Schuhmarkt

Schneller Datenaustausch

Die anwr Schuh will nicht mehr warten, bis sich alle beteiligten Gruppen der Schuhbranche bei der Entwicklung neuer technischer Standards geeinigt haben. 03/07 Peter Skop

„Die Verbände bewegen sich in eine neue Ära“, kündigte Michael Decker, Geschäftsführer der anwr Schuh GmbH, bei der Vorstellung der neuen Business-Plattform an. Sie befänden sich auf dem Weg vom Marketing- zum Informationsverbund. Die angekündigte Plattform soll die Geschäftsprozesse des mittelständischen Schuhfacheinzelhandels optimieren. Wesentliche Ergebnisse für den Händler werden Kostenreduktion, eine Verbesserung der Abläufe und eine Optimierung des Warenflusses sein, so Decker.

Als erste Baustufe der Plattform wird das Clearing-Center in Betrieb genommen. Dabei handelt es sich um eine kostenlose Dienstleistung der anwr Schuh, die letztlich allen Verbundgruppen zur Verfügung stehen wird. Möglich wird dies, weil drei führende Warenwirtschaftsanbieter – die EBG-Data GmbH, Düsseldorf (Sepp Vision), Ariston Informatik GmbH, Neuss (HIS) und SBH – Softwareberatung für den Handel GmbH, Aschaffenburg – bei der Entwicklung des Systems mitgearbeitet haben. Sie bieten ihre Warenwirtschaftssysteme verbundgruppenübergreifend an und ermöglichen so deren Kunden die Teilhabe an den Vorteilen.

Ihre WWS sind bei immerhin 43 Prozent der Schuhhändler in Deutschland verbreitet. Mit weiteren WWS-Anbietern wird die Zusammenarbeit ebenfalls angestrebt. Über das Clearing Center werden auch Händler in Österreich, den Niederlanden und der Schweiz versorgt. Die Vorteile für die Händler skizziert Hartmut Loetters, verantwortlicher Projektleiter bei anwr Schuh: „Reduktion der Erfassung und Doppelung der Bearbeitung, Entlastung im Backoffice, Unterstützung und Beschleunigung der Prozesse, Sicherstellen der Eindeutigkeit der Daten sowie aussagekräftige Auswertungen und Trendinformationen.“

Doch auch für die Lieferantenseite wird ein Vorteilskatalog aufgemacht: „Erhaltung und Profilierung des mittelständischen Schuheinzelhandels durch die Verbundgruppen, umfassende und permanente Markttransparenz über den mittelständischen Schuhhandel, Objektivierung der Markteinschätzung durch valide Daten, Sicherstellen der Eindeutigkeit, Einsparungen von Ressourcen bei der Datenverarbeitung durch abgestimmte Schnittstellen zu Verbundgruppen und Händlern (Clearing Center) sowie eine Grundlage für schnellere Prozessdurchläufe und mehr Prozesstransparenz.“ Sinn des Clearing Centers ist, für die Durchlässigkeit von Datensätzen zu sorgen, die aus unterschiedlichen Quellen stammen und in unterschiedlichen Formaten erstellt sind. So werden derzeit von Lieferantenseite beispielsweise die Formate XML, EDI-Fact, Sinfos und andere verwendet, die WWS-Anbieter arbeiten mit K2XML, A2XML, Bilddaten usw. Im Clearing Center sorgen Konvertierungsprogramme für den reibungslosen Austausch.

Die anwr-Lösung verspricht so, ein komfortables EDI-System zu werden (EDI = Electronic Data Interchange, elektronischer Datenaustausch). Selbstverständlich muss dafür gesorgt werden, dass nicht alle alles sehen und auswerten können. Der verbundgruppenübergreifende Teil des Datenaustauschs betrifft daher die Artikelstammdaten und die Bilddaten. Die verbundgruppenspezifische Verteilung betrifft dann die Auftragssätze, die eingehenden Orders und Auftragsbestätigungen, PoS-Daten sowie artikelgenaue Salesreports, Lieferavise und Rechnungssätze. Die weitergehenden kommunikativen Funktionen werden eine Warenbörse, die Reklamationsabwicklung, die Einbindung von Flächenkonzepten, Erfa-Anwendungen oder Logistikdienstleistungen sein.

Auch Beratung, Schulung, Modeinfo oder Werbemaßnahmen sollen über die Plattform möglich gemacht werden. Auch für die Lieferanten sind Datensicherheit und -vertraulichkeit zu gewährleisten. Die Artikelstämme werden daher bei der Artikelanlage durch den Händler nicht komplett heruntergeladen. Dies ermöglicht den Lieferanten, kundenspezifische Programme zu fahren, die anderen an das System angeschlossenen Kunden nicht zugänglich sind. Für den Händler ist es möglich, mit verschiedenen Bestellsystemen zu arbeiten. So kann die Bestellung des Außendienstes als Über-Nacht-Versorgung in das Händlersystem gelangen; der Händler erhält einen Ausdruck vom Außendienst und erfasst in seinem System mit automatischer Artikelanlage; der Händler erfasst unabhängig vom Außendienst Bestellungen in seinem System mit automatischer Artikelanlage oder er nutzt

Messebestellsysteme wie bei Sport 2000, die Bestellsätze an die Händlersysteme zur Freigabe liefern. Namhafte Lieferanten arbeiten bereits mit der anwr Schuh als Projektentwicklerin zusammen: BNS, Clarks, Ecco, Esprit, Shoe Fashion Group Lorenz, Gabor und Camel Active, Kennel & Schmenger, Kangaroos, Lugina, Ricosta, Rohde, Semler, Sioux, Skechers, die Wortmann-Gruppe. Von weiteren Lieferanten liegen Testdaten vor oder es laufen noch Abstimmungen. Die bekannten Sportmarkenlieferanten werden über das Clearing Center der Sport 2000 versorgt. Ziel sind die Top-30-Markenlieferanten. Der Vorteil der Entwickler der ANWR-Business-Plattform ist die bereits geleistete Vorarbeit der Sport 2000, die bereits seit zwei Jahren ein solches Clearing Center betreibt.

Karl Josef Schumacher, Geschäftsführer der SBH, sieht auf den Schuhhandel daher „enorme Vorteile“ zukommen. Dieser werde sich dem Filialsystem annähern. „Allein der Zeitaufwand bei der Auftragserfassung ist von rund eineinhalb Tagen auf etwa drei Stunden geschrumpft“, erklärt er. Die Akzeptanz bei den Sporthändlern sei sehr groß. Andreas Luthardt, Geschäftsführer der Ariston Informatik, meint: „Wir arbeiten seit zwei Jahren mit dem BTE-Clearing-Center zusammen und sehen, was an Einsparungen möglich ist. Keiner der Kunden könnte sich mehr vorstellen, ohne dieses Instrument zu arbeiten.“ 03/07 Peter Skop

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