Schuhmarkt

Kult im Zentrum von Triest

Wer in Triest etwas auf sich hält, ist Kunde im Schuhgeschäft Donda. Das alteingessene Unternehmen hat Kultstatus, den ein eigenes Schuhmuseum mehrt. 12/07 Thesy Kness-Bastaroli

Wer in Triest etwas auf sich hält, ist Kunde im Schuhgeschäft Donda. Das alteingessene Unternehmen hat Kultstatus, den ein eigenes Schuhmuseum mehrt.

„Dank unserer Erfahrung können wir hier weitere hundert Jahre Schuhe verkaufen.“ Massimo Donda, Inhaber und Geschäftsführer des Kult-Schuhladens „Donda“ in Triest, gibt sich zuversichtlich. Schließlich kann der Urenkel des Geschäftsgründers Giuseppe Donda auf 120 Jahre Tradition hinweisen. Seit der Gründung 1887 entwickelte sich Donda zum Schuheinkaufszentrum für die Triestiner schlechthin: Derzeit versorgen sich 16 000 Triestiner Familien mindestens einmal jährlich mit Donda-Schuhen.

„Rund ein Viertel der Bevölkerung zählt zu unseren Kunden“, sagt der Geschäftsführer. Das Geschäft hat sich dem modernen Bedarf angepasst und bietet vor allem Markenware an. Das Sortiment bedient jeden Geschmack und jede Größe. Die Fidelity-Card, eine Stammkundenkarte mit erheblichem Skonto, bindet die Kunden an das Geschäft. In den achtziger Jahren wurde „Donda“ erweitert und modernisiert: sieben Vitrinen zeigen die reichhaltige Kollektion, und im Geschäft gibt es ein Schuhmuseum.

Schnürschuhe aus dem 19. Jahrhundert aus der österreichisch- ungarischen Monarchie sind ebenso wie „modische“ Nachkriegsschuhe, Kletterund Bergschuhe oder Pumps aus den fünfziger Jahren im Geschäftsmuseum zu sehen. „Klein, aber einzigartig“, beschreibt der Urenkel des Gründers sein Museum. Besonders stolz ist er auf seine Kinderabteilung. Er hofft, dass seine dreizehnjährige Tochter das Geschäft in fünfter Generation übernimmt. Weitere Geschäfte will Donda nicht eröffnen. „Wir bleiben in Triest, hier kennt uns jeder“, meint er. Dem Taxifahrer, der uns zum Geschäft brachte, brauchte man nur den Namen Donda zu nennen, und er fuhr uns in die Largo Barriera 5, wo auf einer Verkaufsfläche von rund 500 qm das Schuhgeschäft zur Attraktion geworden ist.

Interview: Deutsche Margen höher als in Italien

Über die Unterschiede des italienischen und deutschen Schuhhandels sprach SchuhMarkt mit dem Präsidenten des italienischen Fachverbandes Federcalzature, Dr. Massimo Donda.

SchuhMarkt (SM): Wie ist der Schuhhandel in Italien organisiert?

Donda (D): Der traditionelle Einzelhandel hat hier einen großen Stellenwert. Wir haben 14 500 traditionelle Fachgeschäfte mit einem Marktanteil von 55 Prozent. Das ist weit mehr als in Deutschland.

SM: Welche Vertriebsform hat heute in Italien die größten Wachstumschancen?

D: Heute entfallen rund 15 Prozent des Vertriebs auf den Einzelhandel. Bei Einkaufszentren und Warenhäusern sehe ich Chancen. Weitere 15 Prozent des Vertriebs entfallen auf Handelsketten. Die haben in Italien eine wesentlich schwächere Position als in Deutschland. So kann man die Handelsketten mit über zehn Geschäften an einer Hand abzählen. Überraschenderweise hat der Wanderhandel, die Straßenmärkte, in letzter Zeit einen hohen Zuwachs. Ihr Marktanteil hat sich von zehn auf 15 Prozent erhöht.

SM: Wo liegen weitere Unterschiede zwischen Italien und Deutschland?

D: Zweifellos sind in Deutschland die Margen höher. Die Großhändler haben vor allem die Funktion, die Zahlungen zu garantieren und die hier üblichen Fristen von bis zu 120 Tagen zu verkürzen. Es gibt es hier nur wenige Einkaufsgruppen. Diese scheitern gewöhnlich an der „Individualität“ der italienischen Händler. Als Vorteil im italienischen Handel sehe ich die günstigen, in historischen Zentren gelegenen Standorte der Fachgeschäfte. Auch haben wir die schönsten Kunden der Welt.

SM: Ist Ihrer Meinung nach die vom Schuhherstellerverband ANCI geforderte Ursprungsbezeichnung ein wichtiges Verkaufsargument?

D: Der Kunde will Qualität und das richtige Preis-Leistungs-Verhältnis. Wichtig ist die Marke. Wo diese hergestellt wird, ist dem Kunden ziemlich gleichgültig.

SM: Wo sehen Sie die modische Zukunft?

D: Derzeit sind Sandaletten in allen Variationen gefragt. Die Industrie schlägt weiterhin für die Herbst-Winter-Saison Stiefel in allen Varianten vor. Infolge der klimatischen Veränderungen dürften diese keine allzu große Zukunft haben.

Zur Person:

Massimo Donda ist Besitzer eines traditionsreichen Top-Schuhgeschäftes in Triest, europafreundlicher Fachverbandspräsident und neuerdings auch Schriftsteller. Sein Buch „Ai piedi del successo“ (Am Fuß des Erfolges: Schuhe, Verbraucher, Märkte) ist auch in englischer Fassung erhältlich.

12/07 Thesy Kness-Bastaroli

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