Schuhmarkt

Ziel: Schuhe machen

Viele Schulabgänger bemühen sich um einen Ausbildungsplatz im Bankgewerbe, in der Hotelerie oder der Modebranche. Eine junge Frau aus Norddeutschland hat sich allerdings schon früh für ein ganz spezielles Arbeitsfeld entschieden: Schuhmacherin. 17/06 Ilka Marita Bünting

Viele Schulabgänger bemühen sich um einen Ausbildungsplatz im Bankgewerbe, in der Hotelerie oder der Modebranche. Eine junge Frau aus Norddeutschland hat sich allerdings schon früh für ein ganz spezielles Arbeitsfeld entschieden: Schuhmacherin.

 

Berenike Bornebusch lernt Schuhmacherin. Nicht etwa, weil sie in diesen Zeiten froh war, überhaupt einen Ausbildungsplatz gefunden zu haben, sondern weil es ihr Traumberuf ist. Ihr „Chef“ Frank Simme freut sich über die Begeisterung seiner Azubi: „Im Laufe der Jahre habe ich acht Praktikanten im Betrieb gehabt, die sich aber letztendlich alle nicht für diesen speziellen Beruf eigneten.“ Als Frank Simme die Hoffnung bereits aufgab, rief Berenike an. „Ich solle mal was schicken“, lautete die wenig viel versprechende Antwort, erinnert sich die 18-Jährige. Als sie dann doch zu einem Vorstellungsgespräch kommen konnte und selbstgebastelte Schuhe auspackte, war Frank Simme sofort klar: „Die ist es.“

Sein Gefühl hat ihn nicht getäuscht. Zwar waren die Schuhe aus Pappe, aber für den Schuhmacher aus dem niedersächsischen Oldenburg der Beweis, dass die junge Frau diesen Beruf wirklich will. Bundesweit entscheidet sich eine überschaubare Gruppe von rund 180 jungen Menschen für diesen Beruf. Auch die Zahl der Ausbildungsplätze ist gering, denn laut Simme gibt es in Deutschland nur zirka 70 tatsächlich praktizierende Schuhmacher und Schuhmacherinnen.

Einige der letzteren haben sich übrigens in der Vereinigung „Fachfrauen des Schuhmacherhandwerks“ zusammengeschlossen, der auch Berenike beitrat. „Ich betreibe mein Geschäft seit 1998, nachdem ich spontan die Gelegenheit hatte, die Räumlichkeiten mitten in der Innenstadt zu übernehmen.“, berichtet Frank Simme über den Beginn seiner „eins-a-schuhe“. „Eigentlich wollte ich zu der Zeit entspannt meinen Meister machen, aber dann wurde es doch etwas stressiger.“

Bereut hat er trotz der arbeitsreichen Zeit, in der er die Meisterschule abschloss und parallel seinen Laden eröffnete, nichts. „Wenn der Schuh passt, vergisst man den Fuß“, ist sein Motto, unter dem er neben dem Hauptauftragsbereich der Reparaturen Schuhe nach Maß anfertigt. In seinem kleinen Laden riecht es nach Leder, unter der Decke hängen die verschiedensten Leistenformen, Lederballen türmen sich und unzählig viel Werkzeug liegt überall herum. Im vorderen Teil befindet sich durch eine Glasscheibe abgetrennt einer kleiner Verkaufsraum. Berenike kennt sich hier bestens aus. Leisten zurichten, Material besorgen, Schnittmodelle entwerfen, vernähen, Probeschuhe anfertigen – für die Auszubildende bereits schon jetzt kein Problem.

Dadurch, dass die Kunden die Schuhe zunächst probetragen können, hat Berenike Routine bekommen. Rund 40 Paar Probeschuhe hat sie bereits angefertigt. Die handgefertigten, maßgeschneiderten Modelle aus den unterschiedlichsten Materialien von Kalbs- bis Haifischleder können ab zirka 500 Euro verkauft werden, denn Simme gehört dem Netzwerk „Blakebest“ an. „Wir wollen dem Kunden bezahlbare Schuhe anbieten können. Schließlich sind wir im Handwerk und nicht im Kunsthandwerk tätig“, sagt er angesichts von Preisen von 2000 Euro für handgefertigte Maßschuhe andernorts. „Der Blakebest-Verband will qualitativ hochwertige Schuhe zu erschwinglichen Preisen produzieren.“

Die Schuhmacher-„Aschuhbi“ freut sich jedenfalls über die viele praktische Arbeit. Schon im ersten Lehrjahr konnte sie selbst hergestellte Kroko-Ballerinas ihren Freundinnen vorführen. „Keiner hat mir zunächst geglaubt, dass ich die gemacht habe.“ Dabei konnte man ihren Werdegang schon fast vorausahnen, denn schon im Alter von neun Jahren durften ihre Eltern selbstgebastelte Schuhe aus Cornflakes-Packungen bestaunen. Später wurden sogar Camembert-Schachteln umfunktioniert. Berenikes Begeisterung für das Schuhhandwerk hat sich über die Jahre nur noch mehr gefestigt: „Das wollte ich immer schon machen. Es ist mein Traumberuf. “ 17/06 Ilka Marita Bünting

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