Schuhmarkt

Gesund in der Nische

Schlanke Produktion und schlankes Management helfen FinnComfort die Kosten im Hochlohnland Deutschland im Griff zu behalten. Erfolgreich in der Nische sieht man sich aber auch dank ständiger Innovationen. 15/06 Norbert Gstattenbauer

Schlanke Produktion und schlankes Management helfen FinnComfort die Kosten im Hochlohnland Deutschland im Griff zu behalten. Erfolgreich in der Nische sieht man sich aber auch dank ständiger Innovationen.

Vor einigen Jahren bezeichnete ihn einmal ein Journalist als „den kleinen global player aus der Provinz“. Bei dem Gedanken daran huscht Hans-Joachim Wolter heute noch ein Lächeln über die Lippen. „Vielleicht stimmt das ja“, meint der Geschäftsführer der Waldi Schuhfabrik in Haßfurt am Main. „Angesichts unserer positiven Umsatzentwicklung sind wir jedenfalls nicht unzufrieden.“ Das Unternehmen aus Unterfranken ist mit seiner Marke FinnComfort einer der führenden Bequemschuh-Hersteller in Europa und einer der wichtigsten Arbeitgeber der Region.

Rund 7000 Paar Schuhe fertigen die 650 Beschäftigten im Zusammenspiel mit 1500 Heimarbeitern pro Tag. Das sind im Jahr 1,5 Millionen Paar, die das Werk in Haßfurt verlassen. „Und nach wie vor fertigen wir alles bei uns in Deutschland“, sagt Wolter stolz. Ermöglicht wird das, weil „wir zum einen ein Nischenprodukt herstellen und damit nicht so preisanfällig sind wie der Konsumerbereich“, erläutert der Geschäftsführer. „Zum anderen sind Lean Management und Lean Production bei uns keine Schlagworte, sondern gelebte Realität mit einem strikten Kostenmanagement.“

Er geht da mit gutem Beispiel voran: Ohne Sekretärin schreibt selbst der Geschäftsführer seine Briefe selbst. „Meinen Kaffee muss ich mir also genauso selbst kochen wie jeder andere Mitarbeiter auch.“ „Luxus gibt es bei uns nicht.“ Deshalb verzichtet das Unternehmen auch auf einen großzügig gestalteten Empfangsbereich für die Besucher.

Wer das Verwaltungsgebäude im Stammwerk betritt, steht mitten in einem Großraumbüro, muss sich an eine der Mitarbeiterinnen dort wenden, die ihm freundlich und unkompliziert sofort weiterhilft. Kräftig investiert hat die Firma Waldi dafür in eine weitere Produktionsstätte, die nur einen Kilometer vom Stammhaus entfernt liegt: 2003 nahm das Werk 2 seinen Betrieb auf. In ihm ist auf einer Fläche von 7500 Quadratmetern die komplette Schaft-Fertigung untergebracht. Es gibt zudem genügend Spielraum, um eines Tages den kompletten Betrieb dorthin verlagern zu können. „Sobald uns eine Möglichkeit geboten wird, das Werk 1 sinnvoll zu verwerten, würden wir sofort bauen“, erklärt der Firmenchef. Bisher waren ihm die Angebote, die er erhalten hat, allerdings nicht lukrativ genug.

In über 40 Ländern ist das Unternehmen mit seiner Marke FinnComfort mittlerweile präsent. Im vergangenen Jahr haben die USA den bisherigen Spitzenreiter Japan als umsatzstärksten ausländischen Markt abgelöst. 60 Prozent der Schuhe gehen auf den deutschen Markt. Ziel von Wolter ist, eine Exportquote von 50 Prozent zu erreichen: „Es ist notwendig, nicht von einem Markt abhängig zu sein. Deshalb sehen wir einen Großteil unserer Möglichkeiten im Ausland.“ Auf Grund der hohen Lohnkosten in Deutschland sieht er sich daheim „gezwungen, weiter zu rationalisieren. Wir verbessern deshalb ständig unsere Produktionstechnik.“ So hat Waldi zusammen mit einer Maschinenbaufirma neue Stepp-Automaten entwickelt, mit einer anderen Firma neue Rau-Maschinen.

Darüber hinaus ist das Unternehmen momentan dabei, einen Abrollschuh mit konvex geformter Sohle für Frühjahr/Sommer 2007 anzubieten. Schon im Januar wollte er mit seiner Neuheit auf den Markt. Doch dann war es ihm wichtiger, dass sie so perfekt wie möglich sein sollte: „Da wir jede Neuentwicklung zusammen mit der Orthopädie machen, braucht das Zeit.“ Der Vertrieb des neuen Schuhs wird wie bei allen anderen Modellen von Waldi über den Fachhandel erfolgen.

Wolter: „Er ist und bleibt unser Partner. Deshalb gibt es bei uns auch keinen Fabrikverkauf oder die Vertriebsschiene über die Kaufhäuser.“ Rund 2000 Händler sind es in Deutschland, die das Unternehmen mit seinen Schuhen beliefert. Stets darauf bedacht, dass „das Produkt nicht aus zu vielen Fenstern schaut. Wir wollen die Begehrlichkeit der Kunden nach unseren Schuhen steigern, aber nicht die Verkaufsstellen vermehren.“ Mit der Folge, dass es inzwischen sogar eine Warteliste mit Händlern gibt, die Produkte von FinnComfort haben möchten.

Beim Export arbeitet Waldi durchgängig mit einem einzigen Importeur im jeweiligen Land zusammen. „Für uns hat das den Vorteil, dass wir immer nur einen Ansprechpartner und damit eine bessere Kontrolle haben. Er hat umgekehrt die Gewähr auf Gebietsschutz, kann sich somit darauf verlassen, dass wir nicht in sein Land liefern.“ Sorgen bereiten dem Waldi-Chef momentan dagegen seine beiden Lehrberufe Schuhfertiger und Näherin. Die Azubis, die er zuletzt hatte, haben „leider überhaupt nicht mitgezogen, waren an einer Ausbildung bei uns gar nicht interessiert“. Eine Einstellung, die für Wolter nicht nachvollziehbar ist: „Diese jungen Leute denken nur daran, schnell Geld zu verdienen, und verzichten dafür auf eine solide Ausbildung.“

Trotzdem will er in diesem Jahr nochmals einen Versuch mit Azubis wagen: „Sollte es wieder nicht klappen, lasse ich es bleiben. Dann mag ich auch nicht mehr.“ Optimistisch, was die Entwicklung seines Unternehmens in 2006 betrifft, ist der Geschäftsführer dennoch: „Das ist absolut notwendig. Genauso, wie man eine Konjunktur durch Schlechtreden kaputt machen kann, genauso kann ich sie durch positives Reden fördern. Es geht uns Deutschen doch gut. Also sollten wir, wie wir das so gern tun, nicht alles schlecht machen.“ 15/06 Norbert Gstattenbauer

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