Schuhmarkt

Italiens Schuhfirmen hoffen auf 2007

Das Geschäftsklima wurde auf der Micam als so gut wie lange nicht mehr beschrieben. Anci besteht auf der Einführung der Ursprungsbezeichnung als Verbraucherschutz. 23/06 Thesy Kness-Bastaroli

Das Geschäftsklima wurde auf der Micam als so gut wie lange nicht mehr beschrieben. Anci besteht auf der Einführung der Ursprungsbezeichnung als Verbraucherschutz.

Das Jahr 2006 bedeutet für Italiens Schuhindustrie einen Übergang. Eine echte Trendwende, mit einer kräftigeren Produktions- und Exportbelebung wird den Schuhexperten des Schuhindustrieverbandes Anci zufolge aber erst 2007 erwartet.

Dann soll die vierjährige Talfahrt überwunden werden. Der Schrumpfungsprozess in der Schuhbranche werde sich zwar fortsetzen, die Dynamik soll sich aber verlangsamen hieß es auf der traditionellen Pressekonferenz zur Schuhmesse Micam. Der Trend geht in Italien klar zur Herstellung von im mittleren und höheren Preissegment angesiedelten, hochwertigen Schuhen. Im niedrigeren Preissegment sind die Schuhe made in Italy nicht mehr konkurrenzfähig. So haben sich die Einfuhren im ersten Halbjahr 2006 um weitere 14 Prozent erhöht. Gleichzeitig nahmen die Ausfuhren wertmäßig nur um drei Prozent zu.

Das mengenmäßige Ausfuhrminus nach Deutschland machte sogar elf Prozent aus. Trotzdem behauptete Deutschland seine Position als wichtigster Exportmarkt für Italiens Schuhindustrie. Die durchschnittlichen Exportpreise nach Deutschland sind im ersten Halbjahr um elf Prozent gestiegen. Der Inlandskonsum stagnierte auf dem niedrigen Niveau des Vorjahres. In den ersten sechs Monaten schlossen weitere 179 italienische Schuhunternehmen (–1,4%) ihre Pforten.

Zur Jahresmitte beschäftigten die 12507 Branchenunternehmen 118 584 Arbeitnehmer, zwei Prozent weniger als zu Jahresende 2005. Die 1651 Aussteller der Micam (davon 519 Ausländer) zeigten sich mit dem Geschäftsklima allgemein zufrieden. „So gut wie lange nicht“ hieß es bei Artioli und im überfüllten Stand von Trendsetter Baldinini wurde eine Hochkonjunktur der neuen Designschuhe bestätigt.

Der Präsident des Schuhherstellerverbandes Anci, Rossano Soldini zeigte sich weniger zuversichtlich. Er wolle erst die Entscheidungen in Brüssel abwarten, bevor er von einer tatsächlichen Trendwende sprechen könne, meinte er noch auf der Micam. Bis 6. Oktober musste sich die zuständige EUKommission entscheiden, ob sie die im Frühjahr beschlossenen Antidumping-Maßnahmen gegen die Einfuhren von Lederschuhen aus China und aus Vietnam fortsetzt. „Falls es zu keiner Verlängerung kommt, haben wir bereits den Einspruch beim Europäischen Gerichtshof vorbereitet“ zeigte sich Soldini gegenüber SchuhMarkt kämpferisch.

Italien drängte, inzwischen erfolgreich, ebenso wie andere Mittelmeerländer, Griechenland, Portugal, Spanien und Frankreich auf die Fortsetzung der Antidumpingmaßnahmen. Angeblich sollte auch England die italienischen Forderungen unterstützen, habe sich dann aber anders entschieden, hieß es auf der Micam. Auch was die Einführung der Ursprungsbezeichnung betrifft, will Soldini nicht locker lassen. Trotz des Widerstandes der Lobbies von Händlern und Importeuren in zahlreichen EU-Ländern, besteht Italien auf die Etikettierungspflicht. „Wir wollen damit vor allem die Verbraucher schützen“ meinte Soldini. Diese haben schließlich das Recht zu wissen, woher die von ihnen gekaufte Ware stammt.

Der Schuhfachverband Anci hat kürzlich eine neue Werbekampagne mit einem äußerst aggressiven Inhalt gestartet. Die Verbraucher seien keine dummen Hühner, heißt es in der neuen Anci Werbung. Mit ihrer Kampagne „I love Italian Shoes“ hatte ANCI bereits in den letzten zwei Jahren großes Aufsehen erregt.

23/06 Thesy Kness-Bastaroli

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