Die beiden Modeunternehmer Walter und Giovanni Burani, Minderheitsaktionäre der Lederwarengruppe AP (Antichi Pellettieri), wurden verhaftet. Während der ehemalige CEO der Mariella Burani Fashion Group (MBFG), Giovanni Burani, hinter Schloss und Riegel sitzt, wurde sein Vater, der 77-jährige Firmengründer Walter Burani, unter Hausarrest gestellt.
Laut Untersuchungsrichter Fabrizio D`Arcangelo wurden die Bilanzen der börsennotierten Mariella Burani Fashion Group (MBFG) seit 2007 gefälscht. Die beiden Unternehmer werden der Mithilfe zum betrügerischen Bankrott, der Kursmanipulationen und Bilanzfälschung angeklagt.
Auch sollen die Buranis einen Schatz von „zig Millionen“ ins Ausland transferiert haben. Die Familie hatte sich zu Jahresbeginn geweigert, die geforderten 50 Mio. Euro für eine nötige Kapitalerhöhung und Umstrukturierung auf den Tisch zu legen. Die Untersuchungen gegen die Eigentümer der MBFG begannen im Jahr 2008 als Teil einer Routineuntersuchung. Dabei stellten die Steuerbehörden fest, dass 100 Mio. Euro in eine niederländische Scheinfirma transferiert wurden, um die Aktien der an der Mailänder Börse gelisteten MBFG künstlich zu stützen. Die Burani-Aktien wurden seit August 2009 vom Börsenhandel ausgesetzt.
Inzwischen befindet sich der Modekonzern wegen eines Bilanzlochs von 750 Millionen Euro unter Zwangsverwaltung. Zum Konzern zählen unter anderem das deutsche Modeunternehmen Renè Lezard und die über AP gehaltenen Beteiligungen an namhaften Lederwarenfirmen wie etwa Mandarina Duck, Coccinelle, Braccialini und der Schuhfirma Baldinini. Die Mehrheitsbeteiligung an der österreichischen Modehandelskette Don Gil wurde bereits 2007 abgegeben.
Beim Modekrimi handelt es sich um die Geschichte eines 1980 gegründeten, einst soliden Familienunternehmens aus Mittelitalien. Dieses wandelte sich unter der Führung des Gründersohns Giovanni Burani zu einem weltweit präsenten Modekonglomerat. In den Boomjahren diversifizierte und expandierte das Modehaus immer weiter. Die von der Ex-Schneiderin Mariella Burani entworfenen Modekollektionen wurden sei wenigen Jahren von Schuhen, Lederwaren und Schmuck flankiert. Der Konzern engagierte sich auch bei Kosmetika, Bio-Nahrung und erneuerbarer Energie.
Da die Expansion vor allem fremdfinanziert wurde, hat die Finanzkrise dem Ganzen einen Strich durch die Rechnung machte. Im Kreuzfeuer der Kritik stehen nicht nur die kriminellen Finanztransaktionen der Familie Burani. Auch der Wirtschaftsberater Ernst & Young hatte den Finanz- und Bilanzschwindel nicht erkannt: Noch vor anderthalb Jahren zeichnete Ernst & Young den Unternehmer Giovanni Burani als besten Manager in der Kategorie "Finance" aus.
Siehe auch:
Braccialini – Feng Shui und die Taschen
Mariella Burani Fashion Group in Konkurs
Thesy Kness Bastaroli