„Wir haben viele Krisen erlebt, so schlimm war es noch nie”, beschreibt der Präsident der Mipel und des Fachverbandes Aimpes, Giorgio Cannara, die Lage. Eine Erholung sei erst in der zweiten Jahreshälfte 2010 zu erwarten.
Immerhin verlief der erste Mipel Messetag verheißungsvoll: mehr Besucher und angeblich mehr Order. Die Ausstellerzahl lag mit 427 (davon 159 Ausländer) um 3% unter dem Vorjahresniveau.
Der Poduktionswert hat sich 2009 um knapp ein Fünftel auf 3,1 Mrd. Euro verringert. Die prekäre Produktionslage hat dazu geführt, dass rund 300 Firmen ihre Pforten schlossen. Vom Massensterben war vor allem der Lederwarendistrikt in der Toskana (Scandicci) betroffen.
Die insgesamt 6000 Branchenfirmen haben 2009 Exporte von 2,46 Mrd. Euro getätigt. Gründe für das Exportwaterloo war nicht nur die globale Krise sondern auch der schwache Dollar und der schwache Yen. So fielen die Branchenausfuhren in die USA um 35% zurück. „Die in den letzten Wochen gezeigte Erholung des Dollars kommt uns sicher zugute”, meinte Cannara.
Die Schweiz behauptete sich auch im Vorjahr als wichtigster ausländischer Abnehmer, indem sie Waren im Werte von 490 Mio. Euro (-23%) ein Fünftel aller Ausfuhren aufnahm. Auch die Lieferungen nach Deutschland stehen inzwischen auf Platz Nummer Sechs. Im Vorjahr konnten einzig die Lieferungen nach Österreich (+6%) zunehmen. Was die einzelnen Ausfuhrprodukte betrifft, so war der Aderlass bei Gürteln (-26%) und bei Damenhandtaschen (-22%) besonders groß. Echte Lederwaren bekamen die Exportkrise starker zu spüren als Lederwaren aus Kunststoff oder Ersatzmaterialien.
Auch die Importe haben infolge der Konsumkrise am Inlandsmarkt nachgelassen. Sie fielen um 10% auf 1,37 Mrd. Euro. Die Importe aus China fielen um 17% zurück. Mit 733 Mio. Euro bestritten sie mehr als die Hälfte (53%) aller Brancheneinfuhren. Empfindliche Rückschläge wurden bei den Einuhren aus Rumänien, Bulgarien, Ungarn, Slowenien und Marokko verzeichnet. Leidtragende der Importverlangsamung waren an erster Stelle die Produktgruppen Reisegepäck und Dokumentenmappen.
Der Inlandskonsum sank im Vorjahr um 1,3% auf 1,64 Mrd. Euro. Fachverbandspräsident Cannara forderte die Unternehmen auf, sich jetzt kräftig um den Inlandsmarkt zu bemühen, der keine echte Krise zeigte. Dies war auch auf die kluge Preispolitik zurückzuführen: Im Durchschnitt reduzierten sich die Lederwarenpreise im Jahresvergleich um 2%. Auch für 2010 ist eine stabile Preispolitik vorgesehen.
Einzelne Unternehmen versuchen durch originelle Ideen, wie etwa die nummerierten Roy Liechtenstein-Taschen by Borbonese, andere durch umweltfreundliche Materialien und wiederum andere durch den ökologischen Trend im Taschenbereich zu punkten.
Zu den größten Problemen der heimischen Hersteller zählt die wachsende Anzahl der Raubkopien, die von den Straßenverkäufern in sämtlichen italienischen Städten, an der Badeküste und inzwischen auch in den Wintersportgebieten angeboten werden. „Die Regierung muss diesem Phänomen einen Riegel vorschieben” fordert Fachverbandsdirektor Muzzolon Maßnahmen, um den wachsenden Verkauf von Fälschungen zu bremsen.
Siehe auch:
Messe Mipel – Hauptsache individuell
Thesy Kness Bastaroli