Schuhmarkt

Der Wille, zu bleiben

Österreich hat viele Erfolgsgeschichten abgesehen von Sachertorte, Mozart und Toni Seiler vorzuweisen. Dazu zählt die Kasperek KG mit ihren drei Komfortschuh-Marken made in Europe. 16/06 Swantje Balg

Österreich hat viele Erfolgsgeschichten abgesehen von Sachertorte, Mozart und Toni Seiler vorzuweisen. Dazu zählt die Kasperek KG mit ihren drei Komfortschuh-Marken made in Europe.

Mit langjähriger Erfahrung als Vertreter für einen namhaften deutschen Komfortschuh-Hersteller in der Alpenrepublik wagt Martin Kasperek 1995 die Gründung der Kasperek KG in Linz. Zunächst beliefert das Schuh-Großhandelsunternehmen nur den Schuhfachhandel in Österreich mit Fußbett-Pantoffeln und -Sandalen aus vorwiegend spanischer Produktion und kann zunehmend seinen Kundenstamm auf Sanitätshäuser und Orthopädiefachgeschäfte in Österreich, später auch in Deutschland ausweiten. Die zunehmende Verschlechterung des Preis-Leistungsverhältnisses der spanischen Hersteller und steigende Anforderungen der Kunden an Qualität, Passform und Anatomie des Fußbettes motivieren Martin Kasperek, Geschäftsführer der Kasperek KG, zu dem Beschluss: Er beschreitet 2003 den Weg vom Großhändler zum Produzenten. Er weiß, „100 Euro für einen Fußbettpantoffel klingeln nicht mehr so leicht in Kassa wie vor einigen Jahren. Kunden werden immer preissensibler. Preis-Leistung wird immer wichtiger.“

Unter Einbeziehung von erfahrenen Leistenbauern und Sohlen- Modelleuren werden die erforderlichen Komponenten angefertigt, und die Senior-Beraterin einer österreichischen Schuhfabrik hilft, die Produktionslogistik aufzubauen sowie eine Lohnfertigung in Tschechien auszuwählen. So erreicht die erste „Fidelio“-Kollektion aus Pantoffeln und Sandalen mit Wechselfußbett Marktreife und verkauft sich allein im ersten Jahr mit einer Stückzahl von 15 600 Paar. Die Umstellung vom Zukauf auf Eigenproduktion der Marke „Soft Line“ erweist sich ebenfalls von Anfang an als voller Erfolg. 2005 werden mehr als 12 000 Paar gefertigt und in Österreich, der Schweiz und Deutschland verkauft.

Um die Produktionsmenge zu steigern, verlagert der Österreicher die Produktion in ein ostslowakisches Werk. Hier fertigen mehr als 500 Mitarbeiter nicht nur für Kasperek, sondern auch für namhafte deutsche und französische Komfortschuhmarken. 2006, im vierten Jahr der Eigenproduktion, beläuft sich die Anzahl der Schuhe schon auf 44 000 Paar. Und die Wahl eines europäischen Produktionsstandortes lohnt sich: Sehr gute Qualität europäischer Komponenten, europäisches Know-How, kurze Transportwege und Reaktionszeiten, flexible Musterfertigung am Produktionsstandort und die Möglichkeit geringerer Produktionslose sind nur einige der Gründe für Kaspereks Entscheidung.

Seit der Gründung 1995 hat das Unternehmen drei erfolgreiche Marken im Produktbereich Damen- und Herrenpantoletten sowie Sandaletten im mittleren und gehobenen Preissegment hervorgebracht: „Fidelio“ steht für funktionelle, modische und klassische Damenpantoffeln und Sandalen mit Wechselfußbett in der oberen Mittelpreisklasse, „Soft-Line by Fidelio“ bietet Bequemschuhmode im mittleren Preissegment und die Marke „Hallux Fidelio“ ist speziell auf Pantoffeln und Sandalen für Damen mit Hallux Valgus ausgelegt. Anregungen zur Weiterentwicklung der Modelle von Händlern und Endverbrauchern werden laufend aufgegriffen und in den Schuhen umgesetzt.

Allein die Entwicklung der Marke „Hallux Fidelio“ benötigte eine Vorlaufzeit von fast zwei Jahren. „Wenn ich gewusst hätte, wie spannend und lustig das Schuheproduzieren sein kann, hätte ich zehn Jahre früher damit begonnen,“ resümiert Martin Kasperek seinen Erfolg und ergänzt zurückblickend „ ... und es wäre leichter gewesen, als Newcomer ins Geschäft zu kommen.“ Heute beschäftigt das Unternehmen neun Mitarbeiter in der Zentrale in Linz. Hier sitzt die Kollektionsentwicklung, der Materialeinkauf und die Logistik, die Produktionssteuerung, der Vertrieb und das Nachlieferlager. Zwischen 4000 und 6000 Paar Schuhe werden permanent auf Lager gehalten. Eine Lagerliste im Internet ermöglicht Händlern den Zugang zu den täglichen Lagerdaten, und Geordertes kann innerhalb von 24 Stunden in Bayern und Österreich ausgeliefert werden, in allen anderen Gebieten Deutschlands innerhalb von 48 Stunden.

Der Vertrieb in die Hauptabsatzmärkte Österreich, Deutschland, die Schweiz und die restlichen europäischen Exportmärkte, darunter Südtirol, läuft über acht freie Handelsvertreter. Andere Länder werden von Großhändlern und Agenten betreut. Auf den internationalen Schuhmessen wie der Expo Riva und der GDS sowie auf regionalen Messen ist die Kasperek KG stets vertreten. Die Präsentation der Kollektion Frühjahr/Sommer 2007 auf der Expo Riva bescherte dem Unternehmen neue Vertriebspartner für Benelux und Skandinavien, Israel, Ungarn und die Vereinigten Emirate. Damit soll die Exportrate in den nächsten Jahren von 40 auf 60 bis 70 Prozent steigen.

Insgesamt blickt die kleine, aber gesunde Linzer Schuhfirma beruhigt in die Zukunft: „Es ist unglaublich, wie viele Schuhfabrikanten ich in meiner kurzen Zeit als Produzent habe gehen sehen“, staunt Kasperek. Mit 12 Prozent in 2005 und um 15 Prozent 2006 konnte das Unternehmen sein wirtschaftliches Wachstum kontinuierlich steigern und denkt nicht daran, zu gehen. Für 2007 rechnet Kasperek mit einem Wachstum zwischen 15 und 20 Prozent und wird die Produktion auf rund 70 000 Schuhe erhöhen. 16/06 Swantje Balg

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