Schuhmarkt

Der Herr der Flächen

Ein Fachgeschäft auf 2600 Quadratmetern und auf der Grünen Wiese? Bei Thomas Mücke hat Fläche Methode. Wo der oberfränkische Schuhhändler seine fünfte Filiale eröffnete, verkaufte vorher ein Discounter Elektrogeräte. 08/06 Norbert Gstattenbauer

Ein Fachgeschäft auf 2600 Quadratmetern und auf der Grünen Wiese? Bei Thomas Mücke hat Fläche Methode. Wo der oberfränkische Schuhhändler seine fünfte Filiale eröffnete, verkaufte vorher ein Discounter Elektrogeräte. Komplizierte Marketing-Strategien, die vielleicht gerade deswegen nicht zwingend die erhofften Umsätze bringen, überlässt Thomas Mücke den anderen. Der 44-jährige Schuh-Fachhändler aus Oberfranken führt seine Geschäfte lieber nach einem einfachen Grundsatz: „Wir bieten unseren Kunden ein Vollsortiment mit Markenschuhen und das großflächig und preisgünstig.“ Mit Erfolg. Im Oktober 2005 eröffnete Mücke in Mögeldorf, im Osten von Nürnberg, sein inzwischen fünftes Geschäft, das „sich gut entwickelt hat. Wir spüren, dass an diesem Standort noch einiges mehr möglich ist“. Das Stammhaus der Firma befindet sich in Kulmbach, gegründet 1954 von Mückes Vater. Heute hat der Unternehmer Schuhgeschäfte in Kulmbach und Bamberg, Münchberg und Bayreuth, beschäftigt insgesamt 120 Mitarbeiter. Alle Häuser sind nach dem gleichen Muster gestrickt: „Wir suchen gezielt Standorte an der Peripherie, wo wir weniger Miete als in den Innenstädten zahlen, halten somit die Fixkosten so niedrig wie möglich und können den Kalkulationsvorteil an unsere Kunden weitergeben“, erläutert Thomas Mücke. „Deshalb ist es möglich, unseren Kunden attraktive Preise zu machen, die sie in der Innenstadt nur selten finden.“ Rund 2600 Quadratmeter umfasst die Fläche seines neuen Geschäfts in Mögeldorf mit dem vorläufigen Firmennamen „miles – Schuhe,Trends und Marken“. Ein Arbeitstitel, der seinen Grund hat: „Wir leben nach wir vor in einem Provisorium. Bis zur Herbst-Winter-Saison 2006/2007 werden wir dieses Geschäft so gestaltet haben, wie wir uns das vorstellen“, erklärt Mücke. Bis dahin wird er rund zwei Mio. Euro in das Gebäude investiert haben, in dem früher die Nürnberger Filiale eines Elektronik-Discounters untergebracht war. Erst, wenn alles dem Corporate Design der anderen Standorte entspricht, wird das neue Haus den Namen „Schuh Mücke“ tragen. Schon jetzt können die Kunden jedoch aus einem großflächigen Angebot mit Marken wie Esprit und Naturino, Gabor und Ricosta, Clarks und Rieker aus rund 40 000 Paar Schuhen auswählen. Parallel dazu entfällt die nervenaufreibende Suche nach einer Parkmöglichkeit wie in der Innenstadt: Gibt es doch vor dem Gebäude rund 100 Stellplätze für die Kunden. Ein Vorteil, den gerade Familien mit Kindern zu schätzen wissen. Wie auch, dass das komplette Paar zum Anprobieren im Regal steht. Der Kunde braucht also nicht mehr wie früher einen Verkäufer bitten, ihm den zweiten Schuh dazu aus dem Lager zu holen. Auf kompetente Beratung muss er deshalb nicht verzichten: 20 Mitarbeiterinnen stehen im Nürnberger Haus bereit, „wenn der Kunde das wünscht. Auch das macht unser Konzept aus: Der Kunde kann sich ungestört umschauen. Wenn er aber Hilfe braucht, sind wir zur Stelle, bekommt er eine Beratung wie in einem Fachgeschäft.“Ein weiterer Pluspunkt sind die Geschäftszeiten: Montags bis freitags ist das Schuhhaus in Nürnberg-Mögeldorf zwischen 10 und 20 Uhr, samstags zwischen 9.30 und 18 Uhr geöffnet. Thomas Mücke hat vor 15 Jahren angefangen, sein Konzept zu entwickeln. Er ist überzeugt, dass „die Kunden in Zukunft lieber an der Peripherie der Städte, auf großen Flächen und zu günstigen Preisen einkaufen möchten.“ Doch einfach war es nicht, dieses Konzept zu verwirklichen. „Allein schon die notwendigen Genehmigungen zu kriegen, war jedes Mal ein bürokratischer Hürdenlauf“, erinnert er sich und versteht nach wie vor nicht, „warum sich manche Städte gegen moderne Verkaufskonzepte wehren. Sie schneiden sich ins eigene Fleisch. Da braucht man sich doch nur die Factory-Outlet-Center in Wertheim, Metzingen oder Ingolstadt anzuschauen.“ Als Mücke im Schuhfachhandel anfing, war ein Laden mit 300 Quadratmetern Fläche „schon ein großes Geschäft. Heute ist so ein Laden flächenmäßig Mindestmaß, man muss die Ware entsprechend präsentieren, und das braucht Platz“. Die Idee, in Nürnberg ein Schuhhaus zu eröffnen, beschäftigte Mücke schon länger. „Wenn man wie wir expandieren will, geht das von Oberfranken aus am besten in Richtung Süden“. Die Frankenmetropole hatte er dabei zunächst nicht auf der Rechnung. „Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus“, sagt Mücke. „Man kann als Schuhhändler Standorte neu definieren, wenn das Angebot attraktiv genug ist.“ Zudem hatte er Glück. Für das Gebäude im Nürnberger Osten existierte bereits eine Einzelhandelsgenehmigung. Die notwendige Grundlage, um ein neues Schuhhaus eröffnen zu dürfen. Gleichzeitig passte das Umfeld. Mit Stadtteilen, in denen eine hohe Kaufkraft und kein Wettbewerber ähnlicher Größenordnung vorhanden ist. Nachdem Mücke den Mietvertrag unterzeichnet hatte, musste es rasch gehen: Sechs Wochen später war die Eröffnung. „Ein Schnellschuss“, wie er zugibt. „Deshalb ist das Sortiment auch noch nicht so, wie ich es mir vorstelle.“ Sein Ziel ist, durchgängig das „obere Drittel am Markt und damit das obere Drittel im Preissegment zu bedienen. Deshalb investieren wir auch lieber in ausgefallene, flippige Modelle, statt Modenschauen zu veranstalten. Dort gucken die Kunden doch nur auf die Klamotten und nicht auf die Schuhe, sehen außerdem nicht, was sie kosten. Bei uns können sie die Schuhe anfassen, probieren, vergleichen und ein Einkaufserlebnis haben. Das ist ja immer noch der große Vorteil unserer Branche. Und diesen gilt es zu nutzen.“Schuh MückeGeschäftsführer Thomas MückeKonzept Fachhandel auf großen Flächen, niedrige Mieten, günstige PreiseStandorte Kulmbach, Bamberg, Münchberg, Bayreuth, NürnbergFlächen insgesamt 8500 qmDurchschnittlich 2000 qmMitarbeiter 120Preissegment oberes DrittelMarken Gabor, Clarks, Rieker, Esprit u.a.08/06 Norbert Gstattenbauer

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