Schuhmarkt

Am Anfang war der Car Shoe

Tod’s und Hogan gehören zu den Schuh- und Taschenmarken, die unverändert größte Begehrlichkeit haben. Hinter den Marken steht Firmenchef Diego della Valle, der die Umsätze binnen sieben Jahren auf 573 Millionen Euro verdoppeln konnte. 20/07 Thesy Kness-Bastaroli

Tod’s und Hogan gehören zu den Schuh- und Taschenmarken, die unverändert größte Begehrlichkeit haben. Hinter den Marken steht Firmenchef Diego della Valle, der die Umsätze binnen sieben Jahren auf 573 Millionen Euro verdoppeln konnte.

„Luxus ist,wenn ein Kleidungsstück oder Accessoire lange getragen werden kann und dadurch Teil einer persönlichen Geschichte wird“, sagt Derek Lam. Für den Kreativ-Chef von Tod's ist Qualität oberstes Gebot, denn: „Es geht darum, etwas zu besitzen, das auch nach Jahren noch zu schade ist zum Wegwerfen“. Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung bewies Lam damit seine Übereinstimmung mit Diego della Valle, dem Mann an der Spitze der Tod's-Group. Er war es, der den US-Designer chinesischer Herkunft nach Italien holte und seinem Unternehmen damit eines der vielversprechendsten Talente sicherte.Neben seiner eigenen Pret-à-porter-Kollektion in New York entwirft Lam nun mit einem zehnköpfigen Designteam Schuhe,Taschen und Kleidung für das italienische Traditionshaus.

Della Valle, seit Kindesbeinen mit Luxus und Mode vertraut, entdeckte 1975, während einer Reise nach Amerika einen „car shoe“. Er war flach, trittsicher und bequem, aber nicht schön. Besser gefielen ihm die Schuhe der italienischen Rennfahrer. Edle Spezialanfertigungen, denen man aber deutlich ansah, welchem Zweck sie dienten. Della Valle nahm den Car Shoe mit in die väterliche Fabrik in Italien – und begann, mit der Entwurfsabteilung einen Stadtschuh zu entwickeln, der Chic und Lässigkeit vereint. So entstand die neue Generation von Mokassins, der „Gommino“:aus butterweichem Leder und mit 133 Gumminoppen an Sohle und Fersenkappe – handgearbeitet, selbstverständlich.

In Amerika hatte Diego della Valle der unprätentiöse Ostküsten-Chic à la Ralph Lauren inspiriert: Das aristokratisch-entspannte Luxusleben der alten Familien. Die Inspiration wurde wegweisend für den Stil und den Namen seines Unternehmens. Sein Vater hatte seine traditionell luxuriös verarbeiteten Schuhe zwar an renommierte Warenhäuser rund um die Welt geliefert, aber nicht unter eigenem Namen. Als der Sohn sich für ein eigenes Label entschied und nach einem Markennamen suchte, fiel ihm zufällig ein Telefonbuch der Ostküsten-Metropole Boston in die Hand. Leicht zu verstehen, zu artikulieren und zu schreiben sollte der neue Labelname sein, in möglichst vielen Sprachen. Per Zufall fiel sein Blick auf die Eintragung J.P. Tod's. Das war's! Später kappte er die Initialien. So entstand Tod's.

Agnelli als Schuhbotschafter

Auch in Sachen Marketing ging della Valle neue Wege: Fiat-Chef Gianni Agnelli, mit dem er befreundet war, bekam ein Paar Tod's geschenkt und wurde – bewusst oder unbewusst – bei einem TV-Interview zum ersten Schuh-Botschafter. Während des Gesprächs wurden die ungewöhnlichen Treter mehrmals von der Kamera ins Blickfeld gerückt. Das war der Auftakt zu einer Welle von Promi- Geschenken, die sich allesamt dank unverzüglich nachfolgender Presseveröffentlichungen als fabelhafte Investitionen erwiesen. In den Hochglanz-Magazinen wurden Berühmtheiten wie Cary Grant, Jack Nicholson und die Kennedys in Tod's gezeigt. Es sollen John Kennedys Lieblingsschuhe gewesen sein.

TV-Stars tragen Tod’s

Vor elf Jahren kamen zur mittlerweile ausgebauten Schuhkollektion auch Taschen dazu. Die D-Bag war das Pioniermodell. Mode-Ikonen wie Caroline von Monaco, Lady Diana, Hillary Clinton und Catherine Deneuve sorgten dafür, das sie zur Kult-Bag avancierte. Nicht weniger erfolgreich auch die „Pashmy“, nachdem sie bei Hollywood-Stars der jüngeren Generation gesichtet wurde: Cameron Diaz, Kate Winslet und Drew Barrymore gehören zu ihren Liebhaberinnen, sie ist nach wie vor eine der „it-bags“ schlechthin. Die Vorbildfunktion von Prominenten ist unbestritten, ihr Einfluss auf das Einkaufsverhalten der Konsumenten beträchtlich. Letztlich aber wäre der Aufstieg der Marke undenkbar gewesen ohne den hohen Qualitätsanspruch. „Ich glaube nicht, dass die Kundinnen so dumm sind, sich von Promis oder Marketingspezialisten ihren Lifestyle vorschreiben zu lassen“, sagt Derek Lam. Zu schade zum Wegwerfen sind die Sachen von Tod's allemal.

Neue Läden im Visier

Diego della Valle treibt die Expansion voran. Weltweit verfügt die Tod's Group über 117 Monomarkenstores und 65 Franchise-Shops. Neben den Ledermarken Tod’s und Hogan werden in den großen Stores auch Jacken, Taschen und Lederaccessoires der Fashionmarke Fay verkauft. Auch in den optischen Bereich will della Valle einsteigen und Brillen unter Tod's und Hogan vermarkten. Als einer der ersten Schuhhersteller hatte er früh das Wachstumspotential von Accessoires erkannt und es damit zu beträchtlichem Erfolg gebracht. Heute macht dieses Segment bereits ein Drittel des Umsatzes aus. Sein Glaube an Qualität, an Qualitätskontrolle zumal, zahlt sich in hohem Maße aus. Im vergangenen Jahr verzeichnete das seit 2000 an der Mailänder Börse notierte Unternehmen Tod's Spa einen Umsatz von 573 Millionen Euro,das sind 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Insgesamt hat der Konzern aus Mittelitalien seit der Jahrtausendwende seinen Umsatz verdoppelt. Auch in Zukunft peilt der Global Player verstärktes Wachstum an. Alle Produkte aus dem Hause Tod’s werden in Italien produziert. In Regionen, wo es eine lange Tradition und deshalb das entsprechende Know-How in der Schuh- und Taschenherstellung gibt. Della Valle verkauft seine Marken weltweit. Auch China ist für ihn ein zunehmend wichtigerer Markt geworden. Gerade im Reich der Mitte kennen und schätzen Frauen die D-Bag und die Pashmys, die Bangor- und die Tote-Modelle: Handwerkskunst aus Italien hat nicht zuletzt in Asien einen hohen Stellenwert. 20/07 Thesy Kness-Bastaroli

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