Weniger Marmor, Luxus und Prestige. So lauten derzeit die News von der Immobilienbranche. Selbst bei den Liegenschaften an der Cote d‘Azur, wo ein russischer Oligarch unlängst noch eine halbe Milliarde Euro für ein Wohnhaus zahlte. Haben Prunk und Premiumklasse erstmal Pause? „Statt komfortabler Sitzgruppen gibt es bei Karstadt wieder Wühltische“, unkte kürzlich auch ein Brancheninsider, in Anbetracht der Situation, dass profitable Premiumhäuser der Arcandor-Gruppe, wie das Berliner KaDeWe oder Münchens Oberpollinger zum Verkauf anstehen.
Überkanditelte Läden scheinen in der Krise nicht mehr dem Zeitgeist zu entsprechen. Das sind auch die Erfahrungen der Ladenbauer. Emotionen und Wohnlichkeit sind Stilmittel, die das Verkaufsambiente künftig stärker prägen werden, sagt Jutta Blocher von dem Stuttgarter Architekturbüro Blocher Blocher Partners. Und dabei verlange jedes Genre und jede Warenwelt nach spezieller Inszenierung. Für Blocher gilt es, die DNA eines Unternehmens und einer Marke aufzuschlüsseln und daraus die entsprechende Gestaltung abzuleiten. Als langfristigen Trend sieht die Architektin Nachhaltigkeit. Ehrlich gemeint, fördert es die Authentizität der Marke.
Dabei gilt es allerdings subtil zu erkennen, ob ein Eileen-Grey- Designerstuhl oder künstliche Weinblätter in der Schaufenster-Deko die DNA treffen. Wichtig ist jedenfalls für den Handel, bei zunehmend austauschbaren Sortimenten, auch optisch im Gespräch zu bleiben. 11/09
Ilona Sauerbier, stv. Chefredakteurin