Die Chefin der britischen Zeitschrift Vogue rebelliert. Trotz Debatten um Magermodells werden auf Drängen großer Designer immer mehr spindeldürre Mädchen eingesetzt.
Alexandra Shulman, Chefin der englischen Vogue schrieb unlängst einen Zornesbrief an topgenrige Modehäuser, in dem sie zum Umdenken aufrief. Rückendeckung erhielt Shulman vom britischen Supermodel Erin O‘Connor, die den Appell als „gewaltigen Durchbruch“ bezeichnete. Modezeitschriften seien gezwungen, Models mit „hervorstehenden Knochen und ohne Busen oder Hüfte“ zu engagieren, weil die Kleidungsstücke, die die Designer den Hochglanzmagazinen für Fotoshootings zuschicken, winzig seien. Die Maße der Kleidungsstücke seien „deutlich kleiner“ geworden. Die Vogue retuschiere nach den Fotoaufnahmen am Computer inzwischen regelmäßig die Körperfülle der Mädchen, damit sie dicker und gesünder aussehen. „Wir sind jetzt an einem Punkt angekommen, wo viele der Probegrößen nicht einmal mehr den etablierten Star-Models passen“, schreibt Shulman. Adressaten des eigentlich nicht für dier Öffentlichkeit bestimmten Briefes sind unter anderem Karl Lagerfeld, John Galliano und die Kollegen bei Prada, Versace, Yves Saint Laurent und Balenciaga. Die Modelagenturen schicken „derart dünne Mädchen, dass wir sie wieder wegschicken“, sagte die Dessous-Designerin Sarah Shotton. Es sei sogar viel schlimmer geworden, seitdem vor ein paar Jahren die Debatte über zu dünne Models losgetreten wurde. 14/09
Ilona Sauerbier