Italiens Schuhhandelspräsident Massimo Donda sieht die Liberalisierung der Öffnungszeiten kritisch
Die Liberalisierung des Handels zählt zu den wichtigsten Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums der italienischen Expertenregierung Monti. Die Reaktion auf mögliche längere Öffnungszeiten ist jedoch höchst unterschiedlich.
Seit Anfang des Jahres ist ein Gesetz in Kraft, welches flexible Ladenöffnungszeiten ermöglicht. Geschäfte können 365 Tage lang und auch nachtsüber ihre Pforten offen haben. Der Premierminister will durch die fortschreitende Liberalisierung im Dienstleistungssektor und im Handel der Wirtschaft neue Impulse verleihen.
Die Reaktion auf die Maßnahme war im Handel unterschiedlich. Der Präsident des Schuhhandelsverbandes Federcalzature, Massimo Donda, lehnt die neuen Maßnahmen ab: „Nach einer zweimaligen Erhöhung der Mehrwertsteuer IVA hat die Regierung nun dem organisierten Einzelhandel Ausgleich verschafft, indem sie ermöglicht, 365 Tage pro Jahr die Geschäfte rund um die Uhr offen zu halten. Als ob Italien New York wäre. Aber Italien ist anders strukturiert, wir haben weder ein Paris, noch London noch NY hier. Offensichtlich kann ein Supermarkt mit 40 Kassen auch zwei Kassen nachtsüber offen haben. Aber ein Geschäft mit ein oder zwei Verkäufern kann das nicht. Wir müssen nicht nur mehr Mehrwertsteuer zahlen, sondern auch Konkurrenzvorteile des organisierten Einzelhandels akzeptieren“, kritisierte Donda die Maßnahme. Er meinte zum Schuhmarkt „Ich bin der Ansicht, dass der Konsum dadurch nicht angekurbelt wird.“
Flexibler zeigt sich Fabrizio Martinelli aus Mailand. Der Besitzer des Schuhgeschäftes „Evelyn fashion shoes“ im zentral gelegenen Corso Buenos Aires meint: „Wir spüren die Krise. Wenn wir dreimal abends offen halten, können wir möglicherweise den Umsatz leicht erhöhen. Wir probieren es einfach.“ Martinelli ist mit seiner Initiative ein Einzelfall. Denn 70 % der vom Handelsverband Conferscenti befragten Geschäftsinhaber sind nicht an einer verlängerten Ladenöffnungszeit interessiert.
Thesy Kness Bastaroli