Schuhmarkt

Der BTE ist der „Federführer“

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und neue Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) Heijo Gassenmeier über die neue Organisationsstruktur und seine Aufgaben im Verband. 15/06

Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) und neue Geschäftsführer des Bundesverbandes des Deutschen Schuheinzelhandels (BDSE) Heijo Gassenmeier über die neue Organisationsstruktur und seine Aufgaben im Verband.

SchuhMarkt: Wievele Mitglieder hat der BDSE?

Gassenmeier: Vereinsrechtlich gesehen 14 Landesverbände des Einzelhandels, denn der BDSE ist ein Verband der Verbände. Die Einzelhändler sind Mitglieder ihrer jeweiligen Orts- und Regionalverbände und diese sind Mitglieder der Landesverbände und diese wiederum sind die Mitglieder des BDSE.

Der Organisationsgrad im Schuhhandel ist aber recht groß und dürfte bei ca. 80 Prozent liegen. Die verschiedenen Verbandsebenen haben unterschiedliche Leistungsspektren. Die Bundesfachverbände sind für alle Fachthemen der Branche zuständig. Umsatzentwicklung, Organisation, Rationalisierung, Konditionen, Messen oder Umwelt, um nur einige zu nennen.

Wie wird der BDSE in den Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE) integriert?

Es wurde genau darauf geachtet, dass der BDSE selbstständig bleibt. Der BDSE-Vorstand bleibt komplett im Amt. Ich bin sehr dankbar für diese personelle Kontinuität. Dass der BDSE sich unter dem Dach des BTE findet, entspricht der Organisationsreform des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE). Gab es früher bis zu 30 Fachverbände, so gibt es nun vier Hauptbereiche: Lebensmittel, Technik, Möbel und Wohnen sowie die persönliche Ausstattung. Jeweils ein Verband, in unserem Fall der besonders gut aufgestellte BTE, übernimmt die Koordination, wir sagen intern, wir sind der ‘Federführer’.

Der BTE vertritt auch die Interessen der Fachverbände persönliche Ausstattung gegenüber dem HDE. Welche Vorteile hat der Schuhhändler von der neuen Kooperation?

Der BTE nimmt Querschnittsaufgaben wahr und stellt Dienstleistungen zur Verfügung, von denen alle Einzelhändler profitieren. So können interessierte Schuhhändler schon jetzt eine Software der Unternehmensberatung Hachmeister zur Mehrwertsteuer aus dem Internet herunter laden, mit der sich Kalkulationen schnell durchrechnen lassen. Der BTE sieht es als seine Aufgabe an, die mittelständischen Betriebe betriebswirtschaftlich und marketingmäßig fit zu machen, sie an neue Ideen heranzuführen. Aktuell sehen wir die Notwendigkeit für den Handel stärker in Richtung Outfit zu denken. Ein Großteil unserer Kongresse und Seminare sind „Best- Practice“-Veranstaltungen.

Wo sehen Sie Unterschiede zwischen dem BDSE und dem BTE?

Der Textilmarkt hat ein sieben- bis achtfach größeres Marktvolumen als der Schuhmarkt. Während mein Vorgänger Herr Toubartz eher als Einzelkämpfer agieren musste, ist die Man- Power beim BTE größer. Sie steht jetzt auch dem BDSE zur Verfügung. Wir haben Spezialisten für verschiedene Gebiete wie EDI (Electronic Data Interchange), RFID (Identifizierung auf Basis der Radiofrequenztechnologie), Marketing, Rationalisierung, Rechtsfragen oder Umwelt. Aufgefallen ist mir bisher, dass es im Textilbereich eine offenere und unbefangenere Kommunikationskultur gibt. Der Austausch ist selbst zwischen den einzelnen Vertriebsformen wesentlich intensiver.

Sehen Sie die Möglichkeit einer Interessenkollision zwischen Textil und Schuh?

Es hat schon immer Schuhe in den Modehäusern gegeben – in allen Varianten, ob als eigenes Angebot oder in Zusammenarbeit mit Schuhhändlern. Musik kam erst in die Sache, als die großen Marken Schuhe in ihr Portfolio aufgenommen und sich gute Marktanteile geschaffen haben. Im übrigen sind die Erfahrungen der Textiler mit Schuhen häufig sehr zwiespältig. Manche sind bei ihrem vierten oder fünften Versuch. Die Sortimente werden sich vermischen, da alle starken Marken zur Absicherung ihrer Marktanteile mit Flächensystemen operieren. Momentan sind die Textiliten aber offener und aggressiver was die Öffnung zu Schuhen angeht.

Aber auch der Schuhhandel sieht zunehmend die Chancen, die sich in anderen Sortimentsbereichen bieten, zum Beispiel bei Accessoires wie Taschen. Eine weitere Möglichkeit ist die selbstständige Bewirtschaftung von Flächen durch Kooperationspartner. Selbst im Fachmarktbereich gibt es solche Kooperationen.

Die Lehranstalt des Deutschen Textilhandels (LDT) in Nagold gilt manchen als zu textillastig?

Das ist sicher in der Historie begründet. Aber auf der anderen Seite hängt die Ausstattung, zum Beispiel mit qualifiziertem Personal, auch entscheidend von der Nachfrage aus dem Schuhbereich ab, die dahinter steht. Mit der Resonanz kann momentan aber keiner der Beteiligten wirklich zufrieden sein.

Wo liegen Ihre Schwerpunkte in der nächsten Zeit?

Zunächst werde ich mich noch gründlich in die Schuhbranche einarbeiten müssen. Dazu braucht es viele Kontakte, zum Beispiel auch während der kommenden GDS. Dann muss die Satzung auf den neuesten Stand der HDE-Erfordernisse gebracht werden. Dies betrifft in erster Linie Regularien. Die Änderungen werden den Delegierten auf der nächsten Mitgliederversammlung im November 2006 zur Entscheidung vorgestellt.

Schließlich wird man genauer prüfen müssen, was aus dem textilen Bereich in den Schuheinzelhandel übernommen werden kann. Zum Beispiel gibt es das Institut des Textileinzelhandels. Wie kann es dem Schuhsektor nutzbar gemacht werden? Oder die European Fashion Group, die bisher nur für Textiler offen war.

Das Interview führte Peter Skop 15/06

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