Schuhmarkt

Belebung in Sicht

Italiens Schuh- und Taschenindustrie hat die Talsohle durchschritten. Mit der Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten erhofft sich der Handel frische Impulse. Der Schrumpfungsprozess in der Schuhbranche wird sich aber fortsetzen. 27/06 Thesy Kness-Bastaroli

Die italienische Modeindustrie hat im Zeitraum 2000 bis 2005 eine gesalzene Rechnung bezahlt. Der verschärfte Wettbewerb aus Asien, allgemeine Konjunkturverlangsamung und veralteten Strukturen schwächte Wettbewerbsfähigkeit und Inlandskonsum. Wie aus einer Veröffentlichung der Stiftung Edison hervorgeht, ist die Wertschöpfung im Schuh- und Lederwarenbereich seit 2000 von 6,3 Mrd. Euro auf 4,9 Mrd. Euro gesunken.

In der Textil- und Bekleidungsbranche machte der Verlust 6 Mrd. Euro aus. Binnen sechs Jahren sind der Modebranche 90 000 Arbeitsstellen verlorengegangen. Inzwischen hat sich die Talfahrt verlangsamt. Es ist sogar mit einer leichten Erholung zu rechnen. Der Verbraucherindex lag im Herbst mit 98,5 auf einem Vierjahreshoch. Die Erwartungen steigern sich sowohl im Hinblick auf die Produktion als auch, was die Reduzierung der Lagerbestände angeht.

Ausschlaggebend für die Erholung ist laut Marco Richetti von Marktforschungsinstitut Hermes Lab die Belebung auf den traditionellen europäischen Absatzmärkten wie etwa Deutschland. Die EU (15 Mitgliedsländer) absorbierte 2005 rund 45 Prozent aller Modeexporte Italiens. Zu den neuen Wachstumsmotoren zählt Russland. Die Exporte legten im ersten Halbjahr 2006 um elf Prozent zu. Deutschland bleibt weiterhin der wichtigste ausländische Abnehmer für italienische Schuhe, bei Taschen liegen allerdings die Schweiz, Japan, Frankreich und die USA vorn.

Von der erwarteten Erholung sind nicht nur die Bekleidungs- und Schuhbranche, sondern auch die Gerber und Textilhersteller betroffen. Die Modeexporte sollen im nächsten Jahr wieder kräftig zulegen. Der Handel zeigt sich noch vorsichtig. In letzter Zeit wurde auch in Italien ein klarer Strukturwandel festgestellt: Monomarkengeschäfte ersetzen mehr und mehr die traditionellen Fachgeschäfte. Geox, Tod’s, Furla oder Coccinelle setzen dabei Akzente. Die Einzelhandelsverbände fordern eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Dabei haben sie besonders den Sonntag im Blick. Bislang war der Sonntag in Italien der Kirche und dem Fußball vorbehalten. Das hat sich geändert. Laut einer Umfrage der renommierten Mailänder Wirtschaftsuniversität Bocconi sind sechs von zehn Italienern im vergangenen Jahr mindestens einmal an einem Sonn- oder Feiertag auf Shopping-Tour gegangen – und haben auch kräftig eingekauft. In den feiertäglichen Einkaufskörben fanden sich vor allem Modeartikel (69 Prozent). Die Händler erwarten, dass eine Ausdehnung der Öffnungszeiten auf den siebten Wochentag den Konsum beleben könnte. Eine entsprechende Liberalisierung steht bereits zur parlamentarischen Diskussion.

Markenstrategien und Spezialisierungen

Zwar werde sich der Schrumpfungsprozess in der Schuhbranche fortsetzen, sagt ANCI-Präsident Rossano Soldini zum SchuhMarkt, die bisherige Dynamik werde sich aber verlangsamen. Mit 12 500 Branchenunternehmern sei die Produktion noch zu stark fragmentiert. Vor allem im niedrigeren Preissegment seien die Schuhe made in Italy nicht mehr konkurrenzfähig. Die Fortsetzung der Antidumping-Maßnahmen gegen die Einfuhren von Lederschuhen aus China und Vietnam zeigten bereits erste positive Konsequenzen. Die Importdynamik habe sich verlangsamt. Mehrere italienische Schuhhersteller haben einen Teil ihrer Produktion von China nach Indonesien, Brasilien und Thailand verlagert. Geox produziert drei Millionen Paar Schuhe in China.

Immer mehr Schuhhersteller, wie etwa Tod’s, beharren auf dem Produktionsstandort Italien oder zumindest Europa. Laut einer Prognose vom Marktforschungsinstitut Astra sei die Talsohle überwunden, aber eine mögliche Wachstumskrise in den USA werde sich auch auf Italiens Mode-und Schuhbranche negativ auswirken. Nur jene Firmen, die eine klare Markenstrategie verfolgen, in Produkt, Design und Qualität investieren oder sich auf Nischenprodukte spezialisieren, können überleben. Die handwerkliche Fertigung von Schuhen und Taschen hat laut Enrico Finzi vom Marktforschungsinstitut Astra kaum mehr Zukunft. Dies bedeute, dass der Umstrukturierungsprozess in Italien noch keineswegs abgeschlossen sei. Die Marktforscher erwarten erst ab 2009 eine anhaltende Belebung. 27/06 Thesy Kness-Bastaroli

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