Schuhmarkt

Mehr als Holzpantinen

Die niederländischen Lieferanten sind im deutschen Handel gut angesehen. „Flexibel“, „schnell in der Umsetzung“ und „modisch auf dem Laufenden“ sind Eigenschaften, die ihnen nachgesagt werden. Dabei sind sie oft erstaunt über den Konservatismus der Deutschen. 01/08 Peter Skop

Die niederländischen Lieferanten sind im deutschen Handel gut angesehen. „Flexibel“, „schnell in der Umsetzung“ und „modisch auf dem Laufenden“ sind Eigenschaften, die ihnen nachgesagt werden. Dabei sind sie oft erstaunt über den Konservatismus der Deutschen.

 

Die Produktion von Schuhen spielt in den Niederlanden nur noch eine geringe Rolle. Die Suche bei der Statistikbehörde ergibt, dass 2002 573 000 Männer- und 439 000 Damenschuhe in den Niederlanden produziert wurden. Hauptsächlich handelt es sich bei niederländischen Schuhfirmen um Importeure und Trader. Paul van Lammeren, Geschäftsführer des C.A.S.T. in Nieuwegein schätzt die Anzahl der größeren Unternehmen auf 250, rund 180 von ihnen sind auch im C.A.S.T. vertreten, etwa 20 produzieren noch im Land.

Insgesamt spielen die Niederlande für die Schuh-Einfuhr nach Deutschland eine vergleichsweise große Rolle. Ihr Anteil an der Gesamteinfuhr betrug 2006 2,5 Prozent und somit Platz 5 im Länderranking. 2005 hielten sie mit 3 Prozent Einfuhranteil immerhin Platz 4 nach China, Vietnam und Italien. 2006 schoben sich Portugal und Indien dazwischen. Im ersten Halbjahr 2007 sank der Anteil allerdings weiter auf 1,7 Prozent und somit auf Platz 8 (alles nach Paarzahl, Quelle HDS).

Niederländer haben eine lange Handelstradition und, bedingt durch einen relativ kleinen heimischen Markt, schon immer den Drang nach außen. „Der kleine Markt zwingt uns, uns international auszurichten. Wir verstehen uns auch mehr als ein internationales Unternehmen, denn als niederländisches“, so Marc Verhoef von Footwear International. Hinzu kommt die Vielsprachigkeit, die schon früh in der Schule gefördert wird, wie Vincent Kriek von Loints betont. Wer im Verkauf mit Deutschland zu tun hat, spricht fast immer auch deutsch.

Eigene Büros im C.A.S.T.

Kein Wunder, dass der Handel die niederländischen Firmen als kundenorientiert, zuverlässig und flexibel charakterisiert. „In dem, was sie machen, sind sie sehr gut“, erklärt Erika Reinhard, die bei Garant für den Einkauf zuständig ist. Niederländische Firmen sind auch fest in die Konzepte integriert. Für Garant wie auch die ANWR ist von Vorteil, dass im C.A.S.T. eigene Büros existieren.

„Geh’ doch da mal schnell rüber“, bekommt zum Beispiel Albert Haan, Leiter der ANWR-Niederlande schon mal aus Mainhausen oder von interessierten Mitgliedern zu hören. Haan kann auch immer wieder Anregungen an die deutschen Mitglieder weitergeben. „Bei Gaastra hat das zum Beispiel geklappt“, erklärt er. Eine Marke, die auch der Sabu als positiv einschätzt. Für dessen Mitglieder rückte in den letzten Jahren die Firma Wolky in den Fokus.

Besonders die nord- und westdeutschen Schuhhäuser arbeiten mit Niederländern zusammen, auch wenn sie nicht in der Zentralregulierung der Einkaufsvereinigungen sind. Neben Importware gibt es nach wie vor eigene Produktion im Land. Van Bommel ist ein Beispiel, das zeigt, wie mit der Linie Floris van Bommel eine traditionelle und qualitativ hochwertige Marke aufgefrischt werden kann.

Holländer sind innovationsfreudiger

Für deutsche Händler scheint diese Experimentiermut häufig zu weit zu gehen. Es herrscht große Übereinstimmung in der Einschätzung des niederländischen Schuhhandels als im Vergleich modemutiger und trendnäher. Die niederländischen Kollegen ordern auch zwischendurch und kommen dafür in das C.A.S.T. nach Nieuwegein. Bei den Anbietern schimmert immer wieder ein gewisses Erstaunen über die zum Teil sehr abwartende Haltung des deutschen Handels durch. Sie kritisieren dies höflich und passen ihre Angebote eben an.

„Wir werden die Kollektion dem unterschiedlichen Modegrad in den Abnehmerländern stärker anpassen“, erklärt Andreas Neuhaus von Mexx diplomatisch. „Die Einkaufsmethodik ist anders“, sagt Haan. Jedes Jahr würden die Händler ihre Rentabilität überprüfen und zwei bis drei alte durch neue Marken ersetzen. Dass der deutsche Konsument anders sei, glaubt Haan nicht. „Tango ist in Deutschland mit 20 Geschäften sehr erfolgreich“, führt er als Beispiel an. 01/08 Peter Skop

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