Schuhmarkt

Kommentar GDS-Special 09/05: Preiswert, preiswert über Alles?

Lebensmitteldiscounter gewinnen kaum noch neue Kunden“, titelten die Tageszeitungen vor einigen Wochen. Dies hat eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ergeben. Über die Hälfte der befragten Nicht-Kunden fühlten sich vom Billigformat prinzipiell nicht angesprochen.

Peter Skop Chefredakteur Lebensmitteldiscounter gewinnen kaum noch neue Kunden“, titelten die Tageszeitungen vor einigen Wochen. Dies hat eine Umfrage von TNS Infratest im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG ergeben. Über die Hälfte der befragten Nicht-Kunden fühlten sich vom Billigformat prinzipiell nicht angesprochen. Sie suchten die wichtigsten Herstellermarken und gehobene Warenpräsentation im Lebensmitteleinzelhandel, schrieben die Meinungsforscher. Man muss zwar sehen, dass es sich zweifellos um eine Minderheit handelt, die Aldi und Co. nicht aufsucht, doch zeigt es andererseits, dass Preis allein nicht für jeden und bei jedem Produkt das entscheidende Kriterium ist. Auch in den Meldungen des letzen halben Jahres aus der Branche sind Zeichen herauslesbar, die als eine Abwendung vom reinen Preisdenken interpretierbar sind: Warum sonst zieht Reno starke Marken in sein Geschäft, kauft Deichmann – bisher zwei – gut bekannte Marken? Ist das Upgrading der Billigschienen ebenfalls ein Hinweis auf die vermuteten Grenzen der Anziehungskraft auf Verbraucher? Der Umsatzverlauf des ersten Halbjahres sieht nach bisheriger Kenntnis etwas besser aus als im Vorjahr. Als das Wetter mitspielte, wurden ordentliche Umsätze mit regulär ausgezeichneter Ware gemacht. Gezogen hat dabei die neue Mode. Mokassins und Ballerinas fanden ihre Abnehmerinnen. Die Rabattierung setzte nicht ganz so früh ein wie noch im Herbst/Winter 2004/05 und wurde insgesamt auch moderater geführt. Klar, dass am Ende dann alles raus sollte und Rot noch einmal kräftig mit Rot überschrieben wurde. Zum Ende des inoffiziellen Schlussverkaufs fand aber auch schon die neue Herbstware Gefallen – zum regulären Preis. Die Fortsetzung der Mokassin- und Ballerinathemen sowie ein Trend zu Stiefeln und speziell Westernstiefeln sind erkennbar. Die Verbraucher sind durchaus bereit, für Qualität und Originalität ihren Preis zu zahlen. Dieser muss für sie jedoch in einem angemessenen Verhältnis stehen. Die große deutsche Tageszeitung mit den vier Buchstaben, die manchmal trefflich dem Volk aufs Maul zu schauen weiß, fragte am 22. Juli: „Warum war vorher alles so teuer?“ Neben Hockey-Skates, Clement Blazer, Kickboard und schickem Gürtel war ein Paar Damenpantoletten für 79 Euro (vorher 208 Euro) abgebildet. Fett gedruckt und unterstrichen: „Bisher haben wir einfach zuviel bezahlt.“ Und noch einmal, damit es jeder versteht:„Wer noch zu den Originalpreisen gekauft hat, ist am Ende der Dumme.“ Das sitzt, oder? Auch wenn starke Rabatte so alt sind wie die Schlussverkäufe selbst, der Fachhandel muss auf diesen Populismus, wie auch auf gewisse Werbesprüche, eine Antwort parat haben. Service und Qualität können nicht umsonst zu haben sein.

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