Schuhmarkt

Italiens Schuhhersteller noch unzufrieden

Die italienischen Schuhhersteller haben die Talsohle noch nicht durchschritten. Dennoch glänzt die Branche mit einem ordentlichen Außenhandelsüberschuss. 15/06 Thesy Kness-Bastaroli

Die ersten, zaghaften Erholungsanzeichen verzeichnete die italienische Schuhbranche im Frühjahr nach der Mailänder Messe Micam Shoevent und nach der Schuhmesse in Moskau. Die Nachfragebelebung konzentriert sich aber vorrangig auf das hochqualitative und auf das Mittelpreissegment. Im mittleren und unteren Bereich ist die Nachfrage flau und die Importe verdrängen zunehmend das inländische Angebot.

Der Präsident des Schuhherstellerverbandes Anci, Rossano Soldini, bezweifelte auf der Hauptversammlung der Anci in Mailand, dass die Belebung den Export- und Produktionsrückgang der ersten beiden Monate wettmachen könnte. Sollte die von Italien dringend geforderte Ursprungsbezeichnung für italienische Waren nicht eingeführt und die im April von der zuständigen EU-Kommission beschlossenen Antidumpingmaßnahmen nicht verschärft oder wenigstens fortgesetzt werden, sieht Soldini für Italiens Schuhbranche Schwarz.

Der Präsident kritisierte heftig die seiner Meinung nach flaue Haltung Brüssels hinsichtlich der Einführung der Ursprungsbezeichnung: „Das vorrangige Ziel in Brüssel scheint die Entindustrialisierung im EU-Raum geworden zu sein“, meinte Soldini und verwies auf den wachsenden Einfluss von Importeuren und Handel auf die einschlägigen Entscheidungen der Kommission in Brüssel. Seit Jahren kämpft der Schuhhersteller aus Arezzo gegen den unlauteren Wettbewerb, gegen die Billigeinfuhren aus China und gegen die Fälschungen von Markenwaren. Soldini kann die Strukturbereinigung in der italienischen Branche zwar verzögern aber nicht aufhalten, meinten mehrere Unternehmer.

Tatsache ist, dass sich die Talfahrt in der italienischen Schuhbranche auch 2005, im vierten aufeinander folgenden Jahr, fortsetzte. Mit einem Exportminus von mengenmäßig zehn Prozent und einem Importplus von sieben Prozent verloren die heimischen Unternehmen im In- und Ausland weitere Marktanteile.

Die Produktion ist bei stagnierender Inlandsnachfrage um mengenmäßig elf Prozent auf 250 Mio. Paar zurückgefallen. An der Beschäftigungsfront hat sich 2005 der Aderlass mit einem Minus von 3,9 Prozent – das sind 3900 Arbeitsstellen – fortgesetzt. Trotzdem hat Italiens Schuhindustrie auch 2005 einen üppigen Überschuss im Außenhandel von 3,2 Mrd. Euro verzeichnet. Dies sind zwar elf Prozent weniger als im Vorjahr, bei einem Rekorddefizit im italienischen Außenhandel von zehn Mrd. Euro ist ein solches Plus aber kein Pappenstil, meinte Soldini anlässlich der HV.

Erstmals war während des Jahrestreffens der italienischen Schuhunternehmer auch der Präsident des Industriellenverbandes, Luca di Montezemolo und der Präsident der Modeindustrie Paolo Zegna präsent. Ein Signal, dass Italiens Schuhbranche im italienischen Industrie-Szenario an Stellenwert gewinnt. Schließlich haben die Schuhhersteller mit mehreren Initiativen deutliche Signale gesetzt. So hatten sie monatelang und erfolgreich Druck auf die Wettbewerbskommission in Brüssel gemacht, so dass diese endgültig Antidumpingmaßnahmen gegenüber den chinesischen Herstellern und den Lieferanten aus Vietnam einführte. Als federführendes Marketing- Beispiel erwies sich aber auch der Showroom, den 15 italienische Schuhunternehmen gemeinsam im April 2006 in Moskau eröffneten. 15/06 Thesy Kness-Bastaroli

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