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  • 13.07.2010 | Unternehmen

    Kooperation im Interesse von Bahner und Seibel

    Bahners zu Besuch bei Josef Seibel (v.l.): Dr. J. Elin Bahner-Heyne, Susanne Bahner, Carl August Seibel, Kevin Louis Bahner. Foto: Schütz Bahners zu Besuch bei Josef Seibel (v.l.): Dr. J. Elin Bahner-Heyne, Susanne Bahner, Carl August Seibel, Kevin Louis Bahner. Foto: Schütz

    Der Vertikalisierungsaspekt, die Sicherung des Fachhandels in beiderseitigem Interesse sowie wohlüberlegte Expansion standen für die Familie Bahner und Carl August Seibel im Vordergrund der Überlegungen bei der beschlossenen Kooperation.

    Vor der Presse erläuterten Susanne Bahner, Chefin des Familienunternehmens Leiser/Bahner, ihre beiden im Geschäft tätigen Kinder Dr. J. Elin Bahner-Heyne und Kevin Bahner, sowie Carl August Seibel Gründe und Hintergründe des überraschenden Deals. Der Vertrag war vergangene Woche endgültig unterschrieben worden.

    Beide Parteien betonten, dass es sich nicht um eine Übernahme handele habe. Die Josef Seibel Holding GmbH hat sich vielmehr mit 49 Prozent an der Leiser Fabrikations- und Handels-Gesellschaft GmbH & Co. KG beteiligt.

    Eine „mittelbare Vertikalisierung“ nannte Susanne Bahner die neue Kooperation mit Josef Seibel. Die Seibel-Marken gehörten schon in der Vergangenheit zu den stärksten im Haus. Zukünftig würden sie sicher eine gewisse Betonung haben. Außerdem habe man nun Zugriff in der laufenden Saison und könne gemeinsam je nach Nachfrage gewisse Typen entwickeln. Es handele sich nicht um Synergien im klassischen Sinne, sondern um gegenseitige Ergänzungen zu beiderseitigem Nutzen. „Seibel ist kein Retailfachmann und wir sind keine Produzenten“, betonte Susanne Bahner.

    Seibel ist schon Händler

    Carl August Seibel stellte klar, dass man sich in den letzten beiden Jahren in den Retail hineinbewegt habe. Derzeit ist Seibel mit 30 eigenen und 8 in Franchise betriebenen Geschäften im Markt. Erfolgreich läuft derzeit bereits die Linie „Spirit of Nature“. Neu entwickelt wurde die Linie „Josef Seibel & Friends“, die einen Mehrmarkenshop darstellt und mit einem Franchisenehmer in zwei Geschäften in Moskau verwirklicht ist. Die Weiterentwicklung des Konzepts in Deutschland hänge nun natürlich mit den Gegebenheiten vor Ort zusammen. So müsse man in Dresden, wo es sechs Leiser-Geschäfte gibt, keinen JS-Store aufmachen. Monomarkenstores störten dagegen die Leiser/Schuhhof-Filialen nicht. Dr. J. Elin Bahner-Heyne betonte, dass es durchaus Erkenntnisse gebe, dass Monostores sogar positive Effekte haben. Laut Seibel sei es vorstellbar, gewisse Funktionen auszutauschen. So könne ein Leiser/Bahner-Regionalleiter möglicherweise auch ein Seibel-Geschäft betreuen.

    Auf die jeweilige operative Geschäftstätigkeit werde man keinen direkten Einfluss nehmen. Bahner/Leiser werde renoviert und zukunftsfähig gemacht. „Wir werden uns einbringen und gemeinsam diskutieren. Aber es gibt jeweils ein Management, Geschäftsführer, die haben ihren Job zu tun.“ Und, in Richtung Lieferanten: „Wir werden auf keinen Fall auf gut verkäufliche Schuhe verzichten.“ Doch schloss Seibel in dem einen oder anderen Fall Veränderungen nicht aus. Letztlich könnten auch die Industriekollegen froh darüber sein, dass nun Sicherheit zurückgekehrt sei. „Keiner muss Angst haben“, so Seibel.

    Expansion wieder im Fokus

    Susanne Bahner erklärte, Ziel sei es auch, die Expansion nun wieder anzugehen. Es gebe noch viele „weiße Flecken“, also Städte, in denen man nicht vertreten sei, besonders in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. Die aktuellen Konzepte seien zukunftsweisend und setzten in punkto Flächen- oder Mitarbeiterproduktivität Benchmarks.

    Seibel nannte es als ein entscheidendes Motiv, die „Plattform“ Schuhfachhandel zu stärken. „Wir glauben an das gute Schuhfachgeschäft, dieses braucht Marken, und wir sind Marke“, stellte er den Zusammenhang her. Schuhhersteller und Schuhhandel hätten das gleiche Problem: Sie müssten Schuhe verkaufen, die genügend Marge für Personal und Miete beinhalten. Dies gehe nur mit Marken. Insofern habe Seibel, was er auch mit der Josef Seibel & Friends-Linie gezeigt habe, die ja auch weitere werthaltige Marken führt, ein starkes Interesse an starken Marken.

    Die Tendenz gehe zu qualitativ guten Schuhen, ergänzte Kevin Bahner. Anders als im Lebensmittelhandel, wo es durchaus chic sei, günstig beim Discounter einzukaufen, werden es sicher nicht chic werden, bei Schuhen nur auf den Preis zu achten. Dafür seien die Kriterien Passform und Qualität zu wichtig.

    Die Chemie muss stimmen

    Die Beziehungen zur Josef-Seibel-Gruppe seien seit langem sehr gut, deren Marken gehörten in der Bahner/Leiser-Gruppe zu den stärksten. Die konkreten Gespräche hätten sich zunächst bei normalen Treffen auf Einkaufsebene ergeben, erläuterte Susanne Bahner die Hintergründe der ungewöhnlichen Kooperation. Sie erwarte sich die besten Effekte nicht durch einen Finanzinvestor oder anderen Händler sondern eben mit einem Hersteller. „Der Mensch ist emotional, die Chemie muss stimmen“, sagte die geschäftsführende Gesellschafterin der als Holding fungierenden Leiser Fabrikations- und Handels-Gesellschaft. „Meine Kinder und ich hatten den Eindruck, dass wir dieselbe Sprache sprechen.“ Zum menschlichen Part gehört auch, dass Mitarbeiter sehr positiv Seibel gegenüber eingestellt sind, wie Bahner berichtete. So sei auf die Nachricht der Kooperation mit Seibel gesagt worden „Die passen zu uns“.

    Susanne Bahner nannte die „Restrukturierung der Passivseite“ das prioritäre Ziel der vergangenen Monate. Die Krise sei rein bankengesteuert und extrem unangenehm gewesen. Es habe ein permanenter Druck geherrscht. Seibel, der am liebsten völlig ohne Banken arbeitet, meinte hierzu: „Wir werden sicherlich nicht ohne Banken arbeiten können, die Frage ist, mit welchen. Es gab auch die netteren Banken.“ Dem Mittelstand könne nur angeraten werden, auf eine ausreichende Eigenkapitalquote zu achten. Wie hoch diese nun aktuell bei Leiser ist, mochte Frau Bahner aber dann doch nicht verraten.

    Siehe auch:

    Seibel steigt bei Leiser ein

    Leiser ist der Testsieger

    Peter Skop

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