Schuhmarkt

Kommentar 11/05: Risikominimierung

Der Schuhhandel hielt immer viel von seiner Unabhängigkeit. Unternehmer sein, frei entscheiden können, sich nicht drein reden lassen, sich nicht zu eng zu binden waren Werte, die hochgehalten wurden. In der Praxis führte dies oft dazu, dass wenig Verpflichtungen und feste Bindungen eingegangen wurde. Das ändert sich rapide.

Dagmar Rees Chefredakteurin Der Schuhhandel hielt immer viel von seiner Unabhängigkeit. Unternehmer sein, frei entscheiden können, sich nicht drein reden lassen, sich nicht zu eng zu binden waren Werte, die hochgehalten wurden. In der Praxis führte dies oft dazu, dass wenig Verpflichtungen und feste Bindungen eingegangen wurde. Das ändert sich rapide. Die Bereitschaft der Schuhhändler steigt, sich zu Gunsten besserer Konditionen festzulegen und manchmal auch festlegen zu lassen. Da bündelt die anwr über Best Partner zunehmend größere Einkaufsmengen. Neue Franchisesysteme kommen auf den Markt, schon länger bestehende verjüngen sich und gewinnen neue Mitglieder. Ladenbau und Betriebskonzepte der Verbundgruppen geben neue Geschäftsideen. Auch Markenstores sind auf dem Vormarsch. Hier beweisen die Schuhhändler große Kreativität und eröffnen nicht nur Monolabelstores, sondern Kombinationen aus zwei oder drei Markenstores, die thematisch zueinander passen. Diese engere Anbindung an größere Einheiten macht Sinn. Ganz gleich, ob es Franchise, Markenstore oder Vertriebskonzept einer Verbundgruppe heißt – hier nehmen andere dem Händler Arbeit ab. Auf diese Systeme zurückzugreifen, macht eine Filialisierung leichter und ermöglicht damit dem Handel, bei sinkenden Umsätzen pro Laden und/oder knapperen Margen das Einkommen zu sichern. Der andere Weg ist die Spezialisierung. Sich auf ein Sachgebiet oder Segment zu fokussieren und hier ganz tief anzubieten, wird weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die Nischen werden sogar in dem Maße zunehmen, wie sich Stores, Franchisesysteme, Eigenmarken oder Standardsortimente mit guten Konditionen durchsetzen. Denn diese bringen zwangsläufig eine gewisse Einheitlichkeit der Sortimente mit sich. Hier sind als Kontrapunkt die Spezialisten gefragt. Sie können gute Erträge erwirtschaften, wenn alles stimmt: der Standort, das Wettbewerbsumfeld, der Einkauf, das Marketing. Sie sind jedoch auch wesentlich risikobehafteter als die Verkaufskonzepte von Industrie und Verbundgruppen. In dem Maße, wie unternehmerische Einzelentscheidungen möglich sind, ist auch der Spielraum für Fehlentscheidungen größer. Doch auch Monolabelstores geben keine Erfolgsgarantie. Wer sich auf eine Marke festlegt, kann mit dieser Marke aufsteigen, aber auch untergehen. So ist es nur zu begrüßen, dass der Handel die Vertriebswege kreativ nutzt und für sich einen Mix findet, in dem sich viele Elemente wiederfinden: Einkaufsbündelung, Mono- oder Mehrmarkenstores, Shop-in-Shops und das gehobene Fachgeschäft mit eindeutiger Sortimentsaussage. Damit verteilt er das Risiko auf verschiedene Betriebstypen und Preissegmente. Denn das klassische Fachhandelsegment erlebt nicht nur von unten eine Verschärfung des Wettbewerbs. Humanic eröffnet in den deutschen Großstädten schrittweise Filialen. Und mit Salamander gibt es nach dem Kauf durch EganaGoldpfeil wieder einen starken Vertikalen als Fachhandelswettbewerber, der entschlossen ist, seine Marken- und Einkaufsmacht am deutschen Markt schnell zum Tragen kommen zu lassen.

Verwandte Themen
Neu im Münchner MOC: Kangaroos und Flip Flop
Kangaroos & Flip Flop mit neuem Showroom im MOC weiter
Dr. Wendelin Wiedeking (li.) und Tim Keding von Shoepassion
Wendelin Wiedeking investiert Millionenbetrag in Shoepassion weiter
Karstadt plant Off-Price-Modell weiter
Neuer Schriftzug und neues Logo beim Zweibrücken Fashion Outlet.
Outlet Zweibrücken firmiert um weiter
Hamm Reno Group startet Systemgeschäft mit Modekette C&A weiter
Der neue Beirat von Schuhe24 (v.l.): Ralf Leveringhaus, Max Kronberg, Dr. Dominik Benner, Heinrich Traude, Theo Poursanidis. Nicht im Bild Jens Wasel.
Schuhe 24 gründet Beirat und erhöht Wachstumsziele weiter