Schuhmarkt

Der Standort macht's

Mit 50 Fachgeschäften und 8 Sporthäusern gehört die Fink-Gruppe zu den Big Playern im Handel. Wo liegen die Wachstumsfelder in einem Markt, der links von Mono-Label-Stores und rechts von Vertikalisten und Discountern bedrängt wird? Ilona Sauerbier sprach mit Günther Nold über Standorte, Niederlagen, das Frischeprinzip und Jimmy Choo. 15/07

Mit 50 Fachgeschäften und 8 Sporthäusern gehört die Fink-Gruppe zu den Big Playern im Handel. Wo liegen die Wachstumsfelder in einem Markt, der links von Mono-Label-Stores und rechts von Vertikalisten und Discountern bedrängt wird? Ilona Sauerbier sprach mit Günther Nold über Standorte, Niederlagen, das Frischeprinzip und Jimmy Choo.

Herr Nold, wie entwickelt sich die Fink-Gruppe im Moment?

Günther Nold: Gut. Wir wachsen kontinuierlich und haben noch niemals rote Zahlen geschrieben. Auch das erste Halbjahr 2007 verzeichnet flächenbereinigt Plus.

Wo liegen die Wachstumsfelder?

Nold: „Die größten Wachstumsfelder sind bei der jetzigen Umsatzentwicklung sowohl die Segmente Young Fashion als auch die Schuh-Fachgeschäfte. Hier haben wir in den vergangen Saisons sehr viel geändert und müssen jeden Tag neu an den Schrauben drehen.

Wer ist die Konkurrenz?

Nold: Konkurrenten sind Vertikalisten wie Zara oder H & M, die zur großen Gefahr werden. Das ist eine Entwicklung, die sich nicht mehr wegdiskutieren lässt. Um hier konkurrenzfähig zu sein, müssen wir moderne Fachgeschäfte dagegen setzen, die das Gesetz des „Frischeprinzips“ genauso beherrschen, aber deutlich mehr Service, Beratung und Kompetenz bieten.

Wäre Trading-up ein Ausweg für die Fachgeschäfte ?

Nold: Das halte ich für eher unwahrscheinlich.Wenn Mitbewerber auf Trading-up setzen, so kann ich mir nur vorstellen, dass man damit Image pflegt und so die Basismarken besser verkauft. Ehrlich gesagt, geht der anspruchvolle Kunde, wenn er schon 500 Euro für Schuhe bezahlt, doch lieber in unsere Exklusiv-Geschäfte oder in die Mono-Label-Stores wie Gucci,Tod’s etc.

Aber Sie führen doch Prada?

Nold: Fink bietet ein breites Markenspektrum, das die gesamte Breite der Zielgruppen abdeckt. Das beginnt bei Rieker oder Wortmann auf der konsumigen Seite und endet bei Prada oder Miu Miu, die bei Fink exklusiv geführt werden. Während am linken Rand die Vertikalen am Umsatzkuchen nagen, holen sich am anderen Ende Designerlabels wie Prada, Tod’s oder Gucci ihre Marken sukzessive zurück. Wir haben in Frankfurts Goethestraße in unmittelbarer Nähe zu den Monomarkenstores auch Prada im Sortiment, es gibt aber Kundinnen, die ziehen den Markenstore vor. Das ist eine Entwicklung, die sich nicht aufhalten lässt. So müssen wir wieder neue Marken aufbauen, was nicht immer gelingen muss.

Welche sind das zum Beispiel?

Nold: Mir gefiel Jimmy Choo gut, und wir haben versucht, die Marke, die von der Presse super besprochen wird, zu platzieren. Aber es war sehr mühsam.Vielleicht waren die Schuhe zu zart, zu hoch. Vielleicht war es einfach zu früh. Es ist für eine neue Marke nicht einfach, ins Sortiment zu kommen. Denn wenn wir eine neue Marke rein nehmen, muss eine andere raus.

Wie wächst Fink weiter?

Nold: Heutzutage ist nicht die Anzahl der Filialen entscheidend, sondern der geleistete Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche. So blieb auch die Zahl unserer 60 Geschäfte relativ konstant. Was sich nicht trägt, wird daher auch konsequent geschlossen.

Was wurde geschlossen?

Nold: Das 1800 qm große Sporthaus in Viernheim. Als Engelhorn mit seinem 4800 qm großen Sporthaus dazu kam, waren wir die Verlierer. Zwei Häuser in dieser Größenordnung rentabel zu erhalten, gibt ein Einkaufscenter nicht her. Das war seinerzeit ein schmerzhafter Schritt für uns. Generell ist der Sportbereich ein schwieriges Wachstumsfeld. Zuwachs läuft nur noch über innovative funktionelle Produkte und mehr Mode.

Was halten Sie von Markenshops?

Nold: Von der Shop-Manie, die sich derzeit in der Schuhbranche abspielt, halte ich für unsere Geschäfte wenig. Für viele Händler mag es ein guter Weg sein, dadurch Modesicherheit zu bekommen oder Existenzen zu sichern, für uns kommt es nicht so sehr infrage. Ausnahme ist ein Esprit-Shop, der bei uns gerade in der Testphase ist.

Auch für Komfort oder Best Agers keine Shops?

Nold: Nein. Wir wollen diese Zielgruppe auf keinen Fall festzurren. Dann bekommt das sofort einen ältlichen Beigeschmack. Das will keine Frau. Natürlich führen wir bequeme Schuhe, aber bei uns soll sich jeder Kunde selbst definieren. Unsere Antwort auf Best Ager und ihre differenzierten Bedürfnisse liegt in einem umfassenden Sortiment ohne explizite Zielgruppenbestimmung. Und auch hier zählt das Frischeprinzip.

Was tun Sie, um die Kunden ans Haus zu binden?

Nold: Neben einem guten Sortiment und ständig frischer Mode machen wir Events vor Ort, und das jedes Jahr woanders. Bei uns gibt es zudem Kunden- und Familycards sowie eine aktive Prospektwerbung.

Das Unternehmen

Zur Fink Sport+Mode GmbH, Wiesbaden, gehören derzeit 61 Fachgeschäfte und Fachmärkte in 25 deutschen Städten. Davon sind 50 Häuser Fink Schuhe, drei Fink Exklusiv und acht große Sporthäuser. Letztere verfügen über bis zu 2500 qm Fläche. Fink in Wiesbaden ist mit mehr als 1000 qm Verkaufsfläche das größte Schuhhaus. Im September eröffnen zwei weitere Fink Schuhhäuser in Erlangen und Trier. In Trier entsteht zudem ein weiteres Sportgeschäft. Zur Fink Schuhe+Sport GmbH gehören zudem die Bereiche Danny für junge Schuhe und die Lahr GmbH & Co. KG in Koblenz.

Die Gruppe beschäftigt 700 Mitarbeiter und macht mit Herren-, Damen- und Kinderschuhen einen Umsatz von 60 Mill. Euro. 20 Prozent des Umsatzes, mit leicht steigender Tendenz, entfallen dabei auf die Eigenmarken. Die Bereiche Schuhe und Sport werden völlig unabhängig voneinander geführt. Das Unternehmen wurde vor 75 Jahren von Albert Fink gegründet. 15/07

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