Schuhmarkt

Budapester Schwaben

Die Heinrich Dinkelacker GmbH setzt auf Tradition, ohne die Moderne aus den Augen zu verlieren. Namhafte Investoren schätzen die Schuhe aus eigener Erfahrung schon seit längeren. 14/06 Stephan Kühmayer

Die schwäbische Heinrich Dinkelacker GmbH, Bietigheim, hat sich der Fertigung von Herrenschuhen Budapester Art verschrieben. Das traditionsreiche Familienunternehmen, das sich auf den internationalen Märkten neu positionieren will, hat potente Geldgeber gefunden.

Die Erfolgsgeschichte der Schuhmacherfamilie Dinkelacker reicht bis in das vorletzte Jahrhundert zurück. 1879 gründet Heinrich Dinkelacker in Sindelfingen eine Manufaktur für edle Schuhmacherkunst. Rahmengenähte Budapester in typischer Lochornamentik, hergestellt in aufwändiger, wertbeständiger Handarbeit, sind seit jeher das Markenzeichen des Unternehmens.

Die Verwendung hochwertiger Materialien, vom Wasserbüffelleder über Rind, Kalb, Hirsch und Strauß bis hin zum exklusiven Pferde-Cordovan, versteht sich von selbst. Das war schon damals so, heute ist es nicht anders.

Die Produktionsmethoden haben sich ebenfalls kaum geändert. Trotz Industrialisierung und Strukturwandel in der Schuhbranche wird noch immer hauptsächlich in Handarbeit gefertigt. Hoch technisierte Maschinen, Fließbänder oder Akkordarbeit sucht man im Hause Dinkelacker vergebens. 28 handwerklich ausgebildete Schuhmachermeister und Gesellen prägen das Bild in der Produktion, die sich seit knapp 40 Jahren in einem Vorort der ungarischen Hauptstadt Budapest befindet.

Rund 300 manuelle Arbeitsschritte sind für einen Dinkelacker-Herrenschuh erforderlich.Vom Zuschnitt bis zum Finish ist jedes Schuhpaar ein Unikat, für dessen Qualität der Meister mit Prüfnummer und persönlicher Signatur bürgt. Dies erklärt die vergleichsweise geringe Tagesfertigung von durchschnittlich 35 Paar. Neben dem typischen Budapester finden sich noch andere zeitlose Klassiker im Programm, etwa der Penny Loafer oder der Oxforder. Man wolle sich modischen Diktaten nicht unterwerfen, so heißt es aus der Geschäftsführung. „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ lautet die Vorgabe.

Trotz der Wertschätzung von Traditionen ist das Unternehmen alles andere als alt und verstaubt. Im Gegenteil: Dinkelacker hat die Zeichen der Zeit früher erkannt als manch anderer. Das Unternehmen darf ohne Zweifel als Vorreiter einer Europäisierung gelten. Es gehört schon eine gehörige Portion Risikobereitschaft dazu, sich in den 60er Jahren in der halbsozialistischen Welt Ungarns niederzulassen. Dass die Schuhmodelle größtenteils, damals wie heute, Namen bekannter europäischer Städte wie Rom, London, Wien, Lyon oder Luzern tragen, ist zwar nur eine Randerscheinung, passt aber in die Unternehmensphilosophie.

Ein Porsche unter den Herrenschuhen

Die enge Verbindung von Tradition und Moderne zeigt auch die personelle Entwicklung der jüngsten Vergangenheit. Da die jetzige Generation der Familie Dinkelacker sich nicht in der Lage sah, das Unternehmen fortzuführen, suchte man einen Käufer. Gefunden wurde er vor rund zwei Jahren in Ex-IBM-Manager Norbert Lehmann aus Bietigheim-Bissingen, der kurzerhand 51 Prozent der Anteile übernahm. Porsche-Chef Wendelin Wiedeking stieg mit 30 Prozent ein. Für den Wirtschaftsboss war es wichtig, dass die Marke Dinkelacker weiter lebt. Seit seiner Studienzeit ist Wiedeking ein Fan des exklusiven Schuhs. Beide, Lehmann und Wiedeking, halten sich jedoch zusammen mit dem dritten Anteilseigner, Anton Hunger, vornehm im Hintergrund. Die Fäden im Hause Dinkelacker zieht heute Ex-Salamander-Vorstand Hermann Hoste. Er fungiert als fachlicher Berater der Geschäftsführung und ist mit dafür verantwortlich, dass für den Vertrieb Jens Falkenreck gewonnen werden konnte.

Der Sohn einer angesehenen Schuhmacherfamilie aus Gütersloh kennt das Geschäft von der Pike auf. Nach seinen Lehrjahren war er lange Zeit für den niederländischen Edelschuster van Bommel unterwegs. In Anbetracht dieser geballten Fachkenntnisse und ebensolcher Finanzkraft scheint der Grundstein für eine erfolgreiche Zukunft gelegt. „Zurzeit schreiben wir eine schwarze Null“, erklärt Falkenreck gegenüber dem SchuhMarkt bei einer Betriebsbesichtigung. Ein Aufwärtstrend sei aber in Sicht.

Wurden im Jahr 2005 mit einem Absatz von etwa 8000 Paar Schuhen 1,6 Millionen Euro erwirtschaftet, könnten es in diesem Jahr, so die ersten Prognosen, bereits 10 000 Paar im Wert von zwei Millionen Euro sein. Mittelfristig werde ein Umsatz von 12 000 Paar per anno angestrebt. Sind gegenwärtig Deutschland, Österreich und die Schweiz die Hauptabnahmeländer, soll auch die Verbreitung schon bald ausgedehnt werden. Erste Kontakte in andere europäische Staaten sowie in die USA und nach Japan sind geknüpft.

Heinrich Dinkelacker

Gründungsjahr: 1879

Sitz: 74321 Bietigheim-Bissingen,Talstr. 19

Produktion: Budapest

Mitarbeiter: 45

Absatz (2005): 8000 Paar

Umsatz (2005): 1,6 Mio. Euro

Internet: www.heinrich-dinkelacker.de

14/06 Stephan Kühmayer

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