutschen Sortimenten immer wichtiger. Das bestätigte auch die Tendenz auf der Modacalzado in Madrid, die diesmal relativ ruhig war. Modisch setzen die Spanier am liebsten auf Lack. 07/07 Stephan Kühmeyer

Spanische Schuhmarken werden in deutschen Sortimenten immer wichtiger. Das bestätigte auch die Tendenz auf der Modacalzado in Madrid, die diesmal relativ ruhig war. Modisch setzen die Spanier am liebsten auf Lack.

Die spanische Hauptstadt Madrid stand vom 23. bis 25. März ganz im Zeichen der Schuhmode. Messeveranstalter Ifema hatte zur Modacalzado geladen. Obwohl es diesmal deutlich ruhiger als im vergangenen Jahr zuging, wurde die Messe ihrem Ruf als drittwichtigste Orderplattform auf dem europäischen Kontinent gerecht. Die schlechte Nachricht zuerst: Auch im vergangenen Jahr blieben etliche Firmen der spanischen Schuhproduktion auf der Strecke. Allein in den letzten sechs Monaten waren es rund fünf Dutzend Betriebe, die dem harten Konkurrenzdruck Tribut zollen mussten. Die Verlagerung von Auftragsarbeiten weg von der iberischen Halbinsel sowie ein harter internationaler Preiskampf machten den Spaniern schwer zu schaffen.

Der Weg aus der Krise lautet kurz und knapp: „Qualitätsoffensive“. So propagiert es jedenfalls Rafael Calvo, Vorsitzender der spanischen Schuhproduzentenvereinigung Fice. Neue Strategien in puncto Marke, Design, Innovation, Kooperation und Vertriebskontrolle seien laut Calvo das Gebot der Stunde. Viele Unternehmen hätten diesen Weg – dies die gute Nachricht – in der jüngsten Vergangenheit erfolgreich beschritten. Das Geschäftsjahr 2006 zeige eine langsame, aber progressive Erholung, so heißt es in einer Stellungnahme der Fice.

Exportgeschäft läuft gut

In der Tat brauchen sich Schuhe „made in Spain“ nicht zu verstecken. Im Land des Flamencos verfügt man nicht nur über eine lange handwerkliche Tradition, es gibt inzwischen auch viele international anerkannte Marken, die sich durch frische Styles und eine gute Qualität auszeichnen. Pons Quintana, Jaime Mascaro, Paco Gil, Pura López, Rebecca Sanver oder Lottusse sind einige dieser Marken, die inzwischen in Deutschland einen hervorragenden Stellenwert in den Sortimenten haben. Übrigens belegen auch die jüngsten Statistiken den eingeschlagenen Weg der Qualitätsoffensive.

Obwohl in 2006 fast zwei Millionen Paar Schuhe weniger exportiert wurden, erreichte man damit gegenüber dem Vorjahr eine prozentuale Steigerung im Wert von 4,3 Prozent. Insgesamt waren es diesmal 94,6 Millionen Paar, die für rund 1,7 Milliarden Euro die Landesgrenzen verließen. Hauptabnehmerländer waren dabei Frankreich (24 Mio. Paar / 359 Mio. Euro), Deutschland (11,7 Mio. Paar / 165 Mio. Euro) und England (9,5 Mio. Paar / 185 Mio. Euro), gefolgt von Italien und den USA. Im Gegensatz zu den meisten anderen Nationen verzeichneten die deutschen Märkte für den spanischen Schuh zuletzt eine negative Bilanz, im Paarvolumen sogar um satte 23 Prozent.

Auf der Modacalzado selbst ging es diesmal erschreckend ruhig zu, einige Hallenbereiche blieben gespenstisch leer. Optisch ergab sich dies sicher aus einem Missverhältnis zwischen zu viel Ausstellungsfläche (30 000 Quadratmeter) und zu wenigen Ausstellern (588, Vorjahr : 618). Doch waren nach Messeangaben dieses Mal auch nur 18 700 Besucher gekommen (Vorjahr: 20 000), davon 3100 aus dem Ausland. Geschäftiges Treiben und rege Nachfrage herrschte an vielen Ständen in Halle 5. Hier hatten renommierte spanische Marken eleganter Linien und mit innovativem Design ihre Zelte aufgeschlagen. Etliche von ihnen firmierten übrigens unter dem gemeinsamen Markenzeichen „Star Mark“.

Lucky in Lack

In Sachen Mode der neuen Saison auch hier eine der wichtigsten Nachrichten vorweg: Langschaftstiefel verlieren aus Sicht der spanischen Hersteller an Bedeutung und werden nur noch als Ergänzung geordert. Stiefeletten überzeugen dagegen in vielen neuen Styles, Schaftlängen und Materialien. Als interessanteste Modellform kristallisiert sich eindeutig der Ankleboot heraus, bevorzugt im Look der 80er Jahre. Auch die 60er Jahre erfahren eine Retrospektive mit typischen Schuhen im Stil Jackie O. Die Absätze werden insgesamt breiter, kegelförmiger, oftmals ziemlich hoch.

Bei femininen Pumps setzen viele Designer auf versteckte Plateaus. Ballerinas sind in der kommenden Saison ein Must. Sie werden durch neue Materialien und Dekors immer mehr verfeinert. Vielfach haben sie auch kleine Absätze. Neue Oberleder und Materialien ziehen sich durch alle Modellierungen. Filz ist genauso dabei wie Raubtier-Prints. Als modisches Highlight und starkes Orderthema machte sich in Madrid Lack einen Namen. Ohne Lack geht zum Winter gar nichts, egal ob bei Pumps oder Ankleboots. Neben glänzendem Schwarz sind Rottöne wie Burgunder oder Kirsche angesagt. Sie vermitteln eine gewagte Leidenschaft für sexy Schuhe. 07/07 Stephan Kühmeyer

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