Schuhmarkt

Malzkaffee ist Luxus

Die italienische Modegruppe Mariella Burani hat sich auf Luxus spezialisiert, „den man sich leisten kann“. Neben Bekleidung, Schuhen, Taschen gehören künftig auch Schmuck sowie Kaffee und Choco-Bars ins Portfolio. 24/06 Thesy Kness-Bastaroli

Die Mariella Burani Fashion Group (MBFG) zählt derzeit zu den erfolgreichsten italienischen Modeunternehmen. Der Sohn des Firmengründers, Geschäftsführer Dr. Giovanni Burani, peilt für 2006 einen Rekordumsatz von 600 Mio. Euro an. Davon entfallen 40 Prozent auf Accessoires. Renommierte Schuh- und Lederwarenfirmen (Baldinini, Coccinelle, Francesco Biasia, Braccialini) sind Teil des börsennotierten MBFG-Konzerns in der Reggio Emilia. Hinzu kommen die Modemarken Renè Lezard und Don Gil. Deutschland zählt für Burani zu den wichtigsten Absatzmärkten. SchuhMarkt sprach mit Konzernchef Giovanni Burani.

SchuhMarkt: Sie haben sich als eines der wenigen italienischen Modeunternehmen stark in Deutschland engagiert, als Sie René Lezard erwarben. Wollen Sie in Deutschland weiter wachsen?

Burani: Wir erkennen bereits eine klare Belebung im deutschen Markt. Die Nachfrage zieht an. Deutschland beginnt wieder seine ursprüngliche Rolle als Wirtschaftsmotor Europas zurückzugewinnen. Wenn sich Gelegenheiten bieten, werden wir zugreifen – knapp ein Drittel des Burani-Umsatzes werden im deutschsprachigen Raum, in Deutschland, der Schweiz und Österreich erzielt.

SchuhMarkt: MBFG hatte als eines der wenigen italienischen Modeunternehmen die Modekrise der vergangenen Jahre ohne Schaden überlebt und ist weiterhin gewachsen. Wie lautet Ihr Erfolgsrezept?

Burani: Wir haben als erstes italienisches Modeunternehmen das Konzept des „erschwinglichen Luxus“ eingeführt. Dieses Segment, in dem wir gut platziert sind, bietet auch künftig jede Menge Entwicklungsmöglichkeiten. Luxuswaren sollen zum angemessenen Preis mehr Leuten zugänglich gemacht werden. Auch haben wir rechtzeitig auf den richtigen Märkten investiert und diversifiziert. Unsere Tochterfirma, der Schuhhersteller Baldinini, hat in Russland bereits 30 Geschäfte installiert.

SchuhMarkt: Der US-Markt wurde bislang eher vernachlässigt. Wollen Sie künftig stärker in den USA investieren?

Burani: Wir ziehen Märkte vor, wo es weniger Wettbewerb gibt. In den USA denken die Geschäftsleute doppelt so schnell wie wir. Da kann man sich leicht die Finger verbrennen. Ich ziehe es vor in Europa zu bleiben, wo in den osteuropäischen Ländern noch ein großes Wachstumspotenzial besteht. Wir sind aber auch im Nahen Osten und in Asien aktiv.

SchuhMarkt: Sie haben vor, neue Kaffeebars – die „Coffee-Choco-Bars“ – weltweit zu eröffnen. Ihre Tochterfirma Bioera hat bereits entsprechende, auf Naturgetränken basierende Coffee-Choco-Bars in Rimini eröffnet. Könnten Sie sich vorstellen, dass auch in den deutschen Geschäften Malzkaffee und Kakao angeboten wird?

Burani: Das ist in Zukunft nicht auszuschließen. Es gibt Synergien. Ich glaube, dass Naturgetränke wie etwa der Malzkaffee „Cafe Orzo“, aber auch Kakao ein hohes Wachstumspotenzial haben. Der qualitative Nahrungsmittel- und Getränkemarkt sollte wie ein Luxusmarkt bearbeitet werden.

SchuhMarkt: Nur mehr 55 Prozent des Umsatzes entfallen auf Bekleidung. Wollen Sie in nächster Zukunft weiter diversifizieren?

Burani: Wir sind für alles offen. Vor wenigen Wochen haben wir den Schmuckwarenbetrieb Facco Corporation aus Vicenza übernommen. Unsere Multimarkengeschäfte wie Don Gil werden künftig auch Schmuckwaren anbieten. Mit modischen Accessoires, Schmuckwaren und Naturprodukten im Nahrungsmittelsektor avancieren wir zum Lifestyle-Konzern. Wir wollen hohe und höchste Qualität auf industrieller Basis erzeugen und vertreiben. Auch können wir weitere Lizenzen erwerben. Unter anderem produzieren wir bereits für Miss Sixty, Missoni und Vivienne Westwood.

SchuhMarkt: Die italienischen Textil- und Schuhunternehmer drängen auf die Einführung der Ursprungsbezeichnung des „Made in Italy“. Unterstützen Sie das?

Burani: Zumindest sollte eine Etikettierung über „designed“ oder „styled in Italy“ erfolgen. Ich bin der Ansicht, dass in Zukunft immer mehr italienische Modeunternehmen ihre Produktion auslagern werden. Mariella Burani Fashion Group erzeugt noch rund 70 Prozent der Kollektion in Italien. 24/06 Thesy Kness-Bastaroli

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