Schuhmarkt

Weg vom typischen Schuhhaus-Image

Der Hamburger Schuhfilialist Görtz hat den Standort in Frankfurts Biebergasse umgebaut und die größte Herrenschuhabteilung installiert. Die Trading-up-Politik greift immer mehr. 20/07 Ilona Sauerbier

„Das ist nicht unser wichtigster Standort“, witzelt Christoph von Guionneau, Sprecher der Görtz-Geschäftsführung, mit leichtem Augenzwinkern zu den Mitarbeitern der übrigen Görtz-Filialen, „aber Frankfurt wird ein extrem wichtiger sein.“ Keinen besseren Standort als die Bankenstadt am Main mit dem deutschlandweit größten Anteil männlicher, gut verdienender Singles konnte sich Görtz für die Umsetzung der neuen Sortimentsstrategie aussuchen – Trading-up.

So versammelte sich am Abend des 13. September die gesamte Görtz-Führungsriege in Frankfurt, um mit Gästen, Freunden des Hauses und Frankfurter Kunden den gepflegten Umbau mit Fingerfood und Bossanova-Lifemusik in der Biebergasse zu feiern. Vorher gab es bereits Aktionen in diversen Radiosendern, wo Görtz-Schuhe – lebenslang – zu gewinnen waren. Die Gewinner mussten dabei Hits erkennen, die gesteppt wurden.

Persönliche Verkaufstermine

Auf 1100 qm Verkaufsfläche, im zweiten Stock des Hauses, versammeln sich nun die feinsten Namen des Schuhmacherhandwerks. Angeführt von John Lobb, Crockett & Jones, Allen Edmonds, Lottusse, Santoni, Dinkelacker und La Martina.

200 Marken und 20 000 Paar Herrrenschuhe werden ab sofort in der Frankfurter Biebergasse verfügbar sein. Zu Preislagen zwischen 199 und 1100 Euro. Die Abteilung ist zudem in Stilwelten aufgeteilt: die Premiumwelt mit Markenshops von John Lobb oder Hugo Boss, die City-Welt mit Belmondo und Lloyd und die Casual-Welt mit Marken wie Tommy Hilfiger oder Timberland.

Gute Marken verlangen perfekten Service. Dazu bietet Görtz einen Lieferservice für Stammkunden ins In- und Ausland sowie individuelle Beratungstermine an. Im Loungebereich können Kunden zudem über eine WLan- Verbindung die aktuellen Börsenkurse abrufen und sich an der Wasserbar mit trendigen Wässerchen erfrischen. „Wir wollen die Biebergasse sukzessive zu einem Premiumhaus umbauen“, sagt der Pressesprecher von Görtz, Michael Jacobs.

Markenshops, wie sie die neue Herrenabteilung zeigt, sollen dann auch im Eingangsbereich Parterre für Damen installiert werden: mit Marken wie Prada, Gucci oder Armani. Das Ziel der Hamburger ist es, sich „vom typischen Schuhhausimage zu verabschieden“. Der Markt der Mitte sei nur noch ein Verteidigungsmarkt, sagt Jacobs. Der „Heimatmarkt“ werde mehr und mehr die Topschiene. „Wir haben unsere Durchschnittspreise allein in Frankfurt in den letzen drei Jahren um 50 Prozent steigern können“, freut sich Filial-Geschäftsführer Robert Koch, der über eine stolze Stammkundendatei mit 8000 kaufenden Kunden verfügt. In der Biebergasse werden laut Geschäftsführer Guionneau etwa 20. Mio. Euro umgesetzt.

Ausgefeilte Personalstruktur

Mit Zielsetzung, Abläufe perfekt zu optimieren, setzt Görtz seit zwei Jahren ein „neues und sehr anspruchsvolles Personalsteuerungssytem um“, erklärt Christoph von Guionneau. Die Kundenfrequenz einzuschätzen werde für den Handel immer schwieriger. Görtz hat daher mit der Ethalon GmbH ein Konzept entwickelt, das die Mitarbeiter nach Frequenz strukturiert. Mit dem gleichen Anbieter werden auch Warenwirtschaftsund Kassensysteme erfasst. „Neue Schuhe und ein schönes Ambiente sind heutzutage keine Leistungen mehr“, so der Görtz-Chef. Die Personalstruktur zu optimieren, gehöre zu den wichtigsten Aufgaben.

Online boomt. Accessoires folgen

So wird es nach dem Umbau der Damenschuhabteilung auch spezielle Fachverkäufer und Outfitberater geben, die den Kunden obersten Beratungsstandard geben sollen. Was zu Personalkostensteigerungen bis zu 30 Prozent führen kann, ergänzt Jacobs. Neben den Erfolgen im stationären Handel verzeichnet Görtz auch beste Ergebnisse im Online-Geschäft. Die www.goertz-shop.de ist inzwischen „unsere drittstärkste Filiale“, sagt Jacobsen. Allen voran verkauften sich hier Kinderschuhe besser als Damenschuhe und Damenschuhe noch besser als die der Herren.

Jede Woche verzeichnet der Shop über 200 000 Besucher. Ein Grund für Görtz, „ das Online-Business noch stärker auszubauen.“ Erweiterung ist auch bei Accessoires angesagt. Ein Bereich, der noch etwas vernachlässigt wurde, so Jacobs. Alle großen Görtz- Häuser sollen künftig auch große Accessoires-Abteilungen führen mit Warengruppen wie Taschen, Sonnenbrillen, Gürteln, Schmuck oder Kleinleder.

Görtz kommt auf die Frankfurter Zeil

Die Ludwig Görtz GmbH in Hamburg verfügt über 200 Filialen in Deutschland, Österreich und Polen und beschäftigt 3000 Mitarbeiter. Die Standorte Frankfurt, Hamburg und Dresden wurden im Laufe der letzten Monate in Premiumhäuser umgebaut. Frankfurts Biebergasse verfügt über 2500 qm Verkaufsfläche. Es werden 106 Mitarbeiter beschäftigt. Die Herrenabteilung (1100 qm) und die Kinderabteilung (200 qm) wurden bereits erneuert. In 2008 wird die Damenabteilung komplett umgebaut und auf Designermarken umgestellt.

Auf der Frankfurter Zeil eröffnet parallel im August nächsten Jahres der zweite Standort. Er wird, im Gegensatz zur Biebergasse, auf junge Mode und kommerziellere Marken ausgerichtet sein. Mit einer Auflage von 200 000, geplant sind 500 000, erscheint sechs bis achtmal jährlich das trendige Endverbraucher-Magazin von Görtz. 20/07 Ilona Sauerbier

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