Schuhmarkt

Italiens Gerber wieder im Aufwind

„China ist für uns ein Segen“, heißt es beim italienischen Gerbereifachverband Unic. Thesy Kness-Bastroli 12/06

Bei den italienischen Gerbern ist die Talsohle durchschritten. Laut Prognosen von Branchenexperten soll der Absatz 2006 um vier bis fünf Prozent wachsen, nachdem in den ersten drei Monaten eine Zunahme von zehn Prozent verzeichnet wurde.

So zeigten sich auch die Aussteller bei der weltweit größten Ledermesse Lineapelle (19. bis 21. April in Bologna) mit den Messegeschäften zufrieden. Die italienische Gerbereibranche mit rund 2400 Unternehmen und einem im Vorjahr um 3,5 Prozent auf 4,85 Mrd. Euro gesunkenen Umsatz sieht wieder Licht am Ende des Tunnels.

Auf der Lineapelle, dem wichtigsten Konjunkturbarometer der Branche, wurden sowohl vom Inlandsmarkt wie auch vom Ausland Belebungsanzeichen signalisiert. Der Exportschwund von 2,5 Prozent auf 3,2 Mrd. Euro im Vorjahr sei überwunden, heißt es beim Gerbereifachverband Unic. Bereits in den ersten Monaten 2006 wurden kräftige Aufträge nicht nur aus dem Fernen Osten (28 Prozent des gesamten Exportvolumens), sondern auch seitens der EU-Länder (36 Prozent aller Exporte), den Nafta-Staaten und den osteuropäischen Ländern (16 Prozent aller Exporte) gemeldet. Vor allem die japanischen Einkäufer haben auf der Lineapelle wieder kräftig geordert. „Die Aufträge nehmen bereits seit Herbst des Vorjahres zu“, so der Generaldirektor des Gerbereiverbandes Unic, Salvatore Mercogliano, zu SchuhMarkt.

Neu ist, dass auch die chinesischen Einkäufer immer mehr Qualitätsware ordern. Die Lederausfuhren nach China machten im Vorjahr 902 Mio. Euro aus. Damit hat sich der Exportwert nach China in zehn Jahren verzehnfacht. Sorgen bereiten den italienischen Gerbern vor allem die wachsenden protektionistischen Tendenzen in Südamerika, insbesondere in Brasilien, wo bis zu 30 Prozent der Rohwaren dem „Markt vorenthalten“ werden. „Wir haben diese Situation bereits bei der Welthandelsorganisation gemeldet, bislang aber ohne Erfolg“, so der Unic-Generaldirektor. Die Preisfront ist neuerdings in Bewegung geraten. Vor allem bei Kunstfasern und chemischen Produkten hat sich die Erdölpreis-Hausse auf die Preisentwicklung ausgewirkt.

Die Preisdiskrepanz zwischen natürlichen und künstlichen Fasern hat sich erheblich verringert. „China ist für uns ein Segen“, meinte Mercogliano. Im Gegensatz zu den Schuhherstellern, die über den unlauteren Wettbewerb der Chinesen klagen, kennen die Gerber keinerlei Kritik. Für sie ist China seit zehn Jahren der wichtigste Absatzmarkt. Im Jahr 2005 wurde ein Rekord bei den Exporten von gegerbten Häuten nach China verzeichnet. Die chinesischen Kunden absorbieren 21 Prozent der italienischen Branchenexporte und 13 Prozent des Umsatzes. 40 Prozent aller China-Exporte stammen aus dem Gerbereidistrikt in der Toskana (S. Croce) und 37 Prozent aus Venetien. Der Außenhandelsüberschuss der Branche betrug 58,2 Mio. Euro, deutlich weniger allerdings als noch 2004, als das Plus 297,3 Mio. Euro lautete. Mercogliano verwies darauf, dass trotz der Polemiken um Schutzzölle für chinesische Schuhimporte der gesamte Branchenaußenhandel nach wie vor zugunsten Italiens abschließt. 12/06 Thesy Kness-Bastaroli

 

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