Schuhmarkt

Furla trotzt der Krise

Das italienische Modelabel Furla flirtet mit Deutschland. Eine erste Furla-Boutique wurde in Trier eröffnet. Schuhe und Taschen haben ihr Eigenleben und werden nicht gemeinsam angeboten. Männertaschen sind im Kommen. 17/06 Thesy Kness-Bastaroli

Das italienische Modelabel Furla flirtet mit Deutschland. Eine erste Furla-Boutique wurde in Trier eröffnet. Schuhe und Taschen haben ihr Eigenleben und werden nicht gemeinsam angeboten. Männertaschen sind im Kommen.

Deutschland entwickelt sich für das italienische Modelabel Furla zu einem wichtigen Markt. Im laufenden Jahr wurde nicht nur ein Franchise- Shop in Trier, sondern auch Corners in Berlin (Galeries Lafayette), in München (Hertie), in Düsseldorf (Mitsukoshi) und in Traunstein (Bags Leder & More) eröffnet. Weitere Kaufhauscorners sollen in den nächsten Monaten noch in München, Hamburg und Leipzig eröffnet werden.

Wie kaum einem anderen Lederwarenunternehmen ist es dem Lederwarenhersteller Furla aus Bologna gelungen, die Verbraucherkrise der vergangenen Jahre zu überwinden. Dies gelang dem von Präsidentin und Chefdesignerin Giovanna Furlanetto geführten Konzern nicht nur mit der im mittleren Marktsegment angesiedelten, äußerst farbenfrohen Kollektion. Als eine der ersten Hersteller erkannte Giovanna, Mutter von drei erwachsenen Kindern, den hohen Stellenwert von Accessoires: Ob es sich nun um Seidenschals, um Kette, Uhren oder Sonnenbrillen handelt, die Furla-Accessoires haben inzwischen Furore gemacht und nehmen einen wichtigen Anteil am Geschäftsvolumen ein.

Seit vier Jahren wird das Angebot nun auch von Schuhen flankiert. Diese sollen bis 2008 rund 30 Prozent des gesamten Umsatzes bestreiten. Im vergangenen Jahr machte das Furla Geschäftsvolumen 120 Mio. Euro aus. Allerdings werden die Schuhe ihr Eigenleben haben und in der Regel nicht gemeinsam mit den Taschen und Accessoires vertrieben. Eine eigene Schuhboutique wurde bereits in Rom eröffnet, weitere Edelläden sind geplant. Philosophie des Unternehmens ist es, guten Geschmack und „Made in Italy“-Design zu vernünftigen Preisen für Frauen jeder Altersgruppe zu produzieren.

Der Hauch von Frische und Innovation, den die Furla-Lederwaren vermitteln, ist das Erfolgsrezept der Marke. „Schließlich sind Innovation und Design die einzigen Waffen, die wir gegenüber der immer besser werdenden Konkurrenz haben“, spielt Präsidentin Giovanna auf die wachsende Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Lederwaren an. Die Furla-Kollektion wird von einem elfköpfigen Team junger, internationaler Designer im Hauptsitz San Lazzaro di Saveno bei Bologna entworfen.

Für die aufwändige Materialforschung ist Giovanna Furlanetto selbst verantwortlich. Mit dieser Philosophie ist Furla auch der italienischen Konkurrenz eine Nasenlänge voraus. Bis 2008 soll der Umsatz, so die Pläne, bis auf 150 Mio. Euro erhöht werden, nachdem er seit 1997 um das Vierfache zugenommen hat. Keineswegs will Furlanetto aber in den Bekleidungssektor einsteigen. Damit haben sich schon zahlreiche Hersteller die Finger verbrannt. „Wir haben über zehn Jahre Know-how im Taschensektor, das muss genutzt werden.“

Die Furla Lederwaren werden in und um Bologna in vier verschiedenen Werken mit rund 300 Beschäftigten hergestellt. Das vom „nonno“, dem Großvater, im Jahr 1927 gegründete Unternehmen beschäftigte sich vorerst mit der Herstellung von Kleinlederwaren und expandierte danach im Handel. Die Familie Furlanetto hat ständig in das Unternehmen investiert. Dies sei auch ein Grund, weshalb das Wachstum stufenweise und nicht explosionsartig erfolgte, meinte Giovanna Furlanetto zu SchuhMarkt.

Der eigentliche Durchbruch gelang Furla in den Siebzigerjahren, als Giovanna mit ihren beiden (inzwischen verstorbenen) Brüdern Paolo und Carlo nicht nur eine Revolution der Produktion einführte, sondern auch eigene Geschäfte gründete. Die Furla-Chefin hat auch enge Verbindungen zur zeitgenössischen Kunst geknüpft und einen mit 15 500 Euro dotierten Preis für junge italienische Künstler geschaffen. Innovativ erweist sich die Furla-Präsidentin aber nicht nur bei der Material- und Produktwahl.

Auch beim Mangement geht Giovanna Furlanetto gegen den Trend. Sie hat eine blutjunge Akademikerin, Absolventin der renommierten Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi, als Generaldirektorin eingesetzt: Denn Sara Ferrero hat Visionen. Ab Weihnachten 2006 wird Furla auch eine Mini-Herrentaschenkollektion anbieten. Der Vertrieb ist vorerst den Monomarkenläden vorbehalten.

„Wir kommen damit dem Bedarf des Marktes nach“ begründete Dottoressa Ferrero die neue Kollektion. Die Tasche – und dies bewiesen auch die jüngsten Herrenmodeschauen in Mailand – avanciert immer mehr zum wichtigen Accessoires für die Herrenmode. Die Furla-Herrentaschen zeichnen sich nicht nur durch ein softiges Nappaleder und klassische Formen sondern auch durch ein besonders gepflegtes Innenleben, mit zahlreichen Täschchen und Fächern aus. Laut Dottoressa Ferrero sollen innerhalb von zwei Jahren rund zehn Prozent aller Kunden Männer sein. 17/06 Thesy Kness-Bastaroli

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