Schuhmarkt

Brenta liegt im Trend

Luxusschuhe aus der Riviera del Brenta kennen anscheinend keine Krise. Das in der Region Venezien gelegene Gebiet blickt auf eine lange Schuhmachertraditon zurück und prosperiert munter. 05/07 They Kness-Bastaroli

Die allgemeine Schuhkrise berührt sie nicht im Mindesten. Die 808 Schuh- und Zubehörunternehmer von der Riviera del Brenta erleben derzeit Hochkonjunktur. Denn die Unternehmen zwischen Venedig und Padua haben sich auf die Herstellung von Luxusschuhen konzentriert und damit eine Marktnische entdeckt, die offensichtlich keine Krise kennt. Mit 21 Mio. Paar Schuhen, einem Umsatz von rund 1,8 Mrd. Euro und 13 000 Beschäftigten sind die hier meist in Lizenz arbeitenden Schuhunternehmer das Aushängeschild der italienischen Schuhbranche.

Der Präsident des Fachverbandes der Schuhhersteller von Brenta (Acrib), Franco Ballin, zeigt sich auch für die Zukunft optimistisch. „Auch wenn hier die Lohnkosten 50 Prozent der Produktionskosten ausmachen, arbeiten wir noch mit Gewinn. Wir haben kaum Konkurrenz“, bestätigte er die günstige Auftragslage. Schließlich lassen alle, die in der Modebranche etwas auf sich halten, von LVMH über Gucci bis zu Chanel und Giorgio Armani, hier ihre Luxusschuhe fertigen. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung liegen bei jährlich 400 Millionen Euro. „Während der Fabrikpreis für einen in China hergestellten Schuh unter 10 Euro liegt, liegt er bei uns über 100 Euro“, kommentierte Luigino Rossi, Präsident des Nobelschuhunternehmens Rossimoda, den Trend zum Hochpreissegment. In den letzten fünf Jahren hat Rossimoda den Umsatz und Gewinn jährlich um 20 Prozent erhöht. Bis 2008 wird die 100-Millionen- Umsatz-Grenze angepeilt.

Rossimoda stellt Damenschuhe für den französischen Luxuswarenhersteller LVMH her. Dieser hat die Firma vor wenigen Jahren gleich übernommen. Besser gesagt, er erwarb 97 Prozent, die restlichen drei Prozent gehören noch dem Unternehmensgründer Rossi, der hier als Geschäftsführer und Präsident weiterhin das Sagen hat. Bei den im Fachverband Acrib vereinten Schuhunternehmen handelt es sich großenteils um Lohnveredelungsunternehmen, um die sogenannten „Terzisti“ oder aber um Lizenz-Hersteller. Einige wenige, wie etwa René Caovilla oder aber Kallisté des Unternehmers Marcello Doni stellen ihre eigenen Markenschuhe her. Ein Caovilla-Schuhkunstwerk, meist mit Swarovski- oder anderen Glitzersteinen dekoriert, kostet denn auch über 1000 Euro.

„Wir sind für die obligatorische Etikettierung der Ursprungsbezeichnung, aber gegen Antidumping-Zölle“, kritisierte Unternehmenspräsident Luigi Rossi die Politik des italienischen Schuhfachverbandes Anci. Dieser bestand in Brüssel hartnäckig auf der Einführung von Antidumping-Zöllen für Schuhe aus China und Vietnam. „Das ist gegen unsere Philosophie.“ Offensichtlich ist China für die Schuhhersteller der Riviera del Brenta keine Konkurrenz. „Man kann die Handwerkskunst nicht in wenigen Jahren erlernen“, zeigte sich auch René Caovilla skeptisch. Die einzige Konkurrenz komme derzeit aus anderen italienischen Regionen, der Toskana oder der Marche, wo allerdings das Schuhhandwerk nicht die 800-jährige Tradition hat wie hier in Venetien. Bereits 1268 wurde in Venedig der erste Schuhfachverband, „Confraternitadei Calegheri“, gegründet. Ein Großteil der Luxusschuhmacher hat das Handwerk hier von der Pike auf gelernt. Der Schuhfachverband Acrib von der Riviera del Brenta verfügt über die einzige „Schuhakademie“ in Italien.

Im Politecnico in Stra werden Modellisten, Designer, Material- und Qualitätsexperten in einer dreijährigen Schulung ausgebildet. „Auch ich habe hier das Handwerk erlernt“, meinte Politecnico-Präsident und Erfolgsunternehmer Marcello Doni stolz. Die Fachakademie steht inzwischen auch ausländischen Interessenten offen. Rund 30 Prozent der insgesamt 150 Studenten sind Ausländer. Die Finanzierung der Fachhochschule erfolgt zum Teil durch den Fachverband Acrib, zum Teil mittels Zuschüssen von Region, Provinz, Handelskammer und Sparkasse. Von den jährlich 21 Mio. Paar Schuhen werden 81 Prozent exportiert. Amerika ist Exportmarkt Nummer Eins, danach folgen Asien mit etwa 30 Prozent aller Exporte und Europa.

Acrib hat eigene Showrooms in New York und Peking und wird demnächst einen in Moskau eröffnen. Die Messetätigkeit des in Stra angesiedelten Verbandes ist äußerst rege. Unter anderem sind rund 30 Hersteller aus der Riviera del Brenta jährlich zweimal bei der GDS in Düsseldorf ver treten. „Deutschland war einst unser wichtigster Markt. In den letzten Jahren hat der Trend zu Massenkonsum und niedrigen Preisen unsere Position geschwächt. Nun sehen wir aber eine Trendwende“, sagt Marcello Doni. 05/07 They Kness-Bastaroli

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