Der Begriff der „mittelbaren Vertikalisierung“, den Susanne Bahner zur Beschreibung der Kooperation von Leiser und Josef Seibel benutzte, ist mir bisher noch nicht begegnet. Wir sollten ihn uns merken, bezeichnet er doch eine Zusammenarbeit, die, zumindest noch, eher ungewöhnlich ist. Mit Josef Seibel hat sich ein klassischer Markenschuhhersteller an dem klassischen Schuhfilialunternehmen Leiser beteiligt.
Die klassische Aufgabenteilung, hier Schuhfachhandel, dort Schuhlieferanten, hat sich schon seit längerem erübrigt. Händler sind – wenn auch in übertragenem Sinne, weil sie selten eigene Fabrikationsstätten für ihre Eigenmarken besitzen – Hersteller, und Hersteller werden mehr und mehr zu Händlern, zum Beispiel mit ihren eigenen Monomarkenstores. Umgekehrt geht ein Hersteller wie Bär, der jahrelang auf seine eigene Vertriebslinie gesetzt hat, nun langsam auch auf den Fachhandel zu.
Carl August Seibel hatte mit der erst vor kurzem eingeführten Vertriebslinie Josef Seibel & Friends gezeigt, dass er neben seinen eigenen Marken auch weitere renommierte Namen verbreiten will. Es besteht ein vitales Interesse der Markenhersteller daran, Fachhandelsstrukturen zu erhalten. Wenn dem so ist, haben auch die bisherigen Lieferanten von Leiser nichts zu befürchten – jedenfalls, wenn es sich um Marken handelt, mit denen man ein Geschäft machen kann.
Wir leben in einer turbulenten Zeit, in der zu den oben genannten Umbrüchen auch noch das zunehmend wichtiger werdende Online- und Mobil-Geschäft hinzukommt. Hier werden neue technische Möglichkeiten ganz massiv Einfluss auf unseren Alltag nehmen. Da kann es nicht schaden, wenn ab und an außerhalb der bekannten Bahnen gedacht wird. Dann gibt es auch neue Begriffe wie eben „mittelbare Vertikalisierung“.
Peter Skop