Schuhmarkt

Ecco und die Yaks

Der Markenname Ecco steht für solides dänisches Design im Sport- und Fashionbereich. Uwe Janzen, neuer Geschäftsführer Deutschland, möchte das Erscheinungsbild der Marke künftig frischer und modischer ausrichten und die Retail-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum vorantreiben. GDS-Special 09/07 Ilona Sauerbier

Der Markenname Ecco steht für solides dänisches Design im Sport- und Fashionbereich. Uwe Janzen, neuer Geschäftsführer Deutschland, möchte das Erscheinungsbild der Marke künftig frischer und modischer ausrichten und die Retail-Aktivitäten im deutschsprachigen Raum vorantreiben.

Mit dichter Mähne, wachen blauen Augen und langem Hirtenstock steht er vor seiner Yak-Herde im Suldener Bergebiet und erzählte den staunenden Journalisten, wann die zotteligen Rinder geboren und geschlachtet werden, wie sie bis zu 40 Grad Kälte aushalten, wie cholesterinarm das Yakfleisch ist und welchen großen Nutzen die Tiere nicht nur den Tiroler Bauern, sondern auch der Schuhindustrie bringen. Nicht für jede Firma hätte sich Reinhold Messner vor den Marketing-Karren spannen lassen, aber eine Firma, die die Häute der tibetanischen Nutztiere aus dem Himalaya zu Outdoorschuhen machen will, findet der berühmte und politisch sehr engagierte Bergsteiger auf jeden Fall gut.

Messners Ziel ist es nämlich, die Yak-Verwertung ganzheitlich zu betreiben „und das Fleisch zu veredeln, bis es auf dem Teller ist.“ Der gebürtige Südtiroler unterstützt mit dieser Idee ein laufendes Projekt, das die Südtiroler Wirtschaft ankurbeln und den Bergbauern Autarkie bringen soll.

Yakleder: Dreimal so robust

Das kann Ecco, bislang weltweit einziger Hersteller, der Yakleder verarbeitet, nur recht sein, denn Messner ist derzeit gern gesehener Gast und Redner bei Talkshows und umweltpolitischen Veranstaltungen und somit idealer Fürsprecher der neuen X-Serie aus Yakleder.

Zum Winter bietet der dänische Footwear-Spezialist mit dieser Serie Trekking- und Wanderschuhe aus dem Leder der Himalaya-Rinder an. Hinzu kommen Sneaker und eine Sandale, die ebenso mit dem robusten Leder kombiniert sind.Weitere Kollektionsteile werden Gürtel,Taschen und Accessoires aus Yakleder sein. Knapp 15 Jahre habe man herumexperimentiert, um die mit Moskitostichen und Schürfungen unregelmäßig gezeichneten Leder für Schuhe zu perfektionieren, erklärt Marc Estor, Produktmanager Ecco International.

„Yakleder ist dreimal so robust wie herkömmliches Rindleder, so dass es um bis zu fünfzig Prozent dünner verarbeitet werden kann“, erklärt Estor die Verfahrensweise. Der Schuh ist dadurch halb so schwer wie vergleichbare Schuhe, aber dreimal widerstandsfähiger. Dass dieser Produktstandard garantiert bleibt, dafür sorgen Ecco-eigene Gerbereien,wo alle Leder verarbeitet werden. X-Series-Schuhe haben eine Vibramsohle und eine direkt angespritzte PU-Mittelsohle, die sich äußerst komfortabel und stoßdämpfend auswirkt. Die Schuhe sind dadurch leicht und geschmeidig und äußerst strapazierfähig. Sie kosten mit 140 bis 220 Euro VK etwa 20 Euro mehr als übliche Hikingschuhe.

Mehr Shops im Süden

Ecco bezieht die Leder von den Beständen der etwa 13 Millionen domestizierten Yaks in Zentralasien. Die Schuhe werden dann in der Slowakei produziert und von Dänemark aus in alle Welt verschickt. Namhafte Händler wie Globetrotter in Hamburg,Sport Scheck in München und Engelhorn in Mannheim hätten bislang die Schuhe geordert, sagt Uwe Janzen. Und damit habe man schon mal die Großen des Sporthandels auf der Liste.

Das reine Sportbusiness ist für Janzen, der von Marc O’Polo Shoes kommt, noch ein eher unbekanntes Feld, dafür versteht er sich aber hervorragend auf die Markengestaltung sportsweariger und modischer Kollektionen. Das ist auch die Richtung, die Ecco künftig einschlagen soll. „Wir wollen frischer und moderner werden“, sagt Janzen, und mit den Möglichkeiten der Ressourcen, die Ecco habe, ließe sich da viel bewegen. Vor allem im Retailbereich stecken für den Niedersachsen die derzeit größten Chancen und Wachstumspotenziale.

Bislang verfügt Ecco deutschlandweit über 30 Shop-in-shop-Läden, die von Franchisepartnern geführt werden. Mit diesen Partnern möchte Janzen auch weiterhin wachsen und in der Präsentation jünger werden. „Sollten sich keine Partner finden, machen wir es selber.“ Unabhängig davon wird gerade ein Standort für den ersten Flagship- Store gesucht. Generell kommen laut Janzen für das Flagship wie auch für die künftigen Ecco-Shops nur 1a-Lagen in Betracht. Dabei visiert Ecco Deutschland stärker den süddeutschen Raum an: Von den 30 Shops sind allein 20 im Norden. „In Hamburg sind wir momentan siebenmal vertreten, in Stuttgart beispielsweise überhaupt nicht.“

Zweite Aufgabe wird es sein, der Marke ein Facelifting zu verpassen. Uwe Janzen: „Ecco ist bereits in den letzten Jahren jünger geworden. Das muss besser kommmuniziert werden.Wir sind keine Lifestylemarke und wollen auch keine werden. Unser Ziel ist es, innovative, funktionelle Schuhe anzubieten, die einfach etwas frecher und modischer daherkommen.“

Ecco in Kürze

Ecco International macht mit weltweit 12 000 Mitarbeitern und Produktionsmengen von jährlich 14,8 Millionen Paar Schuhen einen Umsatz von 600 Mill. Euro. Das entspricht einem Zuwachs von 16, 7 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Deutschlandumsatz liegt bei 61 Mill. Euro. Das dänische Familienunternehmen bietet seit 50 Jahren modische Damen-, Herren- und Kinderschuhe an.

Im Moment verzeichnet besonders der Kinderbereich gute Zuwächse, so Vertriebsleiter Kinder Frank Schmitz. Darüber hinaus versteht sich Ecco als Spezialist für Golf, Outdoor und Runningschuhe. Für Ecco waren Funktion und Technologie seit jeher wichtige Faktoren bei der Produktentwicklung. 1980 verfeinerten die Dänen die direkte Anspritzmethode der Sohle und bauen seitdem auf dieses Verfahren auf.. Ecco-Produkte sind weltweit in mehr als 3000 Konzept- Stores erhältlich. 509 davon sind reine Ecco-Markenshops, 43 Shops werden mit Partnern geführt. GDS-Special 09/07 Ilona Sauerbier

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