Schuhmarkt

Clarks will es wissen

Der englische Schuhkonzern ist der größte Straßenschuhhersteller der Welt. In Deutschland ist davon noch nicht viel zu spüren. Mit einer klaren Strategie will Deutschlandchef Dieter Klingenberg dies ändern. 02/06

Der englische Schuhkonzern ist der größte Straßenschuhhersteller der Welt. In Deutschland ist davon noch nicht viel zu spüren. Mit einer klaren Strategie will Deutschlandchef Dieter Klingenberg dies ändern. Viele Fachhändler sind augenblicklich nicht so gut auf Clarks zu sprechen. Dem englischen Konzern wird vorgeworfen, die für den Fachhandel so wichtige Kinderschuhmarke Elefanten erst eingestellt und dann auch noch an den Discounter Deichmann verscherbelt zu haben. Dies macht ein Durchstarten in Deutschland nicht einfach. „Wir haben den Elefanten-Effekt durchaus in unseren Umsätzen gemerkt“, räumt Dieter Klingenberg offen ein. Den passionierten Tennisspieler schreckt die schwierige Ausgangssituation jedoch nicht. „Ich bin immer am besten, wenn es 2:5 gegen mich steht.“ Der englische Traditionskonzern befindet sich im Umbau. Seit 1825 stellt Clarks Schuhe her. Die Briten tragen die Marke von der Wiege bis zur Bahre. Das Unternehmen kaufte in den 80er Jahren eine Schuhhandelskette in Großbritannien auf und verfügt seitdem über 689 eigene Shops. Jeder vierte Schuh, der heute auf den britischen Inseln verkauft wird, stammt von Clarks. Insgesamt produziert der Markenhersteller 45 Mio. Paar Schuhe jährlich. Nur die globalen Sportmarken erreichen noch höhere Zahlen. Von dieser komfortablen Ausgangsbasis aus will der Konzern neue Märkte erschließen. Clarks soll sich von einem zuverlässigen Komfortprodukt zur einer international bekannten Modemarke mausern. „In Deutschland gelten Clarks-Schuhe als komfortabel, aber etwas verstaubt“, meint Dieter Klingenberg. Die Markenwahrnehmung sei verwaschen. Im Winter würden mehr Herrenschuhe gekauft, im Sommer mehr Damenmodelle. „Unsere Kunden werden weiterhin Komfortmodelle in gewohnter Qualität bei uns finden. Doch Clarks wird modischer und moderner.” Klingenberg startete bei den Clarks Originals, der Young-Fashion-Linie von Clarks. Die Kollektionen gibt es schon lange, doch „bisher war der Vertrieb zu breit, die Modelle standen überall“. Gut für die Umsätze, schlecht für das Image. Seit einer Saison unterscheidet Klingenberg beim Handel jetzt scharf nach Trendsettern, Trendleadern und Followern. Sie werden mit unterschiedlichen Kollektionen und einem eigenen Außendienst beliefert: Rot für die Trendsetter, Gelb für die Trendleader und Blau für die Follower. Für Rot und Gelb gibt es limitierte Editionen. Damit soll es für die Trendsetter attraktiv werden, Clarks zu führen. Von den Clarks Originals ausgehend modernisiert sich die ganze Kollektion. Um die Marke in ihrer ganzen Bandbreite darstellen zu können, setzt Klingenberg auf Megastores in den Großstädten, von Handelspartnern geführt. Schon heute gibt es bundesweit sieben Shops. Die drei neuen Megastores sind mit rund 250 Quadratmetern Verkaufsfläche weit größer und nach dem neuesten Logo- und Ladenkonzept eingerichtet. Die ersten drei sind in Hamburg, Köln und Frankfurt geplant. Auch am PoS-Marketing wird gearbeitet. „Unsere Schuhe stecken voller technischer Innovationen, doch man sieht es ihnen nicht an.“ Ab Herbst/Winter 2006/2007 erläutern Hangtags die Besonderheiten der Schuhe. Macht Clarks damit die Kollektion selbstbedienungsfähig? „Clarks wird man nicht bei Preiswertanbietern finden, auch in den Warenhäusern sind wir nicht vertreten, vom Kadewe und dem Alsterhaus einmal abgesehen. Hier geht es um das Image der Marke“, verspricht Klingenberg. Das heißt jedoch nicht, dass es keine günstigen Einstiegspreislagen geben wird. „Clarks ist durchaus in der Lage, preisgünstig Schuhe anzubieten. In Deutschland haben wir uns mit klassischen Herrenschuhen zu 89,90 Euro schon einen Markt erkämpft.“ Auch bei Damenschuhen kündigt Klingenberg ähnliche Einstiegspreislagen in einem definierten Segment an. Reicht das aus, um die Verärgerung des Fachhandels zu mildern? „Wenn Ende Februar die ersten Elefantenschuhe bei Deichmann stehen, wird es noch einmal schwierig für uns“, zeigt sich Klingenberg realistisch. Doch danach gebe es keinen Grund, dass der weltgrößte Markenschuhhersteller sich in Deutschland mit seinem jetzigen Marktanteil zufrieden gebe. 02/06Dagmar Rees

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