Schuhmarkt

Austria Power

Schuhimporte aus Fernost sorgen bei der europäischen Schuhindustrie für ein schwieriges Marktumfeld. In Österreich begegnet man diesem Problem, zu dessen Lösung vielerorts der Ruf nach Schutzzöllen durch die Europäische Union laut wird, mit der Besinnung auf eigene Stärken. 16/06 Swantje Balg

Schuhimporte aus Fernost sorgen bei der europäischen Schuhindustrie für ein schwieriges Marktumfeld. In Österreich begegnet man diesem Problem, zu dessen Lösung vielerorts der Ruf nach Schutzzöllen durch die Europäische Union laut wird, mit der Besinnung auf eigene Stärken.

 

Etwa 2000 Beschäftigte in 24 heimischen Industriebetrieben produzieren im Jahr rund 65 Millionen Paar Schuhe mit einem Produktionswert von 182 Millionen Euro.Trotz enormen Preisdrucks durch asiatische Billigimporte konnte Österreich 2005 mit einer wertmäßigen Exportsteigerung um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr glänzen. Die stark exportorientierte österreichische Schuhindustrie baut auf die Konzentration von hoch qualifizierten Tätigkeiten im Inland und die Auslagerung lohnintensiver Produktionsbereiche in kostengünstigere Nachbarländer. Gerne würde man die komplette Produktion in Österreich bestreiten, um dem Schwund von Arbeitsplätzen in Industrie und Gewerbe zu begegnen.

„Der wesentliche Standortnachteil ist gar nicht einmal das Lohnniveau, sondern die in Österreich extrem hohen direkten Lohnnebenkosten, und schlimmer noch, die überbordende Bürokratie, Auflagen et cetera. Dies ist Resultat einer gesellschaftspolitischen Entwicklung, die leider in einen Teufelskreis mündet: Nachdem Europa als Produktionsstandort zu teuer wird, gibt es immer weniger Arbeitsplätze in Industrie und Gewerbe “, erklärt Till Reiter, Geschäftsführer der Ludwig Reiter Schuhmanufaktur in Wien, die Auslagerung von Teilproduktionen.

Magister Peter Kovacs, Geschäftsführer des Verbandes der österreichischen Schuhindustrie, ist überzeugt, dass offensive Marktstrategien in bestehenden Märkten und die Erschließung neuer Exportmärkte wie Osteuropa zu einer permanenten Verbesserung der Marktstellung österreichischer Schuhe führen wird. Qualität, Innovation und Schnelligkeit sind die wichtigsten Konkurrenzvorteile gegenüber Billiglohnländern, die auf den überwiegend europäischen Hauptabsatzmärkten gut ankommen. Schon vor zehn Jahren erkannte die österreichische Schuhindustrie Flexibilität als einen enorm wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Direktes Beispiel ist die sofortige Reaktion auf Marktbedürfnisse und eine hohe Nachlieferbereitschaft. Bereits 1994 fanden die industriellen Verbände Österreichs mit der Gewerkschaft Textil, Bekleidung, Leder eine gemeinsame Regelung zu flexibleren Arbeitszeiten, die in den letzten Jahren sogar noch ausgeweitet werden konnte. Ein Rezept, das in den Augen von Kovacs den Standort Österreich auch in Zukunft attraktiv bleiben lässt. Daher schaffen sich die Schuhhersteller ihre ganz eigenen Nischen und Besonderheiten: Schuhe von Alois Hickersberger GmbH & Co. KG mit Kräuterfußbett, Ludwig Reiter vertreibt über eigene Geschäfte.

Der Verband der Österreichischen Schuhindustrie ist bemüht, die betriebliche Aus- und Weiterbildung zu reformieren. Im Jahr 2000 wurde in der Lehrlingsausbildung das moderne Berufsbild ‚Schuhfertiger’ eingeführt. Außerdem ist seit 1982 die Werkmeisterschule mit der Fachrichtung Schuhindustrie beim WIFI Kärnten etabliert.Von Fachleuten über die österreichischen Grenzen hinaus anerkannt, gilt sie als Kaderschmiede der österreichischen Schuhindustrie mit 188 Absolventen seit ihrer Gründung. Für Führungskräfte werden inzwischen Managementseminare angeboten. Für Kinderschuhhersteller Richter kein Grund zum Jubel, will man die Zahlen halten oder verbessern. In einer Pressemitteilung heißt es: „Schuhentwicklung und Schuhdesign zählen zu den aussterbenden Branchen in Europa. Das geringe Interesse liegt auch an unattraktiven Ausbildungsangeboten. Das führt dazu, dass zu wenige Nachwuchskräfte vorhanden sind.“

In der Alpenrepublik stellt, laut Kovacs, die Schuhindustrie abseits der internationalen Positionierung einen guten Partner des inländischen Schuhfachhandels dar. In Zusammenarbeit mit fachhandelstreuen Markenherstellern und durch das Engagement eines qualifizierten Verkaufspersonals gelingt es dem Fachhandel, sich von den Discountern durch echte Kundenbindung abzuheben.

„Schwierigkeiten entstehen durch die Sonderangebote der Diskonter“, bestätigt Tanja Braumann, Abteilung Marketing bei der Ferdinand Richter GmbH. „Entgegenwirken können wir mit Qualität, Passform, natürlichen, hochwertigen Materialien und Design.“ Die internationale Fachmesse Schuh Austria Linz, die vom 6. bis zum 7. August wieder im Linzer Design Center ihre Pforten öffnet, trägt entscheidend dazu bei, den Käufer von qualitativ hochwertiger Ware und deren Preisgestaltung zu überzeugen. Seit 1995 jeweils im Februar und August bildet sie eine landeseigene Plattform für Branchenkommunikation sowie für exklusive und frühzeitige Information über Modetrends. 16/06 Swantje Balg

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