Schuhmarkt

Paul Green startet in Minden

Das Textilhaus Hagemeyer in Minden gibt bei Schuhen mächtig Gas und möchte die Schuhumsätze bis Ende nächsten Jahres verdoppeln. Seit Februar stehen 600 qm Verkaufsfläche bereit. Taschen folgen. 05/07 Ilona Sauerbier

Alle kennen Hagemeyer in Minden. In dem freundlichen Kaufhaus, an dem immer noch die Familienmitglieder Jürgen Ahrens und Fritz Trabert beteiligt sind, deckten sich die Mindener mit modischer Kleidung, Glas, Porzellan, Kosmetik, Geschenken und hier und da mit Schuhen ein. Schuhe waren zwar schon immer im Sortiment, tröpfelten allerdings so vor sich hin.

Im Herbst 2000 beschloss Hagemeyer für das ganze Haus eine Neupositionierung in Richtung Mode. Damit kam auch der Break für die Schuhe. Denn im Schuhhaus Teves, das genau gegenüber lag,wechselten die Inhaber und verlockende Marken wie Paul Green, Peter Kaiser oder K & S, „die wir vorher nie bekommen hätten, standen zur Disposition“, sagt Geschäftsführer Hans-Peter Vankerkom. Mit den neuen Marken begann Hagemeyer Stilwelten zu kreieren, die auch bei den Bekleidungssortimenten umgesetzt werden. Schließlich gehörten Schuhe zur Mode, erklärt Vankerkom. Und dass sich Kunden Schuhe aussuchen und dann in den Modeetagen an die Outfits halten können, versteht sich von selbst.

Schuhe sind bei Hagemeyer zwar im dritten Stock untergebraucht, durch die unterschiedlichen Eingänge, die zur Ober- und zur Unterstadt führen, befindet sich die Abteilung allerdings in optimaler Lauflage. Hinzu kommt, dass alle Parkhausbenutzer zuerst durch die Schuhabteilung laufen müssen, ehe sie die anderen Abteilungen erreichen.

Kosmetik weicht Schuhen

Um Schuhen entsprechende Flächen zu geben, wurde im Laufe des letzten Jahres zunächst die Kosmetikabteilung (mit zuletzt knapp drei Millionen Euro Umsatz) und später auch Glas, Porzellan und Geschenke eingedampft. „Wir haben uns diesen Schritt nicht einfach gemacht“, sagt Vankerkom bei dieser Umsatzvorgabe. Doch der Schritt habe sich gelohnt. Schuhe sind für Vankerkom das Zuwachsthema schlechthin, und die inzwischen auf 600 qm angewachsene Schuhabteilung wurde letzten Monat um einen Paul-Green-Shop ergänzt. Den ersten Shop von Paul Green generell.

„Dabei haben nicht wir die Österreicher angesprochen, sondern Paul Green kam zu uns“, freut sich Vankerkom. Paul Green gehört bei Hagemeyer zu den auserwählten Shopanbietern, die das 42 Kriterien umfassende Beurteilungssheet erfüllen. „Sicher gab es zwischendurch auch Anfragen von Herstellern für Concessions“, so Vankerkom, „aber wir hatten immer unsere eigenen Ideen.“ Paul Green Schuhe werden auf einer Fläche von 50 qm gezeigt, und der Shop ist in Anlehnung an die Fashionkonzepte im Hause gemeinsam mit den Österreichern entwickelt worden.

Warum Hagemeyer für Paul Green? „Vielleicht hat es damit zu tun, dass wir Spezialisten für vertikale Flächenbewirtschaftung sind, und unser Einzelhandels Knowhow in Bezug auf Merchandising und Darstellung auch von erfolgreichen Schuhanbietern registriert wird.“ Natürlich gebe es immer mehr Schuhmarken, die flächenfähig seien, sagt Vankerkom, „aber es ist nicht einfach, Handelsspezialisten für vertikale Flächenbewirtschaftung zu finden.“ Was wohl der nächste Shop sein könnte, ist noch offen. Geox könnte man sich vielleicht ganz gut vorstellen.

Modeleitbilder verdoppeln Umsätze

Der realisierte Modeleitbild-Gedanke bei Schuhen spülte Hagemeyer in den letzten Jahren eine Verdopplung der Schuhumsätze auf knapp zwei Millionen Euro ins Haus. Bezogen auf 2006 ist für Ende dieses Jahres eine Steigerung um weitere 50 Prozent geplant. Bis Ende 2008 sollen es gar 100 Prozent werden. Grund dafür ist ein eventuell anstehendes Trading- up. „Wir sind gerade in Gesprächen mit Topmarken und möchten den hochgenrigen Markenbereich gerne stärker ausbauen.“ Im Premiumsegment für Damen und Herren sieht Vankerkom „noch starke Wachstumsfelder“, da Premiumsortimente auch in der Bekleidung zu den wichtigsten und erfolgreichsten strategischen Bereichen gehören (2006 flächenbereinigt +36,4 Prozent).Trotz dieses Trading-ups soll „die gehobene Mitte aber auf keinen Fall verlassen werden“.

Nachdem Schuhe einen Relaunch erfahren haben, stehen als nächstes Taschen und Lederwaren auf dem Programm. Im Moment ist die 400 qm große Lederwarenabteilung mit Marken wie Coccinelle, Furla, Mandarina Duck, Boss, Joop oder Mexx besetzt. Künftig sollen Schuhe und Taschen stärker miteinander verschmolzen werden. Und es kommen Topmarken dazu. Erste Gespräche laufen derzeit mit Prada,Tod’s und Hogan. In puncto Werbung promotet Hagemeyer alle sechs Wochen eine Schuhmarke in den Tageszeitungen. Darüber hinaus wird in der Schuhabteilung immer ein Modell einer Marke zum Trendschuh des Monats erhoben. „Wir sind mit unseren Sortimenten immer in Bewegung“, sagt Inhaber Fritz Drabert. „In absehbarer Zeit werden deutlich mehr Flächen dazu kommen.“ Das Nachbargrundstück mit zusätzlichen 2500 qm Fläche ist bereits gekauft.

„Bis Frühjahr 2009 werden Schuhe und Accessoires mit Sicherheit noch einmal konfiguriert und vergrößert“, so der sympathische Westfale. Es könne ja nicht sein, dass die Mindener immer nach Hannover zum Schuhekaufen fahren. Optimale Flächenbewirtschaftung und Fashionkonzepte, verbunden mit Stilwelten, sind das Besondere an Hagemeyer. „Wir haben für jede Stilwelt einen Kunden vor Augen und wollen auf unseren Flächen Storys erzählen“, sagt Vankerkom. Dieses System greift sowohl in der Mode als auch bei Schuhen. Durch neue Silhouetten in der Mode seien Schuhe wichtiger denn je. „Das muss man als Schuhhändler ebenso begreifen wie als Textilhändler.“ Schuhe werden bei Hagemeyer zwar von getrennten Einkaufsteams gekauft, um allerdings die „Verzahnung der Stilwelten sicherzustellen, ist eine gemeinsame Themenund Einkaufsplanung Voraussetzung“. Mitarbeiterschulungen sind bei Hagemeyer wichtig. Externe Modeberater informieren die Verkäufer über Trends, Looks und Stile. „Wir möchten, dass unsere Mitarbeiter modisch fit sind und jeden Kunden darüber informieren können, was zu was getragen werden kann.“

Zur Herm. Hagemeyer GmbH & Co KG in Minden gehören drei Standorte: Minden mit 12000 qm Verkaufsfläche sowie Stadthagen (5500 qm) und Bad Oeynhausen (1900 qm). Der Gesamtumsatz liegt bei schätzungsweise 51 Mio. Euro, auf Minden entfallen etwa 35 Mio. Euro.Das Sortiment bietet Damen- und Herrenmode, die nach Stilwelten wie zum Beispiel Premium, Classic oder Modern Woman präsentiert werden. Dazu gehören Marken wie Boss Orange, Cinque, Cambio, Esprit, Cecil, Mexx, Joop oder Marc Cain. Darüber hinaus gibt es „Stammabteilungen“, die sich umsatzstarke Marken aufteilen. Im Basement ist die Abteilung Sportbekleidung untergebracht. Aufgeteilt nach Indoor, Outdoor, Running,Walking und Freizeit. Hier stehen konstant 1200 Sportschuhe aller namhaften Marken, von Adidas bis MBT, zur Verfügung. Schuhe werden bislang nur in Minden verkauft. In der 600 qm großen Abteilung betreuen neun Verkaufsmitarbeiter die Kunden. Wichtige Schuhmarken sind Paul Green, Peter Kaiser, Kennel & Schmenger, Boss Orange, Boss Black, Lotusse, Lacoste, Maripe, Mania, Joop, Donna Carolina, Gabor,Tommy Hilfiger, Esprit, Geox, Jenny by Ara, Rieker, Belmondo, Audley, Lloyd, Puma, Timberland, Clarks oder Camel active. Hagemeyer ist Anschlusshaus des anwr. 05/07 Ilona Sauerbier

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