Schuhmarkt

Was wird Trend, Herr Neisser?

„Der Schuhhandel muss ein Trading-up vornehmen, sonst verliert er zunehmend Kunden“, sagt Harald Neisser. Von unten drücken immer mehr Discounter wie Deichmann, Reno & Co. Wir sprachen mit dem Warenvorstand der anwr über Peep Toes und neue Karrees, weiße Männerschuhe und erfolgreichere Läden. GDS-Special Ilona Sauerbier

„Der Schuhhandel muss ein Trading-up vornehmen, sonst verliert er zunehmend Kunden“, sagt Harald Neisser. Von unten drücken immer mehr Discounter wie Deichmann, Reno & Co. Wir sprachen mit dem Warenvorstand der anwr über Peep Toes und neue Karrees, weiße Männerschuhe und erfolgreichere Läden.

 

Herr Neisser, was werden die wichtigsten Schuhe zum Sommer sein?

Der klassische Schuhbereich mit Pumps, Ballerinas, Sandalen, Slings – also Schuhe ohne Funktion – nehmen den stärksten Part ein. Bei Pumps werden Peep Toes und lederüberzogene oder galvanisierte Absätze ganz wichtige Details sein. Auch Ballerinas sehe ich mit offenen Zehen oder mit Schnür-Effekten. Es muss ein bisschen was dran sein. Auch Plateaus bleiben – aber weich und biegsam in der Sohle.

Styles und Material Sommer 2008?

Die Schuhe werden reduziert und schlicht. Der ganze Schnickschnack ist weg. Glatte Leder, metallisierte Leder und Lack. Mit Lack lässt sich preislich gut spielen. Manche Fabrikanten nehmen innen Lederfutter und außen synthetisches Material. Das merkt bei Lack kaum eine Kundin: Sie ist aber happy mit dem Preis. Generell hat beim Verbraucher die Scheu vor synthetischen Materialien nachgelassen. Schauen sie sich die ganzen Stretchstiefel an: das stört keinen.

Welche Rolle spielt Bekleidung für Schuhe?

Kleider sind das große Thema. Daher auch der Run auf Pumps. Das hat sich ja bereits zum Saisonstart Winter gezeigt. Wir erwarten eine starke Belebung bei Pumps. Mit neuen Blockabsätzen, von hinten etwas schmaler. Gut beurteilen wir auch sexy Pumps mit breiteren Fesselriemchen als Alternative zu den vielen Spangenschuhen.

Ist Sportswear rückläufig?

Ja. Generell gehen die Anteile der Sportschuhe deutlich zurück. Nicht so bei Firmen, die hier neue Styles bieten, einen Namen haben und reduzierte Schnitte aufgegriffen haben. Hogan und Lacoste sind hier zwei Beispiele. Wie sieht es mit Adidas und Puma aus? Adidas kommt funktioneller daher, Puma wird stylischer, modischer. Zur Europameisterschaft im nächsten Sommer wird die Kurve noch mal nach oben gehen. Sicher nicht wie bei der WM 2006, aber wir rechnen mit Zuwachs. Allerdings sollten alle Schuhe bis zur EM verkauft sein. Danach bricht es sicher ein. Und wenn die Deutschen aus dem Spiel sind, ist es ganz aus.

Die FAZ hat Crocs zur „modischen Entgleisung“ des Sommers 2007 gemacht.

Es gibt hier viele Meinungen. Fest steht, dass Crocs kaum mehr liefern konnte, und ich denke, dass im kommerziellen Bereich noch eine große Nachfrage da ist. An heißen Tagen und in internationalen Urlaubsorten waren sie überall zu sehen. In deutschen Citys eher weniger.

Es gibt aber doch schon viele Kopien.

Viele sind jetzt auf den Zug aufgesprungen: von Rieker bis Sketchers. Hinzu kommen viele No-Name-Anbieter, die Crocs-Fakes für fünf Euro anbieten. Man muss allerdings aufpassen: es gibt auch viel Mist. Ein Fabrikant hatte Gummischuhe entwickelt, die dann in der Sonne eingingen.

Ist der Hype um Vans und Chucks vorbei?

Das wird noch einmal ganz stark. Wobei das Markenspektrum von No Names bis zu Ed Hardy reicht. Der neue Schuh ist allerdings der Vans in Leder.Viele Händler haben dennoch den Trend verpasst und ziehen die Artikel jetzt nach.Vans und Chucks sind auch die neuen Schuhe für die Kids.Was stark zu Lasten der traditionellen Sportmarken gehen wird.

Weiß soll die wichtigste Farbe des Sommers werden?

Weiß wird eine der stärksten Farben. Aber auch Grautöne, silbrige Töne, Schwarz und vor allem Knallfarben werden dabei sein: Gelb, Electricblau, Grasgrün, Rot. Knallige Schuhe sollten aber nicht teurer als 69 Euro sein. Um 100 Euro ist zu viel. Zugunsten der kräftigen Farben werden wir Braun ziemlich vernachlässigen.

Männerschuhe auch in Weiß?

Am liebsten ja. Warum nicht? Aber unser Problem sind die deutschen Herrenschuheinkäufer. Sie sind total konservativ, trauen sich nichts Neues. Der Bereich Herrenschuhe ist in Deutschland ziemlich arm dran. Schaun Sie mal nach Holland. Schuhe, wie sie La Martina im Moment hat, sind großartig für Männer: gemäßigt spitz, helle Farben, weich verarbeitet.

Wie steht es mit Kinderschuhen?

Der Bereich wächst und wir haben gute Zahlen bei Kindern. Vom Look her kommen sie den Schuhen der Erwachsenen immer näher.

Was ist Ihre Lieblings-Komfortschuhmarke?

Im Moment El Naturalista. Die Spanier haben ein gutes Händchen für neue Formen und Materialien. Generell passiert hier viel.

Was muss der traditionelle Schuhhandel tun, um die Kunden zu begeistern?

Er muss ein Trading-up vornehmen. Discounter und preisagressivere Filialisten rücken von unten nach und nehmen hochwertigere Marken ins Sortiment. Unsere Antwor t auf diese Entwicklung sind anspruchsvollere Schuhmarken zwischen 100 und 200 Euro. Das könnten zum Beispiel Linea Marche, Gritti, Cafe Noir, Vic Matie oder auch Unützer sein. Da gibt es viele interessante Marken.Wir suchen derzeit gezielt nach neuen Fabrikanten. GDS-Special Ilona Sauerbier

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