Schuhmarkt

Jede Woche ein neuer Shop

Mit der Marke Tamaris schreibt die Wortmann KG eine einmalige Erfolgsgeschichte. Mehrere Millionen Euro werden jährlich in den Markenaufbau investiert. 2010 soll der Bekanntheitsgrad bei 50% liegen. 11/07 Ilona Sauerbier

Prallgefüllte Messestände, zufriedene Gesichter und immer eine gute Umsatznachricht. Das Messeszenario und die Botschaften, die seit Saisons vom Messestand der Wortmann Gruppe in Detmold gesendet werden, sind Wunschdenken vieler Hersteller. „Wir sind rundum zufrieden“, strahlte Jens Beining, Mitglied der Geschäftleitung, auf der letzten GDS. Jetzt präsentiert der 36-Jährige die nächste Wortmann-Erfolgsgeschichte: die Systempartnerschaften. Im Wochentakt eröffnet Wortmann derzeit Tamaris-Systemflächen.

Bis Ende 2007 sollen 35 Stand-alone-Stores stehen und zudem 60 weitere Shop-in-shop-Flächen installiert sein. Die letzten Stores wurden in Köln beim Schuhhaus Kocken eröffnet: einmal in der Venloerstraße, einmal in den Arcaden. Darüber hinaus beim Schuhhaus Frank in Kölns edler Ehrenstraße. In München ging parallel dazu das Schuhhaus Felzmann eine Systempartnerschaft mit Tamaris ein. Alle Shops und Stores verfügen über ein besonders ausgetüfteltes Lichtkonzept, das speziell entwickelt wurde. „Hier arbeiten wir mit Moysig Retail in Herford zusammen, die bislang Modeläden eingerichtet haben“, sagt Beining. Auch die moderne Form der Kartonpräsentation, das assistierende Selbstbedienungskonzept, die leichte, europaweit einheitliche Musik aus dem Store-Radio sowie die typischen schwarzen Tamaris-Polos für das Verkaufspersonal fügen sich zu einem stimmigen Ganzen.

Markenstore und Shops

Es gibt zwei Varianten der Systempartnerschaften: den Store und den Shop. Der Store führt nur die Marke Tamaris und verfügt über eine Konzeptausstattung, die gemeinsam mit dem Handelspartner gestaltet wird. 100 bis 120 qm sind die ideale Fläche, und eine sechs Meter breite Fassadenfläche mit drei Metern Raumhöhe wäre perfekt. Als Umsatzminimum werden 4000 Euro pro Quadratmeter angegeben. Im Gegensatz zum Store kommt der Tamaris-Shop auch mit 25 qm Verkaufsfläche aus. „Wir erwarten allerdings eine Topplatzierung im Geschäft“, sagt Beining. Sechs Meter Rückwand und ein Umsatzminimum von 3500 Euro/qm sind die Eckdaten.

Wortmann bündelt bei den Partnerschaften „globale Kompetenzen wie Kollektion, Sourcing, Logistik und Marketing mit der lokalen Kompetenz des Einzelhändlers: Kundennähe, Flexibilität und lokales Marketing. Ein hoch entwickeltes EDI-System kontrolliert dabei alle Stammdaten vom Auftrag bis zum Bestand. „Als im letzten Winter die ersten Stiefel reißend verkauft wurden, haben wir sofort die Produktion angekurbelt und hatten kurze Zeit später neue Ware im Geschäft.“

Bedenken in Bezug auf die rasante Shopentwicklung gebe es im Handel nicht. „Wir lernen im Moment so viel vom Handel, dass es jedem zugute kommt. Egal, ob er einen Shop hat oder nicht.“ Zudem biete man den Kunden durch Partnerallianzen „eine anders geartete Zukunft“. Zum Beispiel bei Übernahmeproblemen, die immer mehr die Mittelständler belasten. Die Wortmann KG hat in Deutschland derzeit 3500 Kunden, europaweit sind es 7000.

Durchbruch mit Konzept 2000

Was macht die Marke Tamaris so erfolgreich? Die Einzigartigkeit sei es, erklärt Jens Beining. Tamaris ist eine frische Marke und mit nichts negativ besetzt. Sie ist weder in die Jahre gekommen, obwohl sie bereits vor 40 Jahren aus der Taufe gehoben wurde, noch wirkt sie billig. Der Anfang ihrer Erfolgsgeschichte war allerdings eine perfekte Marketingidee: das Konzept 2000. „Dieses Konzept begann 1995 mit der zielgruppenorientierten Neuausrichtung und dem strategischen Aufbau der Marke“, erklärt Jens Beining. Ziel war es seinerzeit, sich auf die Veränderungen des Marktes vorzubereiten und eine starke Marke im Portfolio zu führen. Dem folgten 2002 massive Endverbraucherkampagnen in Deutschland. „Im Prinzip haben wir ab da erst die Marke richtig beworben“, so Beining.

Ein Jahr später kamen Österreich und Benelux werbemäßig dazu. 2005 wurden die ersten Systemflächen installiert. „Früher haben wir uns immer als der Steilmann der Schuhbranche gesehen. Das hat sich durch den strategischen Markenaufbau aber geändert. Weg vom Multilabel.“ Tamaris steht heute für ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis im Kontext einer frischen, modischen Kollektion. Es gibt zwei Hauptkollektionen pro Saison und zwei Fashion Updates für Pronta Moda. Diese sind vom Umfang her fast so groß wie die Kollektion. Der letzte Renner waren Ballerinas, jetzt ziehen superflache Zehenschuhe nach. Tamaris- VK-Preislagen liegen zwischen 39 und 59 Euro.

Taschen ab Winter 2008

Die Wortmann-Gruppe in Detmold mit den Marken Tamaris, s.Oliver, Caprice, Marco Tozzi und Jana macht einen Umsatz von 680 Millionen Euro. Bis Ende 2007 soll die Grenze von 700 Millionen Euro überschritten sein. Der Exportanteil beträgt 48 Prozent. Das Unternehmen beschäftigt weltweit 730 Mitarbeiter. Die jährliche Produktion liegt bei 60 Millionen Paar Schuhen. Wortmann investiert derzeit jährlich mehrere Millionen Euro in den Markenaufbau Tamaris und vergibt damit das größte Damenschuh-Budget der europäischen Schuhindustrie. Vom Client Award wurde die Tamaris-Fotostrecke im März 07 zum „Plakat des Monats“ gekürt. Die simplen Motive mit dem großen Schuh sind als Außenwerbung in allen deutschen Metropolen zu sehen. Zum Winter 2008 wird es unter dem Namen Tamaris eine Taschenkollektion geben. Hier wird man die Synergien zu s.Oliver nutzen. 11/07 Ilona Sauerbier

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