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Seidige Geschäfte

Seidenschuhe und Taschen sind beim Concept Store „La Tessitura“ in Como ein Verkaufshit. Seidenweber Mantero kann sich eine Ausdehnung des Shop-Konzepts auf andere Städte und Länder vorstellen. 11/06 Thesy Kness-Bastaroli

Seidenschuhe und Taschen sind beim Concept Store „La Tessitura“ in Como ein Verkaufshit. Seidenweber Mantero kann sich eine Ausdehnung des Shop-Konzepts auf andere Städte und Länder vorstellen.

Es ist kaum zu glauben: Nicht nur Bademode und supermoderne Wohneinrichtungen, auch Schuhe und Taschen sind der letzte Verkaufshit des innovativen Concept Stores der Seidenweberei Mantero, „La Tessitura“. Bei der mit rund zwei Millionen Euro umgebauten ehemaligen Fabrik handelt es sich nicht einfach um ein Geschäft.

In „La Tessitura“ geht’s nicht nur um Seidenkunst par excellence, sondern auch um Lebensstil. Vom „Loom Cafe“ im Zwischenstockwerk aus hat man einen Überblick über das kunterbunte und stark differenzierte Angebot: von japanischen Kimonos zu traditionellen Seidenkrawatten, von Pareos bis zur Seidentasche und neuerdings auch bis zu Seidenschuhen.

„Multiwear“ heißt die dazugehörige Strategie. Ähnliche „Concept Stores“ könnte sich Mantero zum Beispiel auch in Mailand oder auch im Ausland vorstellen.Traditionelle Kunden wie Versace, Dior, Armani und Gucci dürften durch die Produktion und den Vertrieb von Mode in Eigenregie allerdings nicht verärgert werden.

Wie die Mode kennt natürlich auch die Seide ihre Trends, Mantero erwartet eine Fortsetzung des Themas Farbe und viel Schwarz-Weiß. Ein junges Team von 15 internationalen Fachleuten werkt in dem Comer Unternehmen an Innovationen für Produktion, Handel, Design und Vertrieb. Der Sommer 2006, so die Prognosen, stehe weiterhin im Zeichen lebhafter Nuancen, allerdings werden die starken Töne mit Schwarz kombiniert, Dschungel- und Folkloremotive sind groß im Kommen. „Ohne Kaiserin Maria Theresia hätte es keine Seidenkultur in Como gegeben.“

Moritz Mantero, CEO der traditionsreichen Seidenweberei Mantero, verweist im Gespräch mit SchuhMarkt gerne auf die Verdienste der österreichischen Kaiserin, die im 18. Jahrhundert über die Lombardei und damit auch über das „Seidenrevier“ rund um Como herrschte. „Maria Theresia hatte die Bedeutung der von China importierten Seidenweberei für das Mikroklima von Como und Umgebung erkannt“, weiß Mantero. Um die damals qualitativ besseren Seidenweber von Lyon zu übertrumpfen, ließ die Kaiserin kurzerhand die Zölle für Seidenweber im Habsburgerreich abschaffen Und legte damit die Basis für den bis heute andauernden Wirtschafts- und Seidenboom von Como.

Derzeit sind in der Region rund 2500 Seidenwebereien mit 30 000 Beschäftigten angesiedelt. In den vergangenen zehn Jahren mussten allerdings zahlreiche im mittleren und unteren Segment angesiedelte Betriebe ihre Pforten schließen. „Die Firmenanzahl ist um 15 Prozent gesunken“, erklärt Mantero. Veränderte Konsumgewohnheiten, der verschärfte Preiskampf mit China und Indien und die Dollarschwäche sind Gründe für den kontinuierlichen Abstieg. Auch Mantero konzentriert sich nicht mehr ausschließlich auf die Seide: Kunstfasern haben inzwischen einen wichtigen Anteil an der Produktion.

Das Familienunternehmen Mantero SpA mit einem Umsatz von knapp über 100 Millionen Euro jährlich zählt zu den drei größten Seidenwebern Comos. „Wir konzentrieren uns auf das obere Marktsegment. Da kann die chinesische Konkurrenz nicht mithalten“, meint der Firmenchef, der in der Volksrepublik China nicht nur einen Konkurrenten, sondern auch „eine einmalige Gelegenheit“ sieht. So produziert Mantero bereits in Südchina, um den US-Markt zu beliefern, und hat in Shanghai vor Kurzem eine Filiale und ein Büro zur Qualitätskontrolle eröffnet.

Moritz Mantero steht den von zahlreichen italienischen Unternehmen geforderten Schutzzöllen für chinesische Einfuhren ablehnend gegenüber. „Es müssen aber überall die selben Regeln gelten. Es ist nicht möglich, dass wir die rigorosen Umweltauflagen einhalten, die in China und Indien nicht gelten.“ Ein Etikett mit obligatorischer Ursprungsbezeichnung hält der Manager für durchaus sinnvoll. Diese sollte nicht nur die Seidenproduktion „made in Italy“, sondern die Qualitätsproduktion in ganz Europa schützen.

„Die Zukunft liegt jedenfalls in Asien“, ist Mantero überzeugt. 56 Webstühle sind im Hauptwerk in Como in Betrieb, 1300 verschiedene Farbtöne können produziert werden. Hermès und Gucci, Dior und Armani lassen hier ihre edlen Seidenschals und Tücher, Krawatten und Accessoires fertigen. Moritz Mantero versucht, nicht nur durch umweltfreundliche Produktionsmethoden, sondern auch durch die gezielte Verwertung der „Abfälle“ sowie den Ausbau des Vertriebs der Konkurrenz die Stirn zu bieten.

Das Unternehmen punktet unter anderem durch ein einmaliges Seidenmusterarchiv mit 10 000 Büchern. „Wir sind auch in neue Marktsegmente wie etwa in die Beach- und Bademode sowie bei Schuhen vorgeprescht“, betont Textilingenieur Mantero die Wichtigkeit der Innovation. Deutsch hat der 58-jährige Firmenchef, der eigentlich Maurizio heißt, übrigens während seiner Studienzeit in Deutschland erlernt. Mit seiner jüngsten Initiative, einem Seiden-„Concept Store“, geht Mantero auch im Vertrieb neue Wege.11/06 Thesy Kness-Bastaroli

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