Schuhmarkt

Hexagon-Lösung gegen Chrom (VI)

Peter Errens Firma Erren Recondition betreibt seit 26 Jahren Ledernachbereitung für Schuhhersteller und Importeure. Er hält die Lizenz für ein neues Produkt zur Reduktion von Chrom (VI), entwickelt von TFL in der Schweiz, das er jetzt mit seinen zwei Partnern Martin Berman und Henrich Haber über ihre gemeinsame Firma Hexagon Solutions LTD mit Hauptsitz in Hongkong vertreibt. 16/06 Swantje Balg

Peter Errens Firma Erren Recondition betreibt seit 26 Jahren Ledernachbereitung für Schuhhersteller und Importeure. Er hält die Lizenz für ein neues Produkt zur Reduktion von Chrom (VI), entwickelt von TFL in der Schweiz, das er jetzt mit seinen zwei Partnern Martin Berman und Henrich Haber über ihre gemeinsame Firma Hexagon Solutions LTD mit Hauptsitz in Hongkong vertreibt.

SchuhMarkt: Wie kommt Chrom (VI) ins Leder?

Erren: Über 80 Prozent aller Leder weltweit sind chromgegerbt. Chrom ist im Grunde genommen nicht gefährlich. Leider kann sich unter bestimmten Umständen Chrom (III) zu Chrom (VI) umwandeln. Dies ist ein Oxidationsvorgang und kann durch Faktoren wie Hitze, UVStrahlung, Änderung des PH-Werts, ungesättigte organische Verbindungen (z.B. natürliche Fette), oxidierende Bestandteile und viele andere begünstigt werden. Oftmals müssen mehrere dieser Faktoren gleichzeitig auftreten. Allerdings wird Chrom (VI) als Produkt im Gerbprozess nicht verwendet.

Ich finde es sehr wichtig zu erwähnen, dass die meisten Hersteller wirklich alles tun, um die Bildung von Chrom (VI) zu vermeiden. Die Entstehung von Chrom (VI) aus Chrom (III) kann langsam erfolgen. Das bedeutet, dass Produkte, die unmittelbar nach ihrer Herstellung noch kein Chrom (VI) enthielten, beim Transport oder der Lagerung Chrom (VI) entwickeln könnten. Die Mengen von in Lederwaren gefundenem Chrom (VI) reichenvon 0 bis zu 100 ppm und mehr.

Was ist das Gefährliche an Chrom (VI)?

Chrom (VI) kann zu allergischen Hautreaktionen führen, ist karzinogen und toxisch. In der Oxidationsstufe (VI) blockiert Chrom viele Enzyme der Leber, Chrom (III) selbst ist aber ungefährlich.

Wo liegt der deutsche Grenzwert für Chrom (VI)?

Deutschland war das erste Land, das den Chrom-(VI)-Gehalt in Leder aufgrund der krebserregenden Wirkung gesetzlich regelte, was das Verbot von Chrom (VI) in Konsumwaren bedeutete („Deutsches Konsumwarengesetz“). Die Testmethode DIN 53314 von 1996 erlaubt die Messung von einem Chrom- (VI)-Gehalt in Leder bis zur unteren Bestimmungsgrenze von 3ppm (parts per million).

In manchen Fällen lassen Händler das Leder im Labor untersuchen, um Spuren von Chrom (VI) zu finden, auch wenn diese unterhalb der Grenzen der offiziellen Testmethoden liegen. Gemäß der DIN-Methode gelten alle Ergebnisse mit einem Gehalt von weniger als 3 ppm als unsicheres Testergebnis und werden als nicht entdeckt eingestuft.

Sie besitzen die Lizenz für ein Mittel, das Chrom (VI) in bereits belastetem Leder zu Chrom (III) reduziert. Wie heißt das Mittel und wie funktioniert es?

Der Handelsname ist MPH C6.2 und MPH C6.4. Das Mittel ist eine Zusammensetzung aus in Europa speziell für die Lederindustrie entwickelten und hergestellten Chemikalien. Es bewirkt einen chemischen Vorgang im Leder, der Chrom (VI) in Chrom (III) umwandelt, ohne dass schädliche Nebeneffekte entstehen. Leider gibt es Leute, die jetzt Chrom-(VI)-reduzierende Produkte auf den Markt bringen, die zwar funktionieren, dafür aber andere gefährliche Stoffe ins Leder bringen. Im Gegensatz zu unseren Produkten sind diese sehr schädlich für die Mitarbeiter.

Was ist der Unterschied zwischen MPH C6.2 und MPH C6.4?

MPH C6.2 ist geeignet für Fälle mit geringem Chrom-(VI)-Gehalt in ungeschnittenem Leder oder in fertigen Produkten wie Schuhen, Taschen, Gürteln und Lederbekleidung. MPH C6.2 ist für die meisten Fälle geeignet, wenn der Chrom-(VI)-Gehalt geringer als 30 ppm ist. MPH C6.4 hat die doppelte Menge wirksamer Stoffe und ist für Fälle mit hohem Chrom-(VI)-Gehalt. MPH C6.4 ist für die meisten Fälle geeignet, wenn der Chrom-(VI)- Gehalt höher als 30 ppm ist. MPH C6.4 findet bei schwer zu behandelnden Ledern Verwendung.

Welches sind die Anwendungsmöglichkeiten?

MPH kann auf der Fleisch-, aber auch auf der Narbenseite von ungeschnittenem Leder, noch nicht genähten Lederstücken sowie auf fertigen Lederprodukten wie Schuhen aufgetragen werden. Das Leder muss völlig mit der Lösung imprägniert werden. Dafür gibt es verschiedene Anwendungen, die unsere Techniker von Fall zu Fall mit dem Hersteller ausarbeiten. Hersteller können die Lösung selbst verwenden oder, wenn die Ware schon in Europa ist, können wir die Ware nachbearbeiten. Die Firma Erren Recondition kann bereits auf acht Jahre Erfahrung in der Chrom-(VI)-Reduzierung zurückblicken. Es ist deswegen auch nicht nötig, Ware zu vernichten, wenn man stattdessen mit geringen Kosten einen Totalverlust vermeiden kann.

Welche Alternativen gibt es, um die Bildung von Chrom (VI) zu vermeiden?

Das Benutzen von chromfreien Gerbstoffen. Andernfalls bieten wir spezielle Produkte an, die schon während der Gerbung von Ledern die Bildung von Chrom (VI) verhindern, selbst wenn das Leder ungünstigen Umständen ausgesetzt ist.

Wo sehen Sie derzeit für Ihr Produkt den größten Markt ?

Unser größter Markt ist im Moment die Schuhindustrie, da kommen wir zu dritt auf über 80 Jahre Erfahrung. Großes Potential gibt es in der Bekleidungsbranche, bei Handschuhen, Taschen und Accessoires. Betrachten wir den geografischen Markt , sind die wichtigsten Märkte für uns die Hersteller in Fernost (China, Vietnam, Indien) sowie die Käufer in Europa. 16/06 Swantje Balg

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