Schuhmarkt

Ewige Verführung

Was Sie schon immer wissen wollten .... In loser Folge vertieft SchuhMarkt ein aktuelles Modethema.Heute: Plateauschuhe. 02/06

Was Sie schon immer wissen wollten ....In loser Folge vertieft SchuhMarkt ein aktuelles Modethema.Heute: Plateauschuhe Für die einen sind sie das ultimative Fashion-Accessoire, für die anderen lediglich unansehnliche orthopädische Fallstricke. Bei Plateauschuhen gehen die Meinungen auseinander. Trotzdem kehren sie alle Jahre wieder auf das Mode-Parkett zurück. Momentan sind sie bei der Kundschaft wieder sehr gefragt. „Plateaus geben der Trägerin ein anderes Körpergefühl“, sagt Helga Cevey vom Schuhinstitut (DSI). „Die Bodenhaftung scheint nicht vorhanden zu sein.“ Ein Hauch von Frivolität schwinge beim Anblick markanter Plateausohlen immer mit. Eine gesunde Fußmuskulatur sei allerdings erforderlich, um den Balanceakt zu bewältigen. Labels wie Michael Kors, Marc Jacobs, Stuart Weitzman, Hugo Boss, Baldinini, Cinque oder Furla machen ihren Kundinnen wieder Appetit auf die modischen Stelzschuhe. Ob als Stiefel, Schnürschuh, Slipper oder Sandalette – es gibt kaum eine Winter- oder Sommerkollektion, in der der Plateauschuh fehlt. Was macht die Faszination dieser Schuhe aus? Und wer hat sie eigentlich erfunden? Zu verdanken haben wir die Plateauschuhe den Venezianerinnen. Sie entwickelten im sechzehnten Jahrhundert ein Faible dafür, sich auf Sockeln, sogenannten Chopinen, fortzubewegen. Nicht selten ragten sie zu der unglaublichen Höhe von 75 Zentimetern auf. Die aus Holz oder Kork gefertigten Stützen waren mit Leder und edelsteinbesetztem Samt bezogen. Wegen seines geringen Gewichtes ist Kork auch heute noch ein beliebtes Material für Plateausohlen. Er ist robust, wetterfest und passt sich den Konturen des Fußes gut an. Die venezianischen Chopinen hatten Vorläufer in Spanien, wo sie im fünfzehnten Jahrhundert so populär waren, dass sie beinahe die Korkvorräte des Landes erschöpften. Gern genutzt wurden sie auch, um die Füße vor dem Staub auf den Straßen zu schützen. Irgendwann ließen sich auch Engländerinnen und Französinnen von dem schwindelerregenden Trend anstecken. Zwei Jahrhunderte lang blieben sie in Mode. Erst dann fiel jemandem ein, dass sich in solchen Schuhen leichter gehen ließ, wenn die Sohle vorne niedriger war als hinten. Das war die Geburtsstunde des Absatzes. Rasch löste er die Chopinen als Mode-Accessoire ab. Die schwindelerregenden Höhen erreichten die Plateausohlen nie wieder, doch im vergangenen Jahrhundert kamen sie immer wieder in Mode. In den vierziger Jahren galten Plateausandaletten als aufreizend. Nach den flachen klobigen Schuhen der sechziger Jahre war es an der Zeit für etwas Verrücktes. Legendär ist die Plateau-Mode in den Siebzigern. Popstars wie Diana Ross, David Bowie oder Elton John erhoben insbesondere hautenge Schaftstiefel mit Sohlen von 12 Zentimetern Dicke in den Mode-Olymp. Mit der Wiederkehr der Disco-Mode schwappte Anfang der neunziger Jahre die nächste Plateau-Welle ins Land. Ein typischer Gag war die Montage von Stöckelabsätzen und Plateausohlen an einen Turnschuh. Im kommenden Sommer dominieren markante Keilabsätze die Kollektionen. Denn auch sie zählen zur Familie der Plateaus. Wer es eleganter mag, dem stehen gemäßigte Plateausohlen zur Auswahl. 02/06 Anuschka Kazarian

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