Schuhmarkt

Der deutsche Italiener

Mit der Mischung aus italienischem Styling und deutscher Distribution hat sich Kennel und Schmenger eine gute Position im Markt geschaffen. Jetzt besinnt sich das Pirmasenser Familienunternehmen seiner traditionellen Wurzeln und macht ein stimmiges Image-Konzept daraus. 04/07 Ilona Sauerbier

Mit der Mischung aus italienischem Styling und deutscher Distribution hat sich Kennel und Schmenger eine gute Position im Markt geschaffen. Jetzt besinnt sich das Pirmasenser Familienunternehmen seiner traditionellen Wurzeln und macht ein stimmiges Image-Konzept daraus.

Es sieht bei uns zwar alles noch sehr gediegen aus“, witzelt Helmut Frank und zeigt auf das braune Besprechungszimmer, das die Patina vieler Jahre aufweist, „aber in unseren Köpfen sind wir frisch und innnovativ.“ Stimmt. Nie mehr scheinen als sein, lautet das Credo, das die Pirmasenser Kennel und Schmenger Schuhfabrik GmbH subtil vertritt und mit dem sie „ganz gut gefahren ist“. Wenn es einem Unternehmen gelungen ist, über ein leichtes Facelifting Trend und Tradition zu verbinden, so der 1918 gegründeten Firma. „Wir sind im Markt bekannt als der deutsche Italiener“, sagt Stefan Frank. Dafür sorgen italienische Styles und Leisten, verbunden mit perfektem deutschem Lieferservice. Das alles zu Preislagen, „die sich in den letzen Jahren trotz Trading up kaum geändert haben.“ K & S Schuhe kosten im VK zwschen 99 und 125 Euro, Stiefel kletten bis 200 Euro.

Und wie schafft man es, so lange erfolgreich zu sein? Während in den 70er Jahren „das große Schuhsterben begann und sich viele Unternehmen auf die Preiskämpfe eingelassen haben, hat K & S an seiner Unternehmenspolitik festgehalten“, so Frank. Das heißt: hochwertig zu sein, eine gute Qualität zu gewährleisten und einen fairen Preis zu bieten. „Wir machen die bequemsten und zugleich modischsten Damenschuhe“, erklärt der smarte Pfälzer, denn was hübsch und sexy ausschaut, kann ja durchaus auch bequem sein.

Kooperation mit Gore

Ab Winter gehen die Pirmasenser zudem eine Kooperation mit dem Edelmembranhersteller Gore-Tex ein. Ziel ist es, sich langfristig auch im funktionellen Bereich eine gute Position zu schaffen. Dabei plant K & S die Verarbeitung mit Gore- Tex nicht nur für Outdoorschuhe, auch modisch sportive Schuhe sowie Reiter- und Stretchstiefel sollen klimafreundlich damit ausgestattet sein.

Stefan Frank: „Zusatznutzen ist ein wichtiges Wachstumsfeld und bringt dem Handel gute Argumente im Verkauf .“ Außerdem eröffne man sich damit spannende Auslandsmärkte. Schließlich gehe im Moment jeder zweite Schuh ins Ausland. Die weitere Zielsetzung ist es, die Marke zu stärken, moderner auszurichten. Das begann vor einem Jahr damit, die Abkürzung K & S wieder in Kennel und Schmenger Schuhmanufaktur zu verwandeln: Schön und authentisch umgesetzt in einer kompakten Firmenbroschüre und dem neu gestalteten GDS-Messestand, der für Wertigkeit,Tradition und Modernität spricht.

Heute verlassen jährlich 500 000 Paar Damenschuhe Marke Kennel und Schmenger die Produktion. Teilbereiche davon werden in den beiden ungarischen Standorten gefertigt. Es gibt drei Kollektionen pro Saison, trendige Hotshots werden zusätzlich entwickelt und dazwischen geschoben. Jede Kollektion umfasst etwa 250 Modellvarianten, die von einem siebenköpfigen Designteam gestaltet werden. Kennel und Schmenger liefert an 800 deutsche Kunden: Darunter Schuhgeschäfte, Filialisten wie Görtz, Hamburg, sowie GEB Anschlusshäuser, darunter Zumnorde, Münster, Juppen,, Düsseldorf, Raffael, Köln oder Thomas, München. Die deutsche Handelslandschaft sei in den letzten Jahren allerdings spürbar geschrumpft. Kleine Schuhhändler verschwinden, neue Modegeschäfte kommen dazu.Textilhändler sind eine potenzielle Zielgruppe, „aber da schauen wir uns erst das Umfeld der Schuhhändler an“, so Frank.

Dass sich der Markt ändert, neue Kundenstrukturen überdacht werden, bestätigt auch Geschäftsführer Andreas Klautzsch. „Wir sind im Moment noch sehr breit gestreut, aber der Markt wird sich von selbst bereinigen.“ Anspruchsvolle Kundinnen suchen ein schönes, modisches Umfeld und wollen nicht unter Hunderten von Schuhen wählen“, so Klautzsch. Deshalb sei man auch mit einigen Textilanbietern sehr glücklich, „weil Textiliten sehr gut mit Mode umgehen und meistens mehr davon verstehen als viele Schuhhändler.“ Neben Damenschuhen könnten künftig auch Taschen die Kollektion ergänzen. „Schuhe und Taschen sind immer ein schönes Deko-Thema“, sagt Frank, „und wir sind dabei, uns damit zu beschäftigen.“ Die ersten Synergien laufen derzeit mit dem Taschenspezialisten Abro, dem K & S die neue Schuhserie entwickelt und produziert.

Im Osten viel Neues

Der Exportanteil liegt derzeit bei 50 Prozent mit den wichtigsten Märkten Russland, Großbritannien, Österreich, Schweiz, Japan, USA und Australien. Kennel & Schmenger möchte sich allerdings international auf noch breitere Füße stellen, weil Deutschland in den letzten Jahren schwierig war. Im letzten Jahr habe sich der Markt allerdings wieder erholt. Dank langer Stiefel wurden ab August wieder höhere Preislagen erzielt. Auch das Frühjahrsgeschäft machte gute Fortschritte. Ballerinas in schwarzem Napplack oder elastische Rock ’n’ Roll Ballerinas machen sich gut. „Nach langer Zeit läuft wieder Übergangsware“, freut sich Frank, „und die Frauen steigen nicht gleich vom Stiefel in die Zehenschuhe.“ 04/07 Ilona Sauerbier

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