Schuhmarkt

Neue Kraft getankt

Der fränkische Schuhhersteller Manz-Fortuna setzt auf Tradition. Dennoch trennte man sich von der Marke Mercedes. Ausschließliche Produktion in Deutschland mit allen Komponenten ist nicht mehr möglich. 12/06 Norbert Gstattenbauer

Auf Etabliertes zu setzen, ist Strategie bei der Manz-Fortuna Schuhfabrik im fränkischen Gremsdorf. Im Gegensatz zu anderen Firmen setzt Manz- Fortuna nach wie vor auf den klassischen Vertriebsweg über Handelsvertreter.

Hauptabsatzmärkte sind Deutschland und das europäische Ausland. Und was die Struktur des Unternehmens betrifft, „sind wir zu 100 Prozent auf den Fachhandel ausgerichtet“, erläutert Peter Toltz, der Geschäftsführer von Manz-Fortuna. Zurzeit beschäftigt die Schuhfabrik aus Franken 110 Mitarbeiter. Sie erwirtschafteten 2005 einen Jahresumsatz von 11 Millionen Euro. Das ist ein Plus von 2,8 Prozent verglichen mit dem Vorjahr.

58 Prozent der Schuhe produzieren die Mitarbeiter in Gremsdorf. Die Komponenten-Fertigung erfolgt in Kroatien, Italien und Indien, „das Nachbearbeiten machen wir bei uns“, sagt der Geschäftsführer. In Deutschland zu fertigen, ist für ihn „leichter geworden, weil wir einfacher an bessere Maschinen herankommen“. Was damit zu tun hat, dass so mancher deutsche Hersteller sein Geschäft aufgegeben hat und deshalb seine Produktionsmittel zum Verkauf stehen. Ein Vorteil für Manz-Fortuna, ein Nachteil „für die Schuhhersteller bei uns“, bedauert Toltz. „Wir sind dabei, diese unsere Stärke zu verlieren.“

Das bekommt auch er zu spüren: Absätze, Leder- oder Brandsohlen auf dem deutschen Markt zu bekommen, werde immer schwieriger. Doch damit nicht genug: „Auch das Material aus dem europäischen Ausland ist leider nicht von der Qualität, die wir brauchen. Deshalb müssen wir immer öfter die Lieferanten wechseln.“ Dass die angekündigte Mehrwertsteuer- Erhöhung für 2007 der Branche in diesem Jahr bereits kräftige Zuwächse einbringen könnte, damit rechnet Peter Toltz nicht: „Wenn wir ein Plus von 2,5 Prozent erzielen können, sind wir sehr zufrieden. Schuhe sind nicht mehr die Konsumgüter wie früher. Da wird es sicher keine vorgezogenen Käufe wie bei anderen Artikeln geben.“

Aller Traditionsliebe zum Trotz überraschte Manz-Fortuna im Dezember 2005 die Branche mit der Nachricht, dass die Schuhhandelsgruppe HR Group (Reno) aus Osnabrück die Marke Mercedes von Manz-Fortuna erworben hat. Hat der renommierte Schuhhersteller damit, vielleicht sogar notgedrungen, sein Flaggschiff verkauft? „Nein“, betont Peter Toltz, der Geschäftsführer von Manz-Fortuna. „Wir sind schon seit einigen Jahren dabei, die Mercedes-Linie weiter zu vermarkten. Nun hat es eben geklappt.“ Auch die Bezeichnung „Flaggschiff“ will Toltz so nicht gelten lassen, habe doch der Anteil dieser exquisiten Herrenschuh-Produktlinie an der Gesamtproduktion nur 2,5 Prozent betragen. Bei einem Volumen von 270 000 Paar Schuhen, die Manz- Fortuna 2005 fertigte, ist das – zugegeben – ein verschwindend geringer Anteil.

Um diesen zu erhöhen, hätte es einer entsprechenden Vermarktung des Mercedes-Namens, den das Unternehmen vor 30 Jahren gekauft hatte, in Eigenregie bedurft. „Das war zunächst auch so angedacht. Dazu braucht man allerdings Power, Kraft und Geld“, sagt der Geschäftsführer. „Dazu war unser Hauptgesellschafter aber nicht bereit. Deshalb haben wir intern eine Preislatte festgelegt, zu der wir die Linie verkaufen würden.“ Dass es einen Käufer geben könnte, der diese erfüllen würde, „hätten wir uns aber nicht gedacht“, erklärt Toltz. Als dann die HR Group auf Manz-Fortuna zukam und signalisierte, die Mercedes-Linie erwerben zu wollen, und auch der Hauptgesellschafter grünes Licht gab, ging das Geschäft über die Bühne. Über den Kaufpreis möchte der Geschäftsführer von Manz-Fortuna nicht reden. Nur so viel: „Beide Seiten haben ein gutes Geschäft gemacht. Uns hat der Erlös jedenfalls gut getan. Damit können wir wieder mehr in neue Formen und Leisten für unsere Kernmarke Manz investieren.“

Bis 30. Juni 2007 hat das Unternehmen übrigens die Möglichkeit, Schuhe mit der Marke Mercedes aus seinem Lagerbestand zu verkaufen. Danach ist Schluss – aber nicht ganz: Wird doch das Know-how aus der Mercedes-Linie in Zukunft in das Markenzeichen „Manz Exklusiv“ überführt. Hinzu kommen die rahmengenähten Schuhe, die ebenfalls einen neuen Namen erhalten haben: J. Briggs. Sich von einer Marke zu trennen, kann frischen Wind in ein Unternehmen bringen: Manz-Fortuna ist das beste Beispiel dafür. 12/06 Norbert Gstattenbauer

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