Immerwährend wird in diesen Tagen das Mantra der Wertekultur runtergebetet. Nach dem Motto: In wirtschaftlich schwierigen Situationen gewinnen Tugenden wie Beständigkeit, Verantwortung und Ehrlichkeit wieder an Bedeutung. Doch wieviel „Greenwashing“, sprich grünes Vorgaugeln, steckt dahinter? Sind es wirklich überall ernst gemeinte Konzepte?
In einem sehr vergnüglichen Referat über „Retail Brand – Der Handel wird zur Marke“ sprach Dr. Claudius A. Schmitz, Unternehmensberater und Hochschullehrer, auf dem jüngsten Kölner Zukunftsforum über typische Wertemissverständnisse. „Wir orientieren uns viel zu sehr an gecluserten Zielgruppen“, so Schmitz. Was auch meint: „Ich biete dir alles, Kunde. Nun komm doch endlich. Kauf, du Sau!“ (Interner Schlachtruf der Münchner Werbeagentur Erich Slawicki). Schmitz‘ Credo beschreibt eine Einzelhandelskultur, wo Menschen und Individualität entwickelt und gefördert werden und wo Kreativität eigentlich Wandlungsfähigkeit bedeutet. Es ging auf dem Kölner Forum um viele Problemlösungen, die guten Handel ausmachen sollten. Das sind beispielsweise kleinere Handelsformate, wie sie Trendforscher und Handelsprofi Ulrich Eggert für die Zukunft sieht: „Die Älteren wollen nicht auf die grüne Wiese. Sie wollen Nähe und Einfachheit.“
Ein Problemfeld, dem wir uns in dieser Ausgabe auch widmen, sind Übergrößen, die gerade bei jungen Leuten immer wichtiger werden, die aber oft lieblos sortiert und recht unmodisch seitens der Hersteller daher kommen.
Sollten also hinter Beständigkeit, Verantwortung und Ehrlichkeit wirkliche Problemlöser stecken, wäre es eine gute Sache. 14/09
Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin