Das Merzalbener Schuhunternehmen Dockers by Gerli sieht einem positiven Geschäftsjahr entgegen, wie Geschäftsführer Ralf Grossmann gestern bekannt gab.
Das Jahr werde wohl wieder an die Zahlen des Rekordjahres 2008 anknüpfen können. Mit einem Umsatzplus im ersten Halbjahr von 17 Prozent und einem paarzahlmäßigen Zuwachs im Vorverkauf für das zweite Halbjahr (Auftragsbestand H/W 2010) von 22 Prozent hat Dockers die einstelligen Umsatzdellen des Jahres 2009 ausgeglichen.
Das Jahr 2009 hat trotz rückläufiger Umsätze mit steigenden Erträgen überzeugt. Ein straffes Kostenmanagement und deutlich reduzierte Abschriften nannte Grossmann als die Hauptgründe für den positiven Abschluss des Krisenjahres. Gespart wurde unter anderem beim Messeauftritt sowie bei den Werbeausgaben.
„Die modische Entwicklung der Herbst-Saison 2010 “, so Grossmann, „hat unsere Entwicklung natürlich erheblich begünstigt. Unsere Kernkompetenzen, robuste Schuhe, waren die wichtigsten Trendthemen. Die Lagerräumung war dank des Winters perfekt. Jetzt warten wir nur noch auf einen guten Saisonauftakt, damit die Nachorders unser ohnehin schon sehr gutes Umsatzergebnis für 2010 noch weiter anschieben.“
Das Exportgeschäft hat sich 2010 mit einem vorläufigen Plus von 8 Prozent positiv entwickelt. Wichtigste Märkte waren Frankreich, Belgien und Nordeuropa. Der Export wird 2010 voraussichtlich wieder einen Anteil von knapp 40 Prozent am Gesamtumsatz haben. Dank einer vorsichtigen Osteuropa-Strategie ist Dockers von den Negativentwicklungen in diesen Märkten verschont geblieben.
Die Gesamtstimmung für die Sommer-Saison 2011 ist durchgängig positiv. Die Expo Riva, der erste Auftragseingang von großen Kunden, und die generelle Bewertung der Kollektion und der Performance der Marke Dockers lassen für das erste Halbjahr 2011 eine positive Entwicklung erwarten. Im Merzalben rechnet man für die Kollektion mit einem steigenden Umsatzanteil von 15 Prozent bei Kindern, von 35 Prozent bei den Damen und 50 Prozent Herren. Bezüglich des Orderrhythmus zeichnen sich keine eindeutigen Veränderungen ab. Grossmann: „Unser Preis- und Kollektionskonzept hat nun mal eindeutige Spielregeln. Bestimmte Liefertermine ziehen klar definierte Zeitachsen nach sich. Hier kann keiner zaubern“
Beunruhigt zeigte sich Grossmann über die Kostenentwicklung bei nahezu allen Komponenten. Die Preisarchitektur werde sich notwendigerweise ändern. Zwar bleibe das gesamte Preisspektrum für F/S 2011 mit VK-Preisen im Schwerpunkt zwischen 39,95 und 69,95 Euro bei Dockers stabil. Allerdings werde sich der Preisanteil von 59,95 Euro aufgrund des Kostendrifts in sämtlichen Beschaffungsmärkten erhöhen:
Bei einem Herrensneaker mit Schaft und Decksohle aus Leder haben die gesamten Materialkosten einen Anteil von ca. 70 Prozent an den Produktionskosten. Die Preissteigerungen liegen für die F/S-Saison um die 20 Prozent über dem Vergleichsartikel aus der Sommersaison 2010. Konsequenz für die Preise: Plus 15 Prozent.
Moderater stellt sich die Situation bei einigen Damenmodellen dar, bei denen der Materialanteil bei 50 Prozent liegt und in wesentlich stärkerem Umfang Synthetik- Materialien zum Einsatz kommen. Dockers, so Grossmann, arbeite extrem daran, die konsumigen Preislagen so weit wie möglich aufrecht zu erhalten.
Die gesamte Struktur der Beschaffungsländer wird sich 2011 nicht bemerkenswert verändern. Vietman und China bleiben die wichtigsten Länder, Thailand verliert leicht an Bedeutung. Nebenrollen spielen Indien und Kombodscha. Kleine Programme, bei denen Termine extrem wichtig sind, werden in Portugal produziert.
In den Kundenstrukturen im deutschen Markt, der für 60 Prozent des Umsatzes steht, gibt es keine dramatischen Veränderungen. Grossmann: „Leider hat sich der Abschmelzungsprozess bei den kleineren Fachgeschäften nicht abgeschwächt. Die großen Filialisten wachsen und die Internetplattformen gewinnen an Bedeutung, sowohl als Absatzkanal für den stationären Handel und die Versender als auch als eigenständiger Vertriebskanal.“ Ein eigenes Online-Vertriebsportal sei allerdings nicht geplant.
Swantje Francke