Schuhmarkt

Edi bewegt die Branche

Der Leidensdruck in Sachen elektronischem Datenaustausch ist groß. Denn inzwischen hat sich die Branche zusammengefunden und arbeitet an einer einheitlichen Lösung. Nicht nur der Handel hat hier Nachholbedarf, sondern auch Schuhhersteller und -lieferanten. 24/07 Peter Skop

Der Leidensdruck in Sachen elektronischem Datenaustausch ist groß. Denn inzwischen hat sich die Branche zusammengefunden und arbeitet an einer einheitlichen Lösung. Nicht nur der Handel hat hier Nachholbedarf, sondern auch Schuhhersteller und -lieferanten.

Hohe Wichtigkeit“ hat für Ralph Rieker, oberster Chef von Ricosta und Präsident des Hauptverbandes der Deutschen Schuhindustrie (HDS), das Thema EDI. Und ANWR-Chef Roland Schwerdtfeger misst EDI „oberste Priorität“ bei.

Wie die beiden Gesprächspartner sehen es inzwischen auch andere wichtige Branchengrößen, so dass nun offensichtlich ernst zu nehmende Gespräche der Interessengruppen Schuhhandel/Verbundgruppen, Schuhlieferanten und Warenwirtschaftsanbieter zustande gekommen sind. Sie sind so ernsthaft und störanfällig, dass von den Beteiligten bis Redaktionsschluss keine weiteren Auskünfte zu erlangen waren. Immerhin, es bewegt sich etwas.

Wie es aussieht, wird es auf eine neutrale Businessplattform hinauslaufen, die offen für die verschiedenen Warenwirtschaftssysteme der Branche ist. Zeit wird es, denn die Schuhbranche hinkt der Entwicklung eindeutig hinterher. Ansätze gibt es zur Genüge, doch bisher keine einheitliche Branchenlösung (siehe auch SchuhMarkt 24/2006). Die elektronische Übermittlung strukturierter Daten mittels festgelegter Nachrichtenstandards von einer Computeranwendung in die andere, so die Definition von EDI, ist bereits heute möglich.

Die Branchenlösung BTE-Clearingcenter wäre auch für den Schuhhandel verfügbar, Etos bietet sein ECC (Etos-Clearing-Center) und die ANWR ist Anfang des Jahres mit einem eigenen Clearing Center vorgeprescht, das verbundgruppenübergreifend angeboten werden sollte. EBG-Data schließlich hat mit Melvo ein gemeinsames Projekt erarbeitet.

Misstrauen überwinden

Doch Misstrauen gegeneinander verhinderte bislang die Nutzung der Vorarbeit des jeweils anderen. Wer bekommt welche Daten? Sind sie vor dem Einblick des Wettbewerbers sicher? Eine einheitliche, neutrale Lösung wie im Bekleidungshandel tut also not. „Wichtig ist – das zeigen die Entwicklungen im Textilbereich – die Vernetzung der gesamten Branche“, erklärt zum Beispiel Garant-Vorstand Robert Natter.

Die Partner seien sich der Sensibilität des Themas bewusst, so Sabu-Geschäftsführer Ralph Hanus. „Es ist ein Höchstmaß an Vertrauen auf allen Seiten notwendig, um letztendlich die gemeinsamen Ziele zu erreichen: unmittelbare und schnellere Markt-Informationen, effizientere Ausnutzung der Nachliefer- und Aktuell-Programme, höhere Lagerumschlagsgeschwindigkeit, erhöhte Planungssicherheit für die Industrie sowie Arbeitsersparnis auf allen Seiten“, präzisiert Hanus. Dies sind Vorteilspunkte, die auch die anderen Verbundgruppen-Chefs ihren Mitgliedern gerne vermitteln möchten.

An den Warenwirtschaftsanbietern hapert es jedenfalls nicht. Die von SchuhMarkt befragten erklären sich unisono für fit, die Aufgabe zu meistern. „EDI ist ein permanenter Prozess und somit nie erledigt“, begründet Christian Braun von EBG-Data die notwendige Weiterentwicklung auch schon bestehender Lösungen. Unter der Hand hört man auch von Lieferantenseite, dass das Thema EDI bei vielen Kollegen wohl nur „im Kopf“ präsent sei.

Claudia Scheffler-Perrone von Futura Retail sagt es mit erfrischender Klarheit: „In der Regel erfolgt die Datenübermittlung mit eigens entwickelten Schnittstellen und nicht genormten Datenformaten. Dies führt zu einer unnötigen Belastung des Handels durch zeitraubende manuelle Tätigkeiten. Dies ist auch der Grund,warum die im Handel eingesetzten Systeme hoffnungslos überaltert sind und der Einsatz moderner Werkzeuge wie FutureERS blockiert wird.“

Solange sich Industrie und Lieferanten nicht öffneten, sei der Schuhhandel in seinen Entscheidungen blockiert, begründet sie die im Vergleich beispielsweise zum Textilbereich geringere Investitionsbereitschaft. Und Andreas Luthardt von Ariston Informatik meint mit Blick auf die Lieferanten: „Schöne Schuhe werden für den Händler noch schöner, wenn er per EDI auch Kosten sparen und Abläufe optimieren kann.“ 24/07 Peter Skop

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