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Andrea Nahles auf dem Berliner Handelskongress. (Foto: Jörg Sarbach / Management Forum)

Handelskongress bestärkt die digitale Welt

Auf dem 25. Handelskongress, der am 15./16. November in Berlin tagte, waren die Trends des digitalen Wandels im Handel die beherrschenden Themen.

„Der Handel wird im achten Jahr in Folge ein Umsatzwachstum verzeichnen, in diesem Jahr in Höhe von drei Prozent. 50 Prozent davon werden online generiert“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth zur Eröffnung des Deutschen Handelskongresses in Berlin, „wer auf der Fläche nicht wächst, wächst im E-Commerce“.

Das dominierende Thema der Veranstaltung, die am 15. und 16. November zum 25. Mal stattfand, war daher folgerichtig der durch die digitale Transformation angestoßene Strukturwandel im Handel. Aufgrund der Nutzung digitaler Medien sei der stationäre Handel mit einer veränderten Erwartungshaltung der Kunden konfrontiert, der Store werde zur digitalen Spielwiese, künstliche Intelligenz sei im Handel angekommen. „Die digitale Welt ist im Handel Realität“, so Genth, „aber es geht eine große Schere auseinander“, der Mittelständler habe meist gar nicht die Möglichkeit, die Entwicklungen mitzuvollziehen.

Auch SPD-Fraktionsvorsitzende Andrea Nahles betonte zunächst die positive Entwicklung im Handel: „Mit drei Millionen Beschäftigten, immer weniger davon auf Mini-Job-Basis, sind wir auf einem guten Kurs.“ Doch auch sie verwies auf „die große Schere zwischen zwischen Groß und Klein, Stadt und Land, traditionellen Kaufhäusern und großen Ketten, stationären Mittelständlern oder Multi-Channel- oder E-Commerce-Händlern“. Das Fachgeschäft sehe sich wachsender Konkurrenz aus dem Netz gegenüber. „Den Kleineren fehlen die Mittel, um mitzuhalten“, so Nahles. „Hier läuft einiges gründlich schief.“ 

Von ihren Erfolgen auf der digitalen Abenteuerreise berichteten dementsprechend die Big Player des Handels. Alexander Birken, Vorstandsvorsitzender der Otto Group, stellte fünf Thesen zur Zukunft des Einzelhandels vor; Amazon Deutschland-Chef Ralf Kleber beschrieb die Innovationskultur des Technologiekonzerns; Orsay-CEO Matthias Klein schwärmte von seinem jüngsten Besuch in Silicon Valley: „Da kommt so vieles auf uns zu, was uns noch glücklicher macht!“

Doch Fakt ist: Wenn die mittelständische Basis unseres Einzelhandels von der Technologie- und Daten-getriebenen Weiterentwicklung potenter Marktteilnehmer nicht gänzlich abgehängt werden soll, müssen grundlegende Rahmenbedingungen sich ändern. Andrea Nahles bestätigt dringenden Handlungsbedarf der Politik und fordert u.a. eine bessere digitale Infrastruktur, mehr Sicherheit insbesondere im Hinblick auf massive Schäden durch organisierten Ladendiebstahl und eine Stärkung der Kaufkraft, vor allem durch eine Entlastung der unteren und mittleren Einkommensgruppen. „Stationäre Einzelhändler müssen die Chance haben, im Wettbewerb mit Online zu bestehen“, sagt Nahles und formuliert in Anspielung auf die Monopol-Stellung der Digital-Konzerne aus dem Silicon Valley vor den knapp 1.500 Kongressteilnehmern „eine Kampfansage: Hier läuft einiges gründlich schief.“

Auch die Steuer-Problematik spricht sie an: „Gewinne müssen da besteuert werden, wo sie entstehen. Wir brauchen eine Mindestbesteuerung von Unternehmen an dem Ort, wo sie ihre Gewinne machen.“   

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